Was heißt: sich im Denken orientieren
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Was heißt: sich im Denken orientieren? |
| Autor(en): | Immanuel Kant
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1786 |
| Schlagwörter: | Vernunft, Orientierung, Glaube, Denken |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | Reclams Universal-Bibliothek |
| Umfang dieser Ausgabe: | 28 Seiten |
| ISBN: | 9783150148709 |
| Verweise | |
Was heißt: sich im Denken orientieren? ist der im Oktober 1786 in der Berlinischen Monatsschrift erschienene Aufsatz von Immanuel Kant. Kant greift in den Pantheismusstreit zwischen Friedrich Heinrich Jacobi und Moses Mendelssohn ein, ohne sich dem Vorwurf des Spinozismus preiszugeben. Mendelssohn hatte in den Morgenstunden gesagt, er halte inne und orientiere sich am Gemeinsinn, sobald die Spekulation ihn von der Heerstraße abführe. Kant nimmt das Bild ernst und kehrt es gegen den, der es gebrauchte: Orientierung im Denken ist ein Geschäft der Vernunft, nicht ein Ausweichen vor ihr. Der Text gehört zu den kleinen Schriften nach der Kritik der reinen Vernunft und zählt, weil er Glauben und Wissen scheidet, ohne das Denken der Schwärmerei oder der Zensur zu überlassen.
Inhalt
Kant schreibt gegen zwei Abwege. Jacobi will den Glauben an die Stelle der Vernunft setzen, wo diese das Übersinnliche nicht beweist; Mendelssohn will den gesunden Menschenverstand als Kompass, wenn die Beweise zu weit führen. Dagegen entfaltet Kant zuerst die räumliche Bedeutung des Wortes. Sich orientieren heißt, aus einer gegebenen Weltgegend die übrigen zu finden. Dazu reicht die Anordnung der Dinge nicht: ich brauche das Gefühl des Unterschieds von rechter und linker Hand, ein subjektives Unterscheidungsvermögen, das in der Anschauung der Gegenstände selbst nicht vorkommt. Würde jemand zum Scherz alle Möbel eines Zimmers spiegeln, fände ich mich ohne dieses Gefühl nicht zurecht. Auch der Astronom, der nur sähe und nicht zugleich fühlte, würde sich unverzüglich desorientieren.
Dieselbe Lage, sagt Kant, hat die Vernunft, wenn sie über alle Erfahrung hinaus will. Objektive Bestimmungsgründe fehlen; übrig bleibt ein subjektives Prinzip, das Bedürfnis der Vernunft: sich im Fürwahrhalten nach einem Richtmaß zu bestimmen, das sie selbst sich gibt. Das ist kein Wissen vom Dasein Gottes, wohl aber ein Vernunftglaube, der den Gebrauch der Vernunft lenkt, statt ihn abzubrechen. Der Gemeinsinn, den Mendelssohn anruft, ist selbst nur Vernunft im gewöhnlichen Gang; als eigene Instanz gegen die Spekulation taugt er nicht, denn er irrt mit. Schwärmerei entsteht, wo Gefühl die Stelle der Prüfung einnimmt. Denken orientiert sich, indem es die Maxime festhält, selbst zu denken, und indem es die Freiheit behält, seine Gedanken an denen anderer zu prüfen. Eine Regierung, die das öffentliche Räsonnement untersagt, wird am Ende das Denken selbst treffen: denn ohne Mitteilung verkümmert die Prüfung.
Das Stück wird unsicher, wo aus dem Bedürfnis der Vernunft ein Rechtfertigungsgrund für Inhalte wird, die die Kritik der reinen Vernunft dem Wissen entzogen hat. Gegner haben Kant vorgeworfen, er rette Gott durch die Hintertür des Bedürfnisses; Freunde sehen die Nüchternheit, mit der er Wissen und Glauben auseinanderhält. Kant weiß, dass er Jacobi gegen den blinden Glauben und Mendelssohn gegen die Bequemlichkeit des Gemeinsinns zugleich abweist, und beharrt auf der Autonomie des Denkens. Der Ton ist der der Berlinischen Aufklärung, streng und bildhaft, näher an der Was ist Aufklärung als an der transzendentalen Analytik. Die Grenze, die er zieht – kein Wissen vom Übersinnlichen, kein Verzicht auf Vernunft, keine Zensur des öffentlichen Gebrauchs –, ist eine Politik des Denkens, keine neue Metaphysik.
Einordnung
Der Aufsatz war eine Gelegenheitsschrift und ist eine der dichtesten Auskünfte Kants über den Status des Vernunftglaubens. Werner Stegmaier hat ihn als Grundtext philosophischer Weltorientierung nach Kant gelesen; Bettina Stangneth und andere haben ihn in die Debatte über Öffentlichkeit und Denktabus zurückgeholt. Neben der Aufklärungsschrift von 1784 und den Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können steht er als der Text, der das Bild der Orientierung aus der Alltagssprache in die Kritik hinübernimmt. Die Nähe zur Was ist Aufklärung ist thematisch, nicht bloß zeitlich: beide verteidigen den öffentlichen Gebrauch der Vernunft.
Geblieben ist die Maxime, dass man sich im Dunkeln der Vernunftgründe nicht anfühlt, sondern an der Vernunft selbst ausrichtet. Wer nach 1786 über Glauben und Wissen, über Gemeinsinn und über die Freiheit zu denken spricht, spricht hinter diesem Aufsatz oder gegen ihn. Die Reclam-Ausgabe der kleinen Schriften hat den polemischen Atem der Monatsschrift bewahrt; er ist älter geworden und in jedem Streit um Denkverbote lesbar. Orientierung bleibt bei Kant ein Recht der Vernunft, kein Gefühl gegen sie.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
