Sonnenfinsternis

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Sonnenfinsternis
Autor(en): Arthur Koestler
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Elsinor
Serie:
Erscheinungsjahr: 1940
Seitenanzahl: 256 Seiten
Originaltitel: Darkness at Noon
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3942788535
ISBN-13/

EAN-Code:

9783942788533
Schlagwörter: Schauprozess, Partei, Geständnis, Säuberung
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Sonnenfinsternis ist der 1940 in London auf Englisch als Darkness at Noon erschienene Roman von Arthur Koestler, geschrieben 1939 auf Deutsch in Frankreich. Das Originalmanuskript galt als verloren; Daphne Hardy übersetzte in Eile ins Englische, bevor die deutschen Truppen Paris erreichten. Koestler selbst übertrug den Text später aus dem Englischen zurück. 2015 fand Matthias Weßel das deutsche Typoskript in Zürich; Elsinor hat es 2018 vorgelegt. Der Roman erzählt die Haft des alten Bolschewiken Rubaschow, der Verbrechen gesteht, die er nicht begangen hat. Mit diesem Buch brach Koestler öffentlich mit dem Kommunismus. Die französische Ausgabe Le Zéro et l’Infini wurde 1946 ein Politikum, das die Kommunistische Partei durch Aufkauf der Exemplare zu ersticken suchte.

Inhalt

Rubaschow, einst Volkskommissar und Diplomat, erwacht in einer Zelle. Das Land trägt russische Namen und heißt nie Sowjetunion; die Partei heißt die Partei, der Führer Nr. 1. Er kommuniziert durch Klopfen mit dem Nachbarn, einem zaristischen Offizier, und später mit anderen Häftlingen, die denselben Apparat gebaut haben, der sie jetzt frisst. Der erste Vernehmer, Iwanow, ein alter Kamerad, argumentiert intellektuell: Die Partei habe immer recht, das Individuum sei eine mathematische Fiktion, Rubaschow solle gestehen, um der geschichtlichen Notwendigkeit zu dienen. Rubaschow denkt an eigene Opfer, an Menschen, die er im Auftrag preisgab, an die Logik, die jedes Mittel heilte. Er hofft noch, durch ein kontrolliertes Geständnis der Sache zu nützen.

Iwanow wird selbst abgeholt. An seine Stelle tritt Gletkin, die neue Generation: ohne Brille der alten Debatte, mit Licht, Schlafentzug, Wiederholung. Die Verhöre zermürben den Körper, bis die Theorie und die Erschöpfung dasselbe sagen. Rubaschow erinnert Arlowa, die Geliebte, die er nicht deckte; den Parteifreund, den er denunzierte; die eigene Vergangenheit als Täter im Namen der Zukunft. Koestler, der im Spanischen Bürgerkrieg in Franco-Haft saß, kennt die Zelle von innen; die Moskauer Prozesse der dreißiger Jahre liefern das Muster, Bucharin und Radek die Umrisse, ohne dass Rubaschow ein Porträt eines Einzelnen wäre. Er beschließt das öffentliche Geständnis, nicht weil er die Taten begangen hat, sondern weil er der Logik, die er selbst lehrte, nichts mehr entgegenzusetzen hat.

Der Prozess ist Theater. Rubaschow spricht die Sätze, die die Anklage braucht, und wird erschossen. Vor dem Tod bleibt ein Rest Ich, der die Sonne, eine Erinnerung, den eigenen Namen nicht ganz an die Partei abtritt – zu wenig für eine Rettung, genug für die Tragödie. Die Sonnenfinsternis ist die Verdunkelung der Vernunft durch ihre eigene Konsequenz: Wer den Menschen der Idee opfert, wird als Mensch von der Idee eingesammelt. Koestler gibt der Gegenseite keine Karikatur; Gletkin glaubt, was er tut. Gerade deshalb trägt der Roman.

Einordnung

Als das Buch erschien, hielten viele Linke in Europa und Amerika die Moskauer Prozesse für Recht; Bertolt Brecht und Jean-Paul Sartre lagen auf dieser Linie, Robert Havemann las später nur Feindpropaganda. Die Geschichte hat Koestler recht gegeben, ohne aus dem Roman eine bloße Anklageschrift zu machen. Er steht neben George Orwells 1984 als das andere große Buch über die totale Partei: dort die Zukunft als Überwachung, hier die Vergangenheit der Revolution, die ihre Kinder frisst. Die deutsche Urfassung bei Elsinor ist die gerechte Ausgabe; ältere Taschenbücher bei dtv, Ullstein und Europa folgen der Rückübersetzung.

Wer nach 1940 über Schauprozesse und das Geständnis Unschuldiger spricht, spricht hinter Rubaschow. Das Buch hat Koestler die Feindschaft der Genossen und die Dauerhaftigkeit unter Lesern eingetragen, die keine Kommunisten waren. Die Zelle bleibt der Ort, an dem eine Idee ihre Rechnung ohne den Körper nicht mehr aufgeht – und ihn trotzdem durch die Tür holt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.