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Aktuelle Version vom 22. August 2026, 17:39 Uhr
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Blockadebuch |
| Autor(en): | Ales Adamowitsch, Daniil Granin |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Aufbau |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1979 |
| Seitenanzahl: | 736 Seiten |
| Originaltitel: | Блокадная книга |
| Originalsprache: | russisch |
| ISBN-10: | 335103735X |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783351037352 |
| Schlagwörter: | Leningrad, Blockade, Zeugnis, Hunger |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Rezensionen | |
Blockadebuch (russisch Blokadnaja kniga) ist die Ende der siebziger Jahre erschienene dokumentarische Chronik der Leningrader Blockade von Ales Adamowitsch und Daniil Granin. Seit 1974 befragten die Autoren Überlebende der neunhundert Tage, sammelten Tagebücher, Briefe und Erinnerungen und nannten das Ergebnis ein Epos menschlichen Leidens. Kapitel erschienen 1977 in der Zeitschrift Nowy Mir; die Buchausgabe von 1979 war zensiert und in Leningrad selbst verboten, bis 1984 eine örtliche Drucklegung möglich wurde. Die deutsche Übersetzung kam bei Volk und Welt heraus, 2018 bei Aufbau neu, mit einem Vorwort von Ingo Schulze. Das Buch zählt, weil es die Heroisierung der Blockade durch die Tatsachen des Hungers bricht.
Inhalt
Adamowitsch und Granin schreiben gegen das offizielle Bild der heldenhaften Stadt, in dem die Partei die Bevölkerung führt und das Leiden zur Bewährung wird. Die Blockade durch die deutsche Wehrmacht von 1941 bis 1944 hat rund eine Million Menschen das Leben gekostet, die meisten durch Hunger. Das Buch lässt die Überlebenden sprechen: wie Brot gewogen, Leichen durch den Schnee gezogen, Wohnungen kalt und Familien still wurden. Die Autoren montieren Zeugnisse, statt eine einzige Erzählung zu führen. Sie halten fest, was die sowjetische Gedenkkultur oft wegließ: das Versagen der Versorgung, die Angst, das Unheroische des Verhungerns, die Schuld, die der Überlebende gegenüber den Toten empfindet. Die sogenannte Tatsachenwahrheit, hieß es intern, werfe kein gutes Licht auf die Rolle der Partei.
Die Form ist die der Chronik aus vielen Stimmen. Tagebücher stehen neben späteren Erinnerungen, Briefe neben den Fragen der beiden Schriftsteller. Granin hatte die Stadt als junger Mann erlebt; Adamowitsch, Weißrusse und Partisan, kam als Mitschreiber des Leidens. Gemeinsam vermeiden sie die glatte Moral. Der Hunger macht nicht besser, er macht dünner. Nachbarschaft kann teilen oder verschließen. Die berühmten Schilder, welche Straßenseite bei Beschuss gefährlicher sei, erscheinen als Alltag einer Stadt, die weitergeht, während sie stirbt. Das Buch ist lang, weil die Blockade lang war, und weil die Autoren der Versuchung widerstehen, aus tausend Toden eine Lehre zu ziehen, die den Staat rettet. Spätere Auflagen haben Material nachgetragen, das die Zensur zunächst strich.
Das Buch wird unsicher, wo die Montage selbst eine Wahrheit erzeugt. Erinnerung nach dreißig Jahren ist nicht dasselbe wie das Tagebuch vom Tag des Hungers; die Autoren wissen das und stellen beides nebeneinander, ohne jede Stimme zu richten. Gegner in der Partei nannten die Tatsachenwahrheit unzulässig; westliche Leser haben bisweilen das Leiden zur Anklage gegen alle sowjetische Geschichte gemacht. Der Ton ist der der dokumentarischen Prosa, nüchtern und erschüttert, ohne die Pathosformel des Sieges. Alexander Sokurow hat 2009 den Film Das Blockadebuch lesen darauf gegründet; ein Spielfilm von 2020 nutzte den Band als Arbeitsgrundlage. Die Grenze, die die Autoren ziehen – Zeugnis vor Heldenepos –, ist eine Ethik des Hörens, keine Militärgeschichte.
Einordnung
In der Sowjetunion war das Buch ein Skandal der Langsamkeit: sechs Monate Verzögerung, Verbot in Leningrad, Freigabe nach dem Wechsel der örtlichen Parteiführung. Seit den achtziger Jahren ist es in immer neuen Ausgaben erschienen und in viele Sprachen übersetzt. 2013 setzte das russische Bildungsministerium es auf die Liste von hundert Büchern, die Schülern zum eigenen Lesen empfohlen wurden. Granins Rede vor dem Deutschen Bundestag am 27. Januar 2014 hat den Stoff noch einmal in die deutsche Erinnerung geholt.
Geblieben ist die Zumutung, die Blockade als Hunger zu lesen, nicht als bloße Bewährung. Wer nach diesem Band über Leningrad, über Wehrmachtbelagerung und über sowjetisches Gedenken spricht, spricht hinter ihm oder gegen ihn. Die Aufbau-Ausgabe mit Schulzes Vorwort hat den dokumentarischen Atem bewahrt; er ist älter geworden und durch spätere Kriege nicht widerlegt. Die Stimmen der Verhungerten bleiben die Widerlegung jedes Heldenepos.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
