Welten im Zusammenstoß

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Welten im Zusammenstoß
Autor(en): Immanuel Velikovsky
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Ullstein
Serie:
Erscheinungsjahr: 1950
Seitenanzahl: 459 Seiten
Originaltitel: Worlds in Collision
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3548354076
ISBN-13/

EAN-Code:

9783548354071
Schlagwörter: Katastrophe, Venus, Mythos, Irrlehre
Sachgebiete: Sachbuch, Naturwissenschaft
Rezensionen
Umschlag

Welten im Zusammenstoß (englisch Worlds in Collision) ist das 1950 bei Macmillan in New York erschienene Buch von Immanuel Velikovsky. Es behauptet, der Planet Venus sei im zweiten Jahrtausend vor Christus als kometengleicher Körper aus dem Jupiter geschleudert worden, habe die Erde gestreift, Achse und Bahn verschoben und die Plagen des Auszugs aus Ägypten, stillstehende Sonnen und untergegangene Reiche als physische Ereignisse erzeugt; Mythen seien Protokolle dieser Katastrophen, keine Dichtung. Die Naturwissenschaft hat das Werk als Irrlehre verworfen: Es widerspricht Himmelsmechanik, Geologie, Archäologie und der Chemie der Planeten. Der Schaden liegt nicht in einer Verfolgung, die das Buch angeordnet hätte, sondern darin, dass es Millionen Lesern eine Scheingeschichte der Welt als unterdrückte Wahrheit verkaufte und den Streit mit der Zunft zur Legende machte, hier werde ein neuer Galilei mundtot gemacht.

Inhalt

Velikovsky, Arzt und Psychoanalytiker aus Witebsk, liest die Bibel, Homer, mexikanische Überlieferungen und den Talmud als übereinstimmende Zeugen einer jüngsten kosmischen Katastrophe. Venus, noch glühend, zieht nahe an der Erde vorbei; Erdöl regnet als Rest des Kometenschweifs; die Sonne bleibt still, weil die Erde ihre Drehung ändert; Mars tritt später in eine zweite Serie von Beinahe-Zusammenstößen. Wo die Astronomie Jahrhunderte braucht, um Bahnen zu berechnen, genügt Velikovsky die Ähnlichkeit von Erzählungen. Wo die Geologie Schichten in Millionen Jahren legt, presst er Sintflut und Exodus in historische Zeit. Das Verfahren ist zirkulär: Der Mythos beweist die Katastrophe, die Katastrophe erklärt den Mythos. Gegen jede prüfbare Vorhersage – die Temperatur der Venus, die Zusammensetzung ihrer Gase, die fehlenden Spuren einer so jungen globalen Verwüstung – setzt der Text neue Hilfsannahmen. Das ist keine kühne Hypothese am Rand der Daten. Es ist die Unterwerfung der Daten unter eine Idee.

Macmillan, ein Haus mit wissenschaftlichem Ansehen, veröffentlichte den Band, weil Hayden-Planetarium und Verkaufschance lockten. Astronominnen und Astronomen drohten mit Boykott des Lehrbuchprogramms; innerhalb von zwei Monaten gab Macmillan das Buch an Doubleday ab, ein Lektor verlor die Stellung. Velikovsky las das als Beweis, die Zunft fürchte die Wahrheit. Die Gegenseite las es als Notwehr gegen einen Text, der unter dem Siegel eines Wissenschaftsverlags Unfug streute. Beides hat die Affäre aufgebläht. Der Band stand Wochen an der Spitze der amerikanischen Verkaufslisten; die deutsche Ausgabe folgte 1951 im Umschau-Verlag, später bei Ullstein, und fand in esoterischen und katastrophistischen Kreisen ein Dauerleben. Carl Sagan und andere haben die Thesen öffentlich zerlegt: Venus ist kein junger Komet aus Jupiter, Mythen sind keine Messprotokolle, eine stillstehende Erde hätte die Biosphäre nicht als Legende überlebt. Die Widerlegung ist so vollständig, dass das Buch als Fall der Erkenntnistheorie interessanter ist als als These.

Velikovsky hat später mit Erde im Aufruhr und Weltalter im Chaos nachgelegt, Chronologien des Alten Orients um Jahrhunderte verschoben, um die Katastrophen zu halten. Die Fachwelt ist nicht nachgekommen, weil es nichts nachzukommen gab. Was blieb, ist ein Rhetorikmuster: Der Außenseiter, den die Akademie ablehnt, muss recht haben, gerade weil sie ihn ablehnt. Kreationisten, spätere Katastrophisten, Verkäufer von Weltuntergängen haben dieses Muster übernommen. Der Text selbst mischt Gelehrsamkeit der Zitate mit Unkenntnis der Physik. Er ist lesbar, oft spannend, und genau das ist der Schaden: Die Form der Abhandlung leiht der Irrlehre die Würde, die ihr der Inhalt verweigert. Wer nur die Boykottaffäre erzählt, macht aus einem wissenschaftlichen Urteil eine Verschwörung. Wer nur spottet, unterschlägt, warum der Band so lange Leser fand – die Lust an der einen Geschichte, die Bibel und Planetentafel versöhnt.

Einordnung

1950 ist Welten im Zusammenstoß das Lehrstück geworden, an dem sich Popularität und Wahrheit öffentlich trennten, und die sogenannte Velikovsky-Affäre hat der Irrlehre einen Märtyrerschein gegeben, den die Thesen nicht verdienen. Die Naturwissenschaft hat richtig gehandelt, als sie den Inhalt verwarf; sie hat ungeschickt gehandelt, wo sie den Verlag statt das Argument traf, und genau diese Ungeschicklichkeit hat Velikovsky als Beweis verbucht. Sagan, die Planetensonden, die Temperatur der Venus haben die Sache erledigt, ohne die Legende zu erledigen. Nachbarschaft hat der Band nicht zur Astronomie, sondern zur Geschichte des Aberglaubens im Gewand der Gelehrsamkeit, neben älteren Katastrophenlehren, die Sintflut und Kometen schon einmal zur Weltformel machten. Eine Kategorie der verheerenden Bücher, deren Wirkung sich an Verfolgung zeigt, trifft hier nicht; der Schaden ist ein anderer: vergiftetes Laienwissen, ein dauerhaftes Missverständnis von dem, was Widerspruch der Zunft bedeutet, und ein Vorbild für jede spätere Behauptung, Ablehnung sei ein Wahrheitszeichen. Wer das Lemma beschönigt, indem er nur den Streit um die Pressefreiheit erzählt, wiederholt die Täuschung des Buches.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.