Totem und Tabu
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Totem und Tabu |
| Autor(en): | Sigmund Freud |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Fischer Taschenbuch |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1913 |
| Seitenanzahl: | 228 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3596104513 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783596104512 |
| Schlagwörter: | Inzest, Tabu, Urhorde, Ambivalenz |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Psychologie |
| Rezensionen | |
Totem und Tabu. Einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker ist die 1913 erschienene Schrift von Sigmund Freud, hervorgegangen aus vier Aufsätzen der Zeitschrift Imago. Sie überträgt die Psychoanalyse auf Fragen der Völkerpsychologie und spekuliert über den Ursprung von Kultur aus einem Vatermord. Totemismus, Exogamie, Tabu und Magie sollen aus dem Seelenleben des Kindes und des Neurotikers verständlich werden, nicht nur als fremde Einrichtungen. Freud selbst zählte den Text zu seinen Lieblingskindern; die Völkerkunde hat die ethnographischen Stützen zerlegt. Das Buch zählt als frühe Kulturtheorie der Psychoanalyse, hartnäckig in der Deutung der Schuld, widerlegt als Stammesgeschichte.
Inhalt
Freud schreibt gegen die ethnologische Gewohnheit, Totemismus, Exogamie, Tabu und Magie als fremde Einrichtungen zu beschreiben, ohne sie aus dem Seelenleben zu erklären. Primitive Gesellschaften stehen, so die Voraussetzung, auf einer niedrigen Stufe der Menschheit, die den frühen Phasen des Individuums entspricht. Deshalb könne das Kind und der Neurotiker aufhellen, was die Stammeskunde nur sammelt. Die Hauptquellen sind James George Frazer, Wilhelm Wundt, Charles Darwin, J. J. Atkinson und William Robertson Smith. Der Ton mischt den schriftstellerischen Ehrgeiz, den Freud in sich schätzte, mit dem Kliniker, der Verbote als Kompromiss von Begehren und Abwehr liest.
Vier Probleme, vier Antworten. Die ausgeprägte Inzestscheu, die Heirat innerhalb des Totems verbietet und den Kreis der Verbotenen weit über die Blutsverwandten ausdehnt, entspricht der Stufe inzestuöser Objektbesetzungen, von der sich der Neurotiker nicht gelöst hat. Das Tabu gleicht der Zwangsneurose: unbekannter Grund, innere Nötigung, Verschiebbarkeit, Zeremoniell. Hinter dem Verbot steht Begehren; die ältesten Gelüste sind Mord und Inzest. Magie und Animismus beruhen auf der Allmacht der Gedanken, dem narzisstischen Glauben, Denken verändere die Wirklichkeit – beim Kind als Halluzination, beim Neurotiker als wirksam vorgestellte Tat. Der Totemismus endlich wird an der kindlichen Tierphobie gelesen, einem negativen Totem: Das gefürchtete Tier ist Vaterersatz. Darwinische Urhorde, eifersüchtiger Vater, ausgestoßene Söhne, gemeinsamer Mord und kannibalisches Mahl, Reue und nachträglicher Gehorsam: So entstehen Totemverehrung, Mordverbot und Exogamie. Kultur beginnt mit der Schuld.
Unsicher ist das Buch dort, wo es Ethnologie durch die Klinik ersetzt. Die Inzestscheu der Australier, die Freud nach Frazer schildert, trägt den Blick des Wiener Behandlungszimmers; die Gleichsetzung von „Wilden“ und Neurotikern ist Analogie, kein Beweis. Die Spekulation vom Urvatermord bleibt, was sie ist: eine Urszene, keine Fundgeschichte. Freud selbst hat den Text zu seinen Lieblingskindern gezählt. Thomas Mann nannte ihn ein Meisterstück deutscher Versuchskunst. Die Kulturanthropologie hat die ethnographischen Stützen zerlegt. Wer nur die Widerlegung liest, verfehlt, dass hier Institutionen – Gewalt, Herrschaft, nachträglicher Gehorsam – aus Ambivalenz erklärt werden, nicht aus Vernunftverträgen.
Einordnung
Unter Freuds kulturtheoretischen Schriften ist dies die früheste große: vor Massenpsychologie und Ich-Analyse und vor Das Unbehagen in der Kultur. Charles Darwin liefert die Horde, die Psychoanalyse die Ambivalenz, Robertson Smith das Opfermahl. Karl Marx hatte den Ursprung der Gesellschaft in Arbeit und Eigentum gesucht; Freud sucht ihn in Schuld und Verzicht. Die Kritik der Ethnologen – Malinowski, später die gesamte Fachrichtung – hat den Totemismus als einheitliche Einrichtung und den Vatermord als Tatsache bestritten. Mario Erdheim hat umgekehrt vorgeschlagen, das Buch nicht über die Fremden, sondern über die eigenen Institutionen zu lesen.
Das Missverständnis, Freud erzähle, wie es am Anfang wirklich war, macht aus einer Konstruktion eine Chronik. Geblieben ist die Behauptung, dass Verbote stark sind, weil sie ein Begehren binden, und dass Kultur auf einem Verzicht ruht, der nicht nur vernünftig ist. Wer nach dem Ursprung von Sittlichkeit und Religion hinter den Verträgen der Aufklärung fragt, stößt auf diese Urszene – widerlegt als Völkerkunde, hartnäckig als Deutung der Schuld. Die Stärke des Buchs liegt nicht in der Fundgeschichte, sondern in der Ambivalenz, die Institutionen erklärt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
