Theorie des Films

Siegfried Kracauer · 1960 · Sachbuch, Medienwissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Theorie des Films
Autor(en): Siegfried Kracauer
Originaltitel: Theory of Film. The Redemption of Physical Reality
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1960
Schlagwörter: Wirklichkeit, Straße, Photographie, Rettung
Sachgebiete: Sachbuch, Medienwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 416 Seiten
ISBN: 9783518276396
Verweise


Theorie des Films. Die Errettung der äußeren Wirklichkeit erschien 1960 englisch in New York, deutsch 1964. Siegfried Kracauer denkt den Film als das Medium, das die physische Welt erlöst, indem es sie zeigt: Straßen, Zufall, das Unbeachtete, das die alten Künste nicht tragen. Das Buch hat der Filmtheorie die soziologische Ontologie gegeben, neben Bazin und gegen Eisensteins Begriffsmontage.

Inhalt

Kracauer kommt von der Photographie und von der Angestelltenkultur der Weimarer Jahre. Der Film erbt die Aufgabe, das Zerstreute der Großstadt zu sammeln, ohne es zur Statue zu machen. Wo der Roman deutet und das Theater spricht, zeigt der Film Oberflächen: eine Pfütze, eine Menge, das Gesicht, das nicht spielt. Die »Errettung der äußeren Wirklichkeit« ist keine Frömmigkeit, sie ist die Behauptung, dass das 20. Jahrhundert eine Kunst braucht, die das Materielle nicht vergeistigt. Gegen den deutschen expressionistischen Film, den Kracauer in From Caligari to Hitler als Seelendrama gelesen hatte, setzt er hier das Offene, Uninszenierte, Amerikanische.

Die Nähe zu Bazin ist offensichtlich und die Differenz auch. Bazin balsamiert die Dauer katholisch; Kracauer rettet die Straße soziologisch. Beide misstrauen der Montage, die Bedeutung presst; beide lieben den Zufall im Bild. Arnheim bleibt der Gegner, der Form durch Beschränkung will, während Kracauer Form durch Preisgabe an das Wirkliche will. Eisenstein bleibt der andere Gegner: der Schnitt als Gedanke verrät die physische Welt an den Begriff. Das Buch ist im Exil geschrieben, auf Englisch, von einem Mann, der Berlin verloren und New York nicht ganz gewonnen hat. Die Beispiele – Flaherty, der Neorealismus, die Wochenschau – tragen diese Lage.

Die Kritik hat Kracauer Naivität vorgeworfen, ein Realismus, der selbst eine Form ist. Das trifft und trifft nicht. Kracauer weiß, dass Zeigen wählen heißt; er besteht darauf, dass manche Wahl die Welt öffnet und manche sie schließt. Wer nur Caligari kennt, hat die Theorie von 1960 nicht gelesen. Wer nur die Theorie kennt, unterschlägt den Feuilletonisten der »Frankfurter Zeitung«, der schon in den zwanziger Jahren die Oberfläche ernst nahm. Das Buch bleibt das amerikanische Vermächtnis eines Weimarer Blicks.

Einordnung

Kracauer hat der Filmtheorie die Errettung der Wirklichkeit als soziologisches Programm hinterlassen, ohne das das Wort Realismus eine Stilmarke bliebe. Neben Bazin steht er als der härtere, weniger heilige; neben Arnheim als der, der Beschränkung für Verrat an der Straße hält. Die Wirkung liegt in der Dokumentarfilmdebatte, in der Stadtforschung, in jeder Kritik, die das Kino auf das Unbeachtete verpflichtet. Wer heute Oberfläche sagt und Ernst meint, spricht Kracauer. Die äußere Wirklichkeit ist seither nicht gerettet, aber sie hat einen Anwalt, der nicht vom Geist aus urteilte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.