Der Klassenkampf in der antiken griechischen Welt: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Zur Navigation springen Zur Suche springen
(Neuer Werkartikel (Geisteswerke).)
 
(Werk-Wikilinks auf vorhandene Seitentitel.)
 
Zeile 29: Zeile 29:
 
== Einordnung ==
 
== Einordnung ==
  
Neben ''[[Das Kapital]]'' und neben Finleys Wirtschaftsgeschichte steht Ste. Croix als der Versuch, Marx in die Altertumswissenschaft zurückzuholen, die ihn in Großbritannien oft ignoriert hatte. Das Buch wurde ein Klassiker marxistischer Geschichtsschreibung und blieb im Deutschen unübersetzt, was seine Wirkung auf Seminare begrenzte und auf die, die siebenhundert Seiten Englisch lesen. Es hat die Rede von der Sklavenhaltergesellschaft präzisiert: nicht Mehrheit der Arbeit, sondern Weg des Überschusses.
+
Neben ''[[Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie|Das Kapital]]'' und neben Finleys Wirtschaftsgeschichte steht Ste. Croix als der Versuch, Marx in die Altertumswissenschaft zurückzuholen, die ihn in Großbritannien oft ignoriert hatte. Das Buch wurde ein Klassiker marxistischer Geschichtsschreibung und blieb im Deutschen unübersetzt, was seine Wirkung auf Seminare begrenzte und auf die, die siebenhundert Seiten Englisch lesen. Es hat die Rede von der Sklavenhaltergesellschaft präzisiert: nicht Mehrheit der Arbeit, sondern Weg des Überschusses.
  
 
Geblieben ist der Kartoffelesser auf dem Vorsatz und der Satz, dass Ausbeutung die Klasse definiert, nicht das Bewusstsein. Wer über antike Demokratie, Sklaverei und den Streit um Marx in der Althistorie spricht, stößt auf Ste. Croix. Der Band ist lang, parteilich und genau in der Behauptung, die Quellen hätten Arm und Reich nicht erfunden.
 
Geblieben ist der Kartoffelesser auf dem Vorsatz und der Satz, dass Ausbeutung die Klasse definiert, nicht das Bewusstsein. Wer über antike Demokratie, Sklaverei und den Streit um Marx in der Althistorie spricht, stößt auf Ste. Croix. Der Band ist lang, parteilich und genau in der Behauptung, die Quellen hätten Arm und Reich nicht erfunden.

Aktuelle Version vom 22. August 2026, 15:37 Uhr

Daten zum Buch
Deutscher Titel: Der Klassenkampf in der antiken griechischen Welt
Autor(en): Geoffrey de Ste. Croix
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Duckworth
Serie:
Erscheinungsjahr: 1981
Seitenanzahl: 732 Seiten
Originaltitel: The Class Struggle in the Ancient Greek World
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 0715607383
ISBN-13/

EAN-Code:

9780715607381
Schlagwörter: Klasse, Sklaverei, Ausbeutung, Antike
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Rezensionen
Umschlag

Der Klassenkampf in der antiken griechischen Welt (englisch The Class Struggle in the Ancient Greek World. From the Archaic Age to the Arab Conquests) ist die 1981 bei Duckworth in London erschienene Studie des marxistischen Althistorikers Geoffrey de Ste. Croix. Eine deutsche Ausgabe gibt es nicht. Das Buch wendet Karl Marx’ historisches Modell auf die griechische Welt von etwa 700 vor Christus bis 650 nach Christus an, einschließlich Rom, soweit es griechisch geprägt war. Als Frontispiz dient Vincent van Goghs Bild der Kartoffelesser: die stimmlosen Arbeiter, auf denen eine Zivilisation stand, die sie verachtete. Das Werk zählt, weil es Klasse, Ausbeutung und Klassenkampf ernst nimmt, ohne die Antike in zwei Lager zu zwingen, als wäre sie schon der Kapitalismus.

