Topologie der Gewalt

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Topologie der Gewalt
Autor(en): Byung-Chul Han
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Matthes & Seitz
Serie:
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenanzahl: 192 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3882214953
ISBN-13/

EAN-Code:

9783882214956
Schlagwörter: Gewalt, Depression, Macht, Positivität
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Topologie der Gewalt ist das 2011 bei Matthes & Seitz erschienene Buch von Byung-Chul Han. Es behauptet: Die Gewalt verschwindet nicht; sie wechselt den Ort. Die Moderne rühmt sich einer Abneigung gegen offene Brutalität und übersieht, dass dieselbe Gewalt sich unter die Haut, ins Nervensystem, in den Betrieb zurückgezogen hat. Han zeichnet den Weg von der Enthauptung der vormodernen Herrschaft über die Zurichtung der Disziplinargesellschaft bis zur Depression der Leistungsgesellschaft. Wer nur den Schlag sucht, findet die Ansteckung nicht.

Inhalt

Gewalt, so Han, ist wandelbarer, als die Rede von Fortschritt zulässt. Sie verlagert sich vom Sichtbaren ins Unsichtbare, vom groben Zugriff ins Mediale, vom Frontalen ins Virale. Nicht der offene Angriff, die Ansteckung ist ihre heutige Wirkungsweise. Die martialische Gewalt weicht einer anonymen, entsubjektivierten, systemischen Gewalt, die sich verbirgt, weil sie mit der Gesellschaft zusammenfällt. Es braucht keinen Feind und keinen Befehl; es reicht die Norm, die als Freiheit missverstanden wird. Damit schließt der Band die Analyse an, die ein Jahr zuvor die Müdigkeitsgesellschaft begonnen hat: Dieselbe Positivität, die zum Können zwingt, ist Gewalt, die kein Nein mehr ausspricht.

Die drei Stationen – Enthauptung, Zurichtung, Depression – sind keine Weltgeschichte, sondern eine Topologie: Orte der Gewalt, nicht Epochen mit Daten. Die Souveränität zeigt den Körper, den sie tötet; die Disziplin formt ihn in Kaserne, Fabrik, Schule; die Leistung lässt ihn an sich selbst arbeiten, bis er einbricht. Depression, die Störung der Aufmerksamkeit, das Ausbrennen ohne Gegner: Han liest sie als Innenseite einer Macht, die Freundlichkeit geworden ist. Jan Philipp Reemtsmas Rede von der Gewaltaversion der Moderne wird aufgenommen und umgedreht: Die Abneigung gegen den Schlag hat die Gewalt nicht abgeschafft, sie hat sie unsichtbar gemacht.

Das Buch ist länger als die schmalen Zeitdiagnosen danach, näher an einer Abhandlung, immer noch sentenzenhaft. Foucault bleibt der Gegenspieler und die Folie: wo jener die Disziplin beschrieb, beschreibt Han das Danach, in dem der Aufseher überflüssig wurde. Wer Gesellschaftstheorie mit Klassen und Staaten will, findet sie nicht. Wer eine Sprache will, in der sich sagen lässt, warum eine friedliche Bürowelt Menschen zerlegt, findet hier den Ort: nicht am Rand, in der Mitte, als System, das sich nicht als Gewalt bekennt.

Einordnung

Unter Hans Büchern bei Matthes & Seitz ist die Topologie das Gelenk: ausführlicher als die Müdigkeitsgesellschaft, vorbereitend für Transparenz, Schwarm und Eros. Die Reihe Batterien hat den Band 2011 als Theoriebuch gesetzt, 192 Seiten, nicht als Feuilletonheft. Die öffentliche Wirkung blieb hinter dem Namen Müdigkeit zurück, weil Gewalt als Wort den Schlag meint und Han gerade den Schlag bestreitet. Wer nur den Bestseller kennt, hat die Begründung nicht: warum Erschöpfung Gewalt heißen darf.

Die Kritik wiederholt den Vorwurf, Han raune ohne Politik. Der Band gibt dem Vorwurf mehr Angriffsfläche und mehr Substanz: Er nennt Transformationen, nicht nur Metaphern. Wer nach 2011 über unsichtbare Gewalt auf Deutsch sprach, hatte oft andere Adressen – Bourdieu, die Studien zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit –, und doch trifft Hans Satz, die Gewalt falle mit der Gesellschaft zusammen, eine Erfahrung, die jene Adressen nicht in dieser Kürze geben. Es ist kein Handbuch. Es ist die Karte, auf der Han seine späteren Wörter einträgt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.