System der Natur

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Daten zum Buch
Deutscher Titel: System der Natur
Autor(en): Paul Henri Thiry d’Holbach
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1770
Seitenanzahl: 647 Seiten
Originaltitel: Système de la Nature
Originalsprache: französisch
ISBN-10: 3518078593
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518078594
Schlagwörter: Materie, Bewegung, Atheismus, Notwendigkeit
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und der moralischen Welt (französisch Système de la Nature) erschien 1770 unter dem Namen des verstorbenen Akademie-Sekretärs Jean-Baptiste de Mirabaud und gilt als Hauptwerk des philosophischen Materialismus von Paul Henri Thiry d’Holbach. Denis Diderot war an der stilistischen Überarbeitung beteiligt. Das Titelblatt nannte London, gedruckt wurde in Holland. Der wahre Verfasser blieb zwei Jahrzehnte im Dunkeln. Das Parlement von Paris ließ das Buch am 18. August 1770 feierlich verbrennen. Die Ausgabe im Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft hat den Text im 20. Jahrhundert wieder zugänglich gemacht.

Inhalt

D’Holbach schreibt gegen Schöpfergott, unsterbliche Seele, Willensfreiheit und eine Moral, die ihre Forderungen aus der Theologie zieht. Die Natur ist das große Ganze aus Stoffen, Verbindungen und Bewegungen, ungeschaffen und ewig, in beständigem Wandel. Es gibt nichts als Materie in Bewegung, eingebunden in eine Folge von Ursache und Wirkung, ohne Plan und ohne Zweck. Ordnung und Unordnung sind menschliche Begriffe, keine Einrichtungen einer regelnden Instanz. Der Mensch ist ein Naturprodukt und an deren Gesetze gebunden; auf diese Natur müssen individuelle Tugend und gesellschaftliche Sitte gegründet sein. Dualismus von Geist und Körper weist d’Holbach zurück: er ist einem durchgängigen Monismus verpflichtet.

An der Sinneslehre entfaltet sich die Behauptung. Der Mensch hat Organe, die seine geistige Natur bestimmen. Materie ist, was die Sinne affizieren kann. Angeborene Ideen und angeborene Triebe gibt es nicht, auch keinen Zugang zu Natur- oder Sittengesetzen vor der Erfahrung. Empfindung, Wahrnehmung und Idee sind Stufen derselben Erschütterung, die von außen ins innere Organ reicht. Alle geistigen Vermögen leiten sich aus der Erregbarkeit ab. Der Wille ist nicht frei; Handlungen folgen notwendig aus Temperament, empfangenen Ideen, wahren oder falschen Begriffen vom Glück und aus Gewohnheit. Moralisch zählt die Aufklärung über die natürlichen Interessen – Selbsterhaltung, Glück, Nutzen – und ihre konfliktfreie Verwirklichung in der Gesellschaft. Erziehung, Sitte und Gesetze genügen, die Menschen zu halten; Unsterblichkeit und Jenseitsfurcht sind schlechte Heilmittel.

Unsicher wird das Buch, wo der mechanische Zusammenhang das sittliche Leben tragen soll und der Atheismus als Therapie gegen Furcht auftritt. D’Holbach prüft Gottesbeweise von Clarke, Descartes, Malebranche und Newton und findet sie nichtig. Der Gottesglaube stammt aus Angst vor der Natur; Aufklärung befreie von Kirche und Despoten. Ob ein solches System gefährlich sei und ob die Menge es fassen könne, erörtert er eigens und bejaht die Vereinbarkeit von Gottesleugnung und Moral. Goethe hat 1771 in Straßburg zu lesen begonnen und abgebrochen: grau, kimmerisch, totenhaft. Die Berufung auf Needhams Versuche zur Urzeugung zeigt den Willen, mit der Naturkunde seiner Zeit zu gehen, und die Grenze dieses Ganges. Friedrich II. warf dem unbekannten Autor vor, die Bahn der Erfahrung verlassen und gegen das Labyrinth der Systemphilosophie eingetauscht zu haben.

Einordnung

Unter den heimlich verbreiteten Schriften der Aufklärung ist das System der Natur die rücksichtsloseste Summe: nicht Spott wie bei Voltaire, nicht deistische Resttheologie, sondern ein geschlossener Materialismus der physischen und der moralischen Welt. Es steht neben Helvétius und La Mettrie und gegen die Physikotheologie. Widerlegungen häuften sich sogleich; der Klerus hatte die Verbrennung erwirkt, die Auflagen nicht verhindert.

Neben Descartes’ Dualismus und Spinozas Gott-Natur steht d’Holbach als der Autor, der die Natur ohne Gott und ohne Zweck lässt und die Sitte gleichwohl an sie bindet. Wer über Atheismus, Notwendigkeit und die Behauptung spricht, Erziehung ersetze Jenseitsfurcht, hat hier den klassischen Ort des französischen 18. Jahrhunderts. Die Suhrkamp-Ausgabe hat den polemischen Atem bewahrt; er ist älter geworden und in der Sache nicht erledigt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.