Seitenwechsel. Coming-out im Fußball.

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Seitenwechsel. Coming-out im Fußball.
Autor(en): Tanja Walther-Ahrens
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Serie:
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenanzahl: 175 Seiten
Originaltitel: Seitenwechsel. Coming-out im Fußball.
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3579066994
ISBN-13/

EAN-Code:

9783579066998
Schlagwörter: Fußball, Homosexualität, Männlichkeit, Sichtbarkeit
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Rezensionen
Umschlag

Seitenwechsel. Coming-out im Fußball. ist das 2011 im Gütersloher Verlagshaus erschienene Sachbuch der Sportwissenschaftlerin und ehemaligen Bundesligaspielerin Tanja Walther-Ahrens. Die Autorin, die bei Tennis Borussia Berlin und Turbine Potsdam gespielt hat und sich im Berliner Frauen- und Lesbensportverein Seitenwechsel engagiert, fragt, warum im bezahlten Männerfußball niemand öffentlich als schwul gelten darf, während Homosexualität in Politik, Journalismus und Kunst längst sichtbar ist. Das Buch mischt aufklärende Abschnitte, Interviews und eine scharfe Kritik an Verbänden und Redaktionen; ein Vorwort von Theo Zwanziger, damals Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, gibt der Intervention eine offizielle Schwelle. Walther-Ahrens schreibt für zwei Lesergruppen zugleich: für Sportbegeisterte, die von lesbischen und schwulen Lebensweisen wenig wissen, und für Homosexuelle, die dem Fußball fernstehen. Der schmale Band beschreibt eine Männerdomäne, die abweichende Lebensformen ausschließt.

Inhalt

Walther-Ahrens schreibt gegen die Behauptung, es gebe im Fußball keine Homosexuellen, und gegen die Hoffnung, ein einzelner Vorzeigespieler werde das Problem erledigen. Der Männerfußball erscheint ihr als einer der konservativsten öffentlichen Räume: Trainingsplatz, Kabine und Tribüne verlangen Härte, Spott über Schwäche und die ständige Versicherung, hier sei alles geradeaus. Wer von der Norm abweicht, findet keinen Platz, nicht weil die Regeln es verbieten, sondern weil die Kultur der Mannschaft das Abweichende als Gefahr für den Zusammenhalt behandelt. Sie kennt das Milieu von innen und legt dar, dass schwule Profis ein Doppelleben führen müssen, während lesbische Spielerinnen privat oft offen leben und nur öffentlich zögern, weil Medien und Geldgeber den mädchenhaften Auftritt bevorzugen. Homophobie ist hier keine Randerscheinung, sondern ein Mittel, Männlichkeit herzustellen. Das Offenlegen der sexuellen Orientierung wird deshalb zur Zumutung an eine ganze Institution, nicht zur privaten Mitteilung.

Das Buch entfaltet die Behauptung an den unterschiedlichen Ordnungen von Männer- und Frauenfußball und an Gesprächen mit Aktiven. Eltern fürchten, die Tochter infiziere sich im Verein; Trainer fürchten den Streit lesbischer Paare in der Mannschaft; unter der Dusche spukt das alte Bild der Verführung. Dagegen setzt Walther-Ahrens die lesbisch-schwulen Sportvereine als Orte, an denen man spielen kann, ohne sich zu verstellen – Entspannung und Spaß, nicht Absonderung um ihrer selbst willen. Die Interviews sind ungleich ergiebig: Steffi Jones, Chefin des Organisationskomitees der Frauenweltmeisterschaft, bleibt holzschnittartig; zwei Schiedsrichter und der Basketballspieler John Amaechi erzählen genauer, was Sichtbarkeit kostet. Die Journalisten Mark Chapman und Aljoscha Pause berichten, ein öffentlich-rechtlicher Sender sei begeistert gewesen, allerdings nur, wenn zwei Bundesligaspieler mitgeliefert würden, die sich öffentlich als schwul zu erkennen geben. Die Medien wollen die Sensation, nicht die Struktur. Kleine Einschübe zu Judith Butler und zu europäischen Antidiskriminierungsregeln sollen zeigen, dass der Fußball hinter dem Recht und hinter der Geschlechtertheorie herhinkt.

Unsicher wird der Band, wo der Appell die Beschreibung überholt. Ines Geipel nannte das Buch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung informativ und sympathisch, aber in seinen Vorstellungen nicht sehr realistisch: die Vision eines diskriminierungsfreien Sports liege weit von der Praxis entfernt. Walther-Ahrens weiß, dass sie niemandem in der laufenden Karriere das öffentliche Bekenntnis vorschreiben kann, und rät dennoch grundsätzlich zur Offenheit, weil jedes Verschweigen die Norm bestätigt. Der Ton ist der einer Trainerin und Lehrerin, die erklärt, ohne zu moralisieren, und der einer Aktivistin, die den DFB beim Wort nehmen will. Die Gegenposition steckt schon in den Interviews: wer Verträge, Sponsoren und den Spott der Kurve fürchtet, hat Gründe, die das Buch nicht wegerklären kann. Es bleibt eine Intervention, kein Lehrbuch, und gerade darin liegt seine Stärke und seine Grenze.

Einordnung

Der Deutsche Fußball-Bund hat den Band in seine Informationsbroschüre zu Fußball und Homosexualität aufgenommen; das ist eine amtliche Aufnahme und noch keine Veränderung der Kabine. Walther-Ahrens erhielt im Erscheinungsjahr den Augspurg-Heymann-Preis. Die öffentliche Rede über schwule Profis blieb nach 2011 zunächst, was sie gewesen war: eine Debatte ohne Namen in der Bundesliga. Erst Jahre später, meist nach dem Ende der Spielerlaufbahn, wurden einzelne Spieler sichtbar; das Buch hatte den Vorzeigestern nicht ersetzen wollen und sah sich darin bestätigt. Die Theorie, die es nur andeutet, steht ausführlicher in Körper von Gewicht: Geschlecht ist eine Norm, die Körper herstellt, nicht eine Eigenschaft, die man in der Kabine ablegt.

Geblieben ist die Unterscheidung, dass der Frauenfußball Homosexualität anders organisiert als der Männerfußball, und der Satz, ein einzelner öffentlicher Fall sei nicht die Lösung. Wer nach 2011 über Männlichkeit, Spott und das Schweigen im bezahlten Fußball spricht, kommt an dieser Mischung aus Erfahrung, Interview und Verbandsnähe nicht vorbei. Der Titel spielt mit dem Verein, der Seitenwechsel heißt, und mit dem Wechsel der Seite, den das Offenlegen verlangt. Beides gehört zusammen: ohne Räume, in denen man ungestraft spielen kann, bleibt die Forderung an den Profibetrieb ein frommer Wunsch.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.