Ruhm

Daniel Kehlmann · 2009 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Ruhm
Autor(en): Daniel Kehlmann
Originaltitel: Ruhm
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 2009
Schlagwörter: Identität, Mobiltelefon, Erzählen, Verschwinden
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Rowohlt


Umfang dieser Ausgabe: 208 Seiten
ISBN: 9783499249266
Verweise


Ruhm ist der 2009 erschienene „Roman in neun Geschichten“ von Daniel Kehlmann. Die Stücke sind lose verzahnt: Figuren tauschen Nummern, Rollen und Ebenen, tauchen in fremden Erzählungen auf und verschwinden. Kehlmann hat gesagt, Mobiltelefon und elektronische Post schüfen eine Parallelwirklichkeit; man könne neben dem eigenen zusätzliche Leben führen. Der Titel meint den Glanz, der die einen zerlegt und den anderen als Beute erscheint. Nach Die Vermessung der Welt war der Band die Probe, ob Kehlmann auch ohne historische Großfigur trägt. Er trägt, indem er die Großfigur in neun kleine auflöst.

Inhalt

Der Techniker Ebling bekommt ein Mobiltelefon mit der noch lebenden Nummer eines Mannes namens Ralf, mutmaßlich des Schauspielers Ralf Tanner. Er beantwortet fremde Anrufe, verabredet sich mit Frauen, ohne zu erscheinen, und greift ins Geschäft des anderen ein. Tanner selbst tritt bei einem Imitatorenwettbewerb als eigener Nachahmer auf, wird Zweiter, beginnt unter dem Namen Matthias Wagner ein unberühmtes Leben; jemand anderer füllt die Lücke, auch am Telefon. Der Schriftsteller Leo Richter, eitel und ängstlich, reist mit der Freundin Elisabeth, die für Ärzte in Kriegsgebieten arbeitet, nach Lateinamerika und hasst die immergleichen Lesungen. Elisabeth fürchtet um entführte Kollegen. Leo ist der Erfinder der Arztfigur Lara Gaspard und der Geschichte, in der die krebskranke Rosalie zur Sterbehilfe in die Schweiz fährt, den Autor anfleht, sie leben zu lassen, jung und geheilt wird – und erlischt, sobald er die Geschichte beendet.

Die Krimiautorin Maria Rubinstein fliegt statt Leo nach Zentralasien, wird von der Reisegruppe vergessen, verliert Geld, Gerät und Sprache und bleibt bei einer Bäuerin verschollen; im Westen wächst gerade dadurch ihre Bekanntheit. Der Lebenshilfeautor Miguel Auristos Blancos, dessen Bücher in fast jeder Geschichte liegen, schreibt einer Äbtissin, Gott und Welt seien nicht zu rechtfertigen, und erwägt den Selbstmