Schatten des Geistes

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Schatten des Geistes
Autor(en): Roger Penrose
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Spektrum
Serie:
Erscheinungsjahr: 1994
Seitenanzahl: 536 Seiten
Originaltitel: Shadows of the Mind
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3860252607
ISBN-13/

EAN-Code:

9783860252604
Schlagwörter: Bewusstsein, Unvollständigkeit, Quanten, Rechner
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Schatten des Geistes. Wege zu einer neuen Physik des Bewußtseins ist das 1994 bei Oxford University Press erschienene Buch des mathematischen Physikers Roger Penrose; Anita Ehlers übertrug es 1995 für Spektrum. Es führt die These von Computerdenken (The Emperor's New Mind, 1989) fort: Menschliches Bewusstsein sei nicht algorithmisch darstellbar, also weder auf einer Turingmaschine noch auf einem wirklichen Digitalrechner zu erzeugen. Aus Kurt Gödels Unvollständigkeitssatz folgert Penrose, Mathematiker könnten die Widerspruchsfreiheit von Sätzen einsehen, die das formale System nicht beweisen kann; daraus schließe, dass Bewusstsein von Maschinen nicht nachgeahmt werden könne. Quantenphysik, namentlich Überlagerungen in den Mikrotubuli der Nervenzellen, winzigen Röhrchen des Zellskeletts, solle die fehlende Physik liefern.

Inhalt

Penrose schreibt gegen die Überzeugung der Künstlichen-Intelligenz-Forschung, Denken sei Rechnung und werde, sobald die Maschinen groß genug seien, Bewusstsein heißen. Der erste Teil entfaltet Gödels Satz: Jedes hinreichend starke formale System enthält wahre Sätze, die es nicht beweisen kann. Dass Menschen diese Grenze verstehen und überschreiten, gilt Penrose als Beweis einer Einsicht, die kein Algorithmus ist. Er unterscheidet rechnerische, unrechnerische und noch unbekannte physikalische Vorgänge und ordnet das Bewusstsein der letzten Klasse zu. Der Digitalrechner bleibt im Schatten; er kann simulieren, was schon Rechnung ist, nicht das Verstehen selbst.

Der zweite Teil sucht den Ort im Gehirn. Klassische Neurobiologie, die nur Synapsen und Impulse kennt, reicht nicht. Penrose und der Arzt Stuart Hameroff setzen auf Kohärenz in den Mikrotubuli: Die Zelle halte Überlagerungen, bis ein noch unformuliertes physikalisches Reduktionsgesetz sie zusammenbrechen lässt. Neuronen übersetzen dann nur, was tiefer im Skelett der Zelle geschieht. Das gängige Bild von Geist und Gehirn wäre der Schatten eines tieferen Vorgangs. Im Schlusskapitel stellt Penrose drei Welten nebeneinander: die der bewussten Wahrnehmung, die physikalische und die platonische der mathematischen Ideen. Überraschend erklärt er die Ideenwelt für das Primäre; die beiden anderen seien ihre Schatten. Mathematik ist hier nicht Erfindung, sondern Entdeckung.

Unsicher wird die Konstruktion, wo aus Gödels metamathematischem Satz eine Theorie des Alltagsbewusstseins wird. Solomon Feferman und David Chalmers haben den Schluss als Fehldeutung der Unvollständigkeit und als Sprung ins Gehirn kritisiert. Ob Mikrotubuli Quantenkohärenz bei Körperwärme halten können, ist physikalisch bestritten. Penrose hat in Erwiderungen an der Nichtrechnerbarkeit festgehalten und die Physik als ausstehend zugegeben. Der Ton ist der des fordernden Popularisators, der den Leser durch Beweise führt und dann spekuliert. Die Gegenposition, Bewusstsein könne emergente Rechnung sein, ohne Gödel zu verletzen, kommt als Kurzschluss vor. Das Buch ist reich an Mathematik und arm an empirischer Hirnforschung.

Einordnung

Unter den Physikerbüchern über den Geist der neunziger Jahre ist Schatten des Geistes das anspruchsvollste und das umstrittenste. Es hat die Debatte über Maschinenbewusstsein mit einem gödelschen Argument belastet, das die Fachwelt mehrheitlich nicht angenommen hat, und eine Quantenhypothese in Umlauf gebracht, die seither als Penrose-Hameroff-Modell firmiert. Nachbarschaft hat es zu Computerdenken und zu den älteren Zweifeln John Lucas’ an der Maschine als Geist. Das Missverständnis der Leser war, hier sei bewiesen, dass es keine künstliche Intelligenz geben könne; Penrose hat eine bestimmte Art von Nachahmung ausgeschlossen, nicht jede künftige Physik.

Geblieben ist die Frage, ob Verstehen mehr ist als Verfahren. Wer nach 1994 über Rechner, Bewusstsein und die Grenzen formaler Systeme spricht, muss durch dieses Buch hindurch oder ausdrücklich an ihm vorbei. Die Spektrum-Ausgabe hat den spekulativen Atem bewahrt; die Nobelpreisreife von Penroses Kosmologie hat die Hirnhypothese nicht nachträglich wahr gemacht. Lesen heißt den Beweis vom Ausblick trennen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.