Staatskunst: Sechs Lektionen für das 21. Jahrhundert

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Staatskunst: Sechs Lektionen für das 21. Jahrhundert
Autor(en): Henry Kissinger
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: C. Bertelsmann
Serie:
Erscheinungsjahr: 2022
Seitenanzahl: 608 Seiten
Originaltitel: Leadership: Six Studies in World Strategy
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3570104729
ISBN-13/

EAN-Code:

9783570104729
Schlagwörter: Staatskunst, Diplomatie, Macht, Charakter
Sachgebiete: Sachbuch, Politik
Rezensionen
Umschlag

Staatskunst: Sechs Lektionen für das 21. Jahrhundert (englisch Leadership: Six Studies in World Strategy) ist das 2022 bei Penguin erschienene Spätwerk von Henry Kissinger über politische Führung. Die deutsche Ausgabe kam im selben Jahr bei C. Bertelsmann heraus, übersetzt von mehreren Übersetzern. Kissinger stellt sechs Staatsleute der zweiten Jahrhunderthälfte vor, die er persönlich kannte: Konrad Adenauer, Charles de Gaulle, Richard Nixon, Anwar as-Sadat, Lee Kuan Yew und Margaret Thatcher. Mut und Charakterstärke nennt die Einleitung als erste Eigenschaften. Das Buch zählt als Vermächtnis eines Praktikers, der die Lehre aus Porträts zieht, nicht aus einer Theorie der Institutionen.

Inhalt

Kissinger schreibt gegen zwei Verkürzungen der Staatskunst: gegen die Meinung, Führung sei Verwaltung, und gegen die Meinung, sie sei Gesinnung. Große Politik, wie er sie meint, braucht Wirklichkeitssinn und eine eigene Vorstellung, Kühnheit und die Fähigkeit, gegen den herrschenden Konsens zu handeln. Die sechs Personen stammen nicht aus der alten Oberschicht; ihnen eignet das Ethos aufsteigender Mittelschichten, oft eine humanistische und religiöse Erziehung – mit der Ausnahme Lees. Alle haben ihre Gesellschaft gespalten. Kissinger lobt das als Preis der Entscheidung, nicht als Makel. Der Realismus, den er lehrt, ist der des Machtgleichgewichts, nicht der der Weltverbesserung.

Die Porträts tragen die Behauptung. Adenauer, spät an der Macht, bindet die Bundesrepublik an den Westen und setzt die Souveränität über eine frühe Wiedervereinigung. De Gaulle spricht im Exil auf gleicher Höhe mit den Siegern, gründet die Fünfte Republik und beendet den Algerienkrieg. Nixon, den Kissinger als Sicherheitsberater diente, öffnet den Weg nach China, zieht aus Vietnam ab und gerät in die Watergate-Affäre, die Kissinger eine Tragödie nennt. Sadat bricht mit der Sowjetunion, führt Krieg um den Sinai und schließt Frieden mit Israel, der ihn das Leben kostet. Lee führt den Stadtstaat Singapur aus der Not in den Wohlstand, autoritär und jahrzehntelang. Thatcher bricht die Stagnation, belebt die besondere Beziehung zu den Vereinigten Staaten und gewinnt den Falklandkrieg. Gemeinsam sind ihnen, schreibt Kissinger, Realitätssinn, innere Ruhe und der Mut zur Einsamkeit.

Das Buch wird unsicher, wo aus der Nähe zum Gegenstand Schonung wird. Der Economist nannte die Darstellung erhellend und unvollständig; der Guardian warf Kissinger vor, Tod und Zerstörung auszublenden, die seine Helden verursacht hätten, zumal bei Nixon und der Bombardierung Kambodschas. Stefan Kornelius vermutete in der Süddeutschen Zeitung, die Auswahl folge vor allem Kissingers eigenem Wirklichkeitsglauben. Kissinger weiß, dass er Nixon freundlicher zeichnet als die Akten, und beharrt darauf, die Öffnung Chinas als geschichtliche Leistung zu werten. Der Schluss warnt vor einer Bildung, die nur noch Fachleute und Eiferer hervorbringe, und vor einer Bildkultur des Netzes, die die schriftliche Abwägung verdränge. Die Grenze, die er zieht – Charakter vor Verfahren, Gleichgewicht vor Gesinnung –, ist eine Lehre aus dem eigenen Leben, keine Handbuchregel.

Einordnung

Das Buch steht in der Reihe der staatsmännischen Porträtwerke, neben Winston Churchill und Paul Kennedy, und neben jüngeren Lagenbüchern wie Yuval Noah Hararis 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert, die dieselbe Jahrhundertzahl im Titel tragen und eine ganz andere Lehre geben. Der Deutschlandfunk las ein Plädoyer für den Realismus und eine Warnung vor scharfer ideologischer Konfrontation mit China und Russland. Die Neue Zürcher Zeitung fand den Charakter der Politiker in Anekdoten treffend, vermisste aber Lösungen für die Gegenwart. Die deutsche Übersetzung ist an Stellen holprig gescholten worden.

Geblieben ist ein Alterswerk, das die Staatskunst als seltene Verbindung von Mut und Augenmaß beschreibt und die eigenen Schatten nicht ausleuchtet. Wer nach 2022 über Führung, über Nixon und über Kissingers Erbe spricht, spricht hinter diesem Band oder gegen ihn. Die Bertelsmann-Ausgabe hat den lehrhaften Atem bewahrt; er ist der eines Mannes, der die Geschichte, die er deutet, mitgemacht hat. Die Lücken des Buchs gehören zu dieser Herkunft.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.