Studien über Hysterie

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Josef Breuer, Sigmund Freud · 1895 · Sachbuch, Psychologie
Das Werk
Deutscher Titel: Studien über Hysterie
Autor(en): Josef Breuer, Sigmund Freud


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1895
Schlagwörter: Hysterie, Katharsis, Verdrängung, Unbewusstes
Sachgebiete: Sachbuch, Psychologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 337 Seiten
ISBN: 9783596104460
Verweise
Umschlag

Studien über Hysterie ist die 1895 erschienene gemeinsame Abhandlung von Josef Breuer und Sigmund Freud über Entstehung und Behandlung hysterischer Symptome. Sie gilt als erste zusammenhängende Schrift der Psychoanalyse, obwohl der Name noch unsicher ist und die Autoren in der Deutung schon auseinandergehen. Gegen die ältere Lehre, Hysterie sei Gebärmutterleiden, Entartung oder bloße Einbildung, setzen sie einen seelischen Mechanismus: unverarbeitete Vorstellungen bleiben wirksam und setzen sich in den Körper um. Die Krankengeschichten – voran Breuers Anna O., dann Freuds Fälle Emmy von N., Lucy R., Katharina und Elisabeth von R. – sind keine Illustration, sondern das Argument. Aus dem Reden unter Hypnose wird schrittweise das Reden ohne Hypnose; aus der Entladung die Analyse.

Inhalt

Das Buch richtet sich gegen eine Medizin, die das hysterische Symptom entweder organisch erzwingen oder als Simulation abtun will. Breuer und Freud behaupten, dass ein Affekt, der nicht abreagiert wurde, als Erinnerung fortwirkt und sich in Lähmung, Husten, Angst oder Bewusstseinsspaltung zeigt. Die Formel lautet: Das hysterische Symptom hat einen Sinn, und dieser Sinn ist eine abgedrängte Szene. Breuer erklärt die Spaltung des Bewusstseins aus hypnoiden Zuständen, traumähnlichen Absencen, in denen Vorstellungen sich absondern und ein zweites Ich bilden. Freud rückt schon in seinen Beiträgen die Abwehr in die Mitte: Das Ich verdrängt Unerträgliches, vor allem Sexuelles, und zahlt dafür mit dem Symptom. Katharsis heißt, die eingeklemmte Vorstellung unter Affekt wieder bewusst zu machen, bis sie sich entlädt. Die Patientin, die spricht, heilt nicht durch Suggestion, sondern durch Erinnerung.

Die Fälle tragen die Theorie. Anna O., später als Bertha Pappenheim erkannt, erfand unter Breuers Behandlung das Reden als Reinigung, die Redekur, und verlor Symptome, sobald die zugehörige Szene erzählt war. Freud findet bei Emmy von N. die Masse der Einfälle, bei Lucy R. den Geruch als verdichtete Erinnerung, bei Katharina die sexuelle Bedrängnis auf der Alm, bei Elisabeth von R. den Konflikt zwischen Pflicht und verbotener Zuneigung. Überall zeigt sich, dass das Symptom eine Kompromissbildung ist: Es sagt, was nicht gesagt werden darf, und verbirgt es zugleich. Diagnose und Therapie fallen zusammen, weil erst das Nachfragen die verdrängte Kette sichtbar macht. Freud unterscheidet bereits Hysterie, Angstneurose und Zwang und warnt vor der Sammeldiagnose, die jedes rätselhafte Leiden Hysterie nannte. Die Sexualität als regelmäßige Quelle der Verdrängung kündigt sich an, ohne schon das ganze Gebäude zu tragen.

Unentschieden bleibt der Streit der beiden Verfasser, und das Buch dokumentiert ihn, statt ihn zu glätten. Breuer hält an der physiologischen Erklärung der Bewusstseinsspaltung fest und scheut die sexuelle Verallgemeinerung; Freud treibt die psychische Abwehr vor und wird die Hypnose aufgeben, weil der Widerstand im Wachen lehrreicher ist als die Entladung im Schlaf. Die kathartische Methode heilt den einzelnen Einfall, nicht die Disposition, die neue Einfälle nachschiebt. Freud sagt das selbst: Ohne Mitwirkung des Kranken und ohne durcharbeitende Erinnerung kehrt das Symptom wieder. Die Studien sind deshalb kein Lehrbuch der fertigen Psychoanalyse, sondern deren Geburtsprotokoll – mit offenen Fällen, mit der berühmten Anna O., die nicht so glatt genas, wie die Erzählung es will, und mit einer Theorie, die ihre eigene Unruhe nicht verbirgt.

Einordnung

Aus den Studien führt der Weg in Die Traumdeutung: Was hier am Symptom erprobt wird, die sinnvolle Entstellung unbewusster Wünsche, wird dort am Traum zur allgemeinen Seelenlehre. Die Hysterie hört auf, Frauenkrankheit der Gebärmutter zu sein, und wird zum Modell jeder Neurose, in der das Ich gegen sich selbst Partei nimmt. Die spätere Kritik hat den Blick der männlichen Ärzte, die Verzeichnung der Patientinnen und die Überschätzung der kathartischen Heilung festgehalten; sie hat das Buch nicht überflüssig gemacht. Wer die Psychoanalyse nur als Traum- und Trieblehre kennt, verfehlt, dass sie als Therapie der Lähmung und des Schweigens angefangen hat.

Breuer zog sich zurück; Freud blieb und baute Verdrängung, Übertragung und Widerstand aus, bis die Katharsis nur noch Vorstufe war. Die kulturwissenschaftliche Lektüre hat Anna O. als Schriftstellerin und Sozialreformerin zurückgegeben und die Studien als Dokument eines Gesprächs gelesen, in dem die Patientin die Methode mitfindet. Das ändert nichts daran, dass hier zum ersten Mal behauptet wird, das körperliche Rätsel habe eine Geschichte, und diese Geschichte müsse erzählt werden, nicht wegmassiert. Die Hysterie als Modewort ist verschwunden; der Gedanke, dass ein Symptom erinnert, was das Bewusstsein nicht erträgt, ist geblieben.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.