Voyage en Icarie

Étienne Cabet · 1840 · Sachbuch, Politik


Das Werk
Deutscher Titel: Voyage en Icarie
Autor(en): Étienne Cabet
Originaltitel: Voyage en Icarie
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1840
Schlagwörter: Gütergemeinschaft, Republik, Utopie, Gleichheit
Sachgebiete: Sachbuch, Politik
Greifbare Ausgabe
Verlag: Kramer
Serie: Bibliothek der Utopien
Umfang dieser Ausgabe: 548 Seiten
ISBN: 9783879561148
Verweise


Voyage en Icarie (Reise nach Ikarien) ist der 1840 in Paris erschienene Staatsroman von Étienne Cabet, ein kommunistischer Reisebericht in Buchform. Cabet, Anwalt und Journalist aus Dijon, schrieb ihn im englischen Exil unter dem Einfluss Robert Owens. Ikarien ist in der Sage das Land, zu dem Ikarus auf den Flügeln der Sehnsucht flog; bei Cabet wird es zur Musterrepublik ohne Privateigentum und Geld. Formal ein Roman, ist das Buch eine Abhandlung über Moral, Philosophie und politische Ökonomie. Der typographisch aufgemachte Untertitel sammelt die Losungen: Brüderlichkeit, gemeinsames Glück, alle für einen, jedem nach seinen Bedürfnissen, jeder nach seinen Kräften. 1848 ging Cabet mit Anhängern nach Amerika, um die Schrift zu verwirklichen; die Kolonien scheiterten, der Berliner Nachdruck von 1979 hat den Plan als Utopie zurückgegeben.

Inhalt

Cabet schreibt gegen die bürgerliche Gesellschaft, in der Besitz, Stand und Geld den Menschen spalten. In Ikarien gibt es nur einen Eigentümer, den republikanischen Staat. Ihm gehört der Boden und was darunter liegt; staatliche Ausschüsse planen Erzeugung, Verteilung und Verbrauch. Die Republik stellt die Arbeiter ein, wählt Standorte, fördert die Technik und teilt die Güter zu. Standesunterschiede sind abgeschafft. Der ikarische Philosoph beruft sich ausdrücklich auf Thomas Morus’ Utopia, um die Gütergemeinschaft zu begründen. Gleichheit ist hier nicht nur Recht, sondern Haushalt: Was einer braucht, erhält er, was er kann, leistet er. Die Freiheit, die Cabet meint, ist die Freiheit von Not und Vorrecht, nicht die Freiheit des Eigentümers.

Die Form des Reiseberichts erlaubt, Einwände als Fragen der Besucher auftreten zu lassen und sie durch den Anblick der geordneten Stadt zu entkräften. Fabriken, Schulen, Zeitungen, Trachten und Mahlzeiten sind durchreguliert; das Glück ist das gemeinsame, nicht das eigenwillige. Cabet misstraut der spontanen Empörung ebenso wie dem bloßen Appell. Die Revolution, die Ikarien hervorbringt, ist in der Erzählung bereits geschehen; der Leser soll das Ergebnis wollen. Technik und Maschinen gelten als Bundesgenossen der Gleichheit, weil sie den Mangel mindern. Die Republik ist Ausschussrepublik, nicht Räteromantik: Kompetenz fließt nach oben in die Planung. Frauen und Kinder sind in diese Ordnung eingeschlossen, ohne dass das Buch eine eigene Geschlechtertheorie entfaltet; die Brüderlichkeit bleibt das Leitwort.

Unsicher wird der Entwurf, wo die Abschaffung des Privateigentums die Abschaffung des Widerspruchs nach sich zieht. Wer in Ikarien anders leben will, hat keinen Ort. Der Ton ist der der Propaganda im Gewand der Schilderung, belehrend, um Vollständigkeit bemüht, ohne Ironie. Die Gegenposition – dass zentrale Planung neue Herren schafft und das Bedürfnis nicht kennt, das sie zuteilt – erscheint als böser Wille der Alten. Die amerikanischen Gründungen haben den Text der Probe ausgesetzt: Streit um Autorität, Geldnot, Spaltung. Cabet hat die Kolonien nicht als Widerlegung gelesen, sondern als unzureichende Ausführung. Das Buch bleibt der Plan, an dem die Wirklichkeit gemessen und für schuldig befunden wird.

Einordnung

Unter den frühsozialistischen Staatsromanen des neunzehnten Jahrhunderts ist Ikarien derjenige, der am unmittelbarsten zur Auswanderung aufforderte. Nachbarschaft hat er zu Morus, zu Owens Siedlungen und zu den späteren kommunistischen Programmen, die „jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ zur Formel machten. Richard Saage hat den Text als utopischen Kommunismus gelesen, der die Freiheit in der Versorgung aufgehen lässt. Das Missverständnis der Anhänger war, die Republik der Ausschüsse sei bereits die Brüderlichkeit; das der Gegner, jede Gütergemeinschaft sei Ikarien.

Geblieben ist das Dokument einer Hoffnung, die sich selbst verwirklichen wollte und an der Verwaltung der Gleichheit zerbrach. Wer nach 1840 über kommunistische Kolonien, über Plan und Bedürfnis spricht, spricht auch hinter diesem Buch. Es ist weder Roman von Dauer noch ökonomisches Lehrbuch; es ist die Anschauung einer Ordnung, in der der Staat der einzige Hausvater ist. Die Kramer-Ausgabe hat den Text als Utopie der Bibliothek zurückgegeben, nicht als Gebrauchsanweisung.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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