Apologie der Geschichtswissenschaft oder Der Beruf des Historikers

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Marc Bloch · 1949 · Sachbuch, Geschichte
Das Werk
Deutscher Titel: Apologie der Geschichtswissenschaft oder Der Beruf des Historikers
Autor(en): Marc Bloch
Originaltitel: Apologie pour l’histoire ou Métier d’historien
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1949
Schlagwörter: Methode, Quelle, Zeit, Verstehen
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Klett-Cotta


Umfang dieser Ausgabe: 332 Seiten
ISBN: 9783608986457
Verweise
Umschlag

Apologie der Geschichtswissenschaft oder Der Beruf des Historikers ist das unvollendete Methodenbuch von Marc Bloch, zwischen 1941 und 1943 geschrieben, 1944 von der Gestapo erschossen, 1949 von Lucien Febvre herausgegeben. Eine von Eingriffen gereinigte Ausgabe besorgte 1993 Étienne Bloch; die deutsche Übertragung von Wolfram Bayer nach dieser Fassung erschien 2002 bei Klett-Cotta, herausgegeben von Peter Schöttler, mit einem Vorwort von Jacques Le Goff. Bloch verteidigt die Geschichte nicht als Sammlung von Herrschern, sondern als Wissenschaft vom Menschen in der Zeit. Das Buch bleibt ein Torso und gilt dennoch als eine der besten Einführungen in das Handwerk. Es ist die Bilanz eines Historikers, der über seine Arbeit nachdachte, während Frankreich besetzt war.

Inhalt

Bloch schreibt gegen die Meinung, Geschichte sei das, was Quellen von selbst erzählen, und gegen die Gegenmeinung, die Gegenwart erkläre sich aus sich selbst. Geschichte ist die Wissenschaft vom Menschen, aber erst die Einbettung in die Zeit macht den Historiker; ohne sie wäre er Soziologe. Der Begriff des Ursprungs verwirrt, weil er Anfang und Ursache vermengt und beide in eine unendliche Ferne treibt. Wörter wie timbre und bureau ändern ihre Bedeutung; wer nur die erste kennt, überspringt die Zeit, in der die Veränderung liegt. Auch die Gegenwart ist nur die unmittelbare Vergangenheit. Die alten Griechen, Herodot und Thukydides, hätten nicht angenommen, zur Erklärung des Nachmittags genüge die Kenntnis des Vormittags. Technische Beschleunigung hat Generationen einander entfremdet; Bloch hält trotzdem fest, dass keine Zeit aus sich allein verständlich ist.

Die Behauptung entfaltet sich am Handwerk. Der Historiker gleicht einem Richter, der ein Verbrechen rekonstruiert, das er nicht gesehen hat: der Zugang ist mittelbar. Narrative Zeugnisse wollen unterrichten; Zeugen wider Willen – Urteile, Baupläne, Spuren – wollten das nicht und sind oft verlässlicher. Am Anfang steht eine Frage, nicht das bloße Lesen. Kritik prüft Schrift, Sprache, Inhalt und Wahrscheinlichkeit; Fälschung kann als Fälschung wahr sein, weil sie Motive verrät, und der gutgläubige Irrtum verrät die Meinung einer Zeit. Fußnoten sind keine Pedanterie, sondern das Angebot, jede Behauptung zu widerlegen. Vergleich ist die Grundlage fast jeder Kritik. Im vierten Kapitel verlangt Bloch Unparteilichkeit als Verstehen, warnt vor Namen, die bleiben, während die Sache wechselt, und vor Jahrhunderten, die Gesellschaften nicht um Mitternacht umbauen. Das fünfte Kapitel, ohne Titel und unvollendet, lockert die Kausalnetze: Menschen reagieren nicht immer gleich auf Gleiches.

Unsicher bleibt das Buch, weil der Tod es abgebrochen hat und weil Febvre in die erste Ausgabe eingriff. Die gereinigte Fassung stellt den Torso ehrlicher aus: Fragen ohne letzte Antwort, ein Handwerker im Imperfekt. Bloch weiß, dass Wahrscheinlichkeit in der Vergangenheit streng genommen nicht zu berechnen ist, und benutzt sie trotzdem. Die Gegenposition einer rein erzählenden oder rein theoretischen Geschichte weist er ab, ohne ein fertiges System an ihre Stelle zu setzen. Auch die Nähe zur Soziologie, die er selbst öffnet, kann die Grenze verwischen, die er ziehen wollte: Mensch in der Zeit, nicht Mensch schlechthin. Das Notizbuch eines Handwerkers, der nachdachte, ist kein Lehrbuch mit Lösungen. Gerade darin liegt, was später als Meisterschaft gelesen wurde.

Einordnung

Bloch, Mitbegründer der Annales, hat in Die Feudalgesellschaft gezeigt, was die Methode trägt; die Apologie sagt, warum sie so verfahren muss. Sie ist in acht Sprachen übersetzt und in hoher Auflage gelesen worden, oft als erste Begegnung mit dem Beruf. Michael Stürmer nannte sie einen Dialog mit dem Fach; die Neue Zürcher Zeitung eine vorzügliche, vielleicht die beste Einführung. Neben den großen Theorien der Historik steht sie als Ethik der Frage und der Nachprüfbarkeit. Wer Geschichte als Richterstuhl sucht, wird von Bloch zum Verstehen geschickt; wer sie als Stoffsuche sucht, lernt, dass die Frage zuerst kommt.

Das Missverständnis wäre, ein vollendetes System der Geschichtstheorie zu erwarten. Es ist eine Verteidigung unter dem Druck der Niederlage und der Besatzung, geschrieben von einem Mann, der bald darauf erschossen wurde. Die Wirkung verdankt sich auch diesem Umstand, ohne dass der Text nur als Märtyrerbuch zu lesen wäre. Er bleibt aktuell, wo Digitalisate die Sammlung erleichtern und die Kritik nicht ersetzen. Bloch hat die Geschichte als Wissenschaft in Bewegung bezeichnet. Die Bewegung hat er nicht zu Ende geführt; er hat ihr das Handwerk beschrieben, das sie nicht hinter sich lassen kann, ohne aufzuhören, Geschichte zu sein.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.