Inhalt

Ste. Croix schreibt gegen zwei Weisen, die Antike zu erzählen: gegen die Antiquare, die Theorien ablehnen und nur Stoff sammeln, und gegen jene, die innere Kämpfe der Poleis als Rivalität innerhalb der Eliten lesen. Die Quellen, sagt er, sind voll vom Gegensatz Arm gegen Reich; den wegzuräumen sei unredlich. Zugleich weist er marxistische Vorgänger zurück, die der Antike Klassen aufzwangen, die es so nicht gab, und Nichtmarxisten, die von Handelsaristokratien in Ägina und Korinth sprachen. Moses I. Finleys The Ancient Economy schätzt er hoch und tadelt doch die Marx-Kenntnis: Finley fürchte, Klasse zerlege die Gesellschaft in Besitzende und Besitzlose und mache Lohnarbeiter zu Sklaven; das sei ein Missverständnis. Marx selbst habe für frühere Epochen die mannigfaltige Stufung der Stände betont. Klasse definiert Ste. Croix als soziales Verhältnis der Ausbeutung: wo ausgebeutet wird, gibt es Klassen, auch ohne Klassenbewusstsein. Eine Klasse an sich muss keine Klasse für sich sein.

Die Behauptung entfaltet sich am Aufbau der antiken Gesellschaft. Die ausbeutende Minderheit – grob zwei bis drei vom Hundert – lebte von Land und unfreier Arbeit, nicht von Lohnarbeit, die selten und gering war. Deshalb spricht Ste. Croix von einer Sklavenhaltergesellschaft, obwohl Sklaven weder die Mehrheit der Arbeitskräfte noch den Großteil der Gesamtproduktion stellten: entscheidend ist, wie die Besitzenden an den Überschuss kamen. Die Mehrheit waren Bauern, Handwerker, Händler, oft knapp über dem Lebensnotwendigen, selten Ausbeuter und selten ausgebeutet. Die Demokratie, namentlich die athenische, milderte die Ausbeutung der freien Bürger und verlagerte sie auf die Rechtlosen. Freiheit und Sklaverei schritten, wie schon Finley sah, miteinander voran; Ste. Croix erklärt das damit, dass die Reichen in einer Demokratie die Armen nicht ungehindert auspressen konnten und deshalb die Sklaven umso härter brauchten. Aristoteles ist ihm der größte Soziologe der Antike, weil er Reich und Arm als den eigentlichen Gegensatz der Verfassungen nimmt; Platon bleibt der Philosoph, der die Arbeitenden verachtet und eine starre Oligarchie der Wächter entwirft.

Unsicher wird das Buch, wo der Klassenkampf auch dort waltet, wo niemand von ihm weiß. An Bewusstsein gebunden, gäbe es in Griechenland kaum eine untere Klasse. Ste. Croix nimmt das in Kauf: sonst gäbe es nur Aristokraten. Sklavenrevolten fehlten, weil die Versklavten aus vielen Ländern stammten und die Herren zusammenhielten. Die politische Geschichte von der Tyrannis über die Demokratie bis zur makedonischen und römischen Zerstörung der Volksherrschaft liest er als Kampf um die Staatsgewalt zwischen Besitzenden und Volk, wobei die Führer der Demokraten fast immer aus der Oberschicht kamen. Der Ton ist der des gelehrten Marxisten, der Quellen stapelt und Gegner beim Namen nennt. Gegenposition bleibt Finleys Schichtungsmodell und jede Altertumswissenschaft, die Ökonomie für unantik hält. Robert Browning schrieb, nach diesem Buch werde die Geschichte der antiken Welt nicht mehr dieselbe sein.

Einordnung

Neben Das Kapital und neben Finleys Wirtschaftsgeschichte steht Ste. Croix als der Versuch, Marx in die Altertumswissenschaft zurückzuholen, die ihn in Großbritannien oft ignoriert hatte. Das Buch wurde ein Klassiker marxistischer Geschichtsschreibung und blieb im Deutschen unübersetzt, was seine Wirkung auf Seminare begrenzte und auf die, die siebenhundert Seiten Englisch lesen. Es hat die Rede von der Sklavenhaltergesellschaft präzisiert: nicht Mehrheit der Arbeit, sondern Weg des Überschusses.

Geblieben ist der Kartoffelesser auf dem Vorsatz und der Satz, dass Ausbeutung die Klasse definiert, nicht das Bewusstsein. Wer über antike Demokratie, Sklaverei und den Streit um Marx in der Althistorie spricht, stößt auf Ste. Croix. Der Band ist lang, parteilich und genau in der Behauptung, die Quellen hätten Arm und Reich nicht erfunden.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.