Über Verbrechen und Strafen

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Über Verbrechen und Strafen
Autor(en): Cesare Beccaria
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Insel Verlag
Serie: insel taschenbuch
Erscheinungsjahr: 1764
Seitenanzahl: 187 Seiten
Originaltitel: Dei delitti e delle pene
Originalsprache: italienisch
ISBN-10: 3458338667
ISBN-13/

EAN-Code:

9783458338666
Schlagwörter: Strafrecht, Folter, Todesstrafe, Aufklärung
Sachgebiete: Sachbuch, Recht
Rezensionen

Über Verbrechen und Strafen ist die 1764 anonym erschienene Streitschrift des Mailänder Juristen Cesare Beccaria. Kaum ein Buch hat so schnell so viele Menschenleben verändert: Innerhalb einer Generation verschwand in weiten Teilen Europas die Folter aus den Gerichtssälen.

Inhalt

Beccaria beginnt mit einer Trennung, die alles Weitere möglich macht. Was vor Gott Sünde ist, geht den Staat nichts an; er darf nur bestrafen, was der Gemeinschaft schadet. Damit ist das Strafrecht aus der Theologie entlassen und muss sich vor der Vernunft rechtfertigen. Sein Maßstab ist der Nutzen aller – „das größte Glück, verteilt auf die größte Zahl“, eine Formel, die Jeremy Bentham später übernahm und berühmt machte. Und weil Strafe kein Ausgleich für begangenes Unrecht sein soll, sondern künftige Taten verhindern, richtet sich das ganze Buch nach vorn: Nicht Vergeltung, sondern Vorbeugung.

Daraus folgt ein Programm, das heute wie eine Aufzählung von Selbstverständlichkeiten klingt und damals eine Zumutung war. Gesetze müssen klar, öffentlich und für alle gleich sein, auch für den Adel. Nur der Gesetzgeber darf Strafen festsetzen, nicht der Richter, der sonst nach Laune auslegt. Verhandelt wird öffentlich; geheime Anzeigen erziehen zum Denunzianten. Die Untersuchungshaft ist eine Strafe für einen noch nicht Verurteilten und deshalb so kurz wie möglich zu halten. Und die Strafe muss zur Tat passen und dem Vergehen zeitlich folgen, damit der Zusammenhang überhaupt erkennbar bleibt. Entscheidend ist dabei nicht ihre Härte, sondern ihre Gewissheit – wer weiß, dass er bestraft wird, lässt es eher, als wer auf sein Glück hofft.

Am schärfsten sind die beiden Kapitel, die dem Buch seinen Ruf verschafften. Die Folter nennt Beccaria ein Verfahren, das nicht die Wahrheit ermittelt, sondern die Widerstandsfähigkeit misst: Der Kräftige leugnet und geht frei, der Schwache gesteht auch, was er nie getan hat – ein Wettkampf, kein Beweis, und obendrein eine Strafe, die vor dem Urteil vollstreckt wird. Und die Todesstrafe hält er für unzulässig und unnütz zugleich. Niemand habe im Gesellschaftsvertrag das Recht über sein Leben abgetreten; wirksamer als das kurze Schauspiel einer Hinrichtung sei ohnehin das lange Beispiel eines Verurteilten, der seine Freiheit verloren hat. Dass der Staat töten lässt, um zu zeigen, dass Töten verboten ist, erschien ihm als Widerspruch, den man nur aus Gewohnheit übersieht.

Einordnung

Der Traktat entstand im Kreis der Mailänder Aufklärer um die Brüder Verri und stützt sich auf Montesquieu, Helvétius und Rousseau; Beccaria war neunundzwanzig und veröffentlichte anonym, aus Furcht vor der Inquisition. Die französische Übersetzung des Abbé Morellet machte ihn in ganz Europa bekannt, Voltaire schrieb einen Kommentar dazu. Was folgte, ist für ein Buch ungewöhnlich: Großherzog Leopold schaffte 1786 in der Toskana als erster Staat der Welt die Todesstrafe ab, Österreich folgte 1787 unter Joseph II., die Folter verschwand nacheinander aus den europäischen Prozessordnungen, und die Verfassungsväter der Vereinigten Staaten zitierten ihn. Es ist damit der wirkungsvollste Beitrag Italiens zur Aufklärung – und die Argumente von damals stehen bis heute in jeder Debatte über Strafmaße, Untersuchungshaft und Todesstrafe unverändert im Raum.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Claude Opus 5, Anthropic). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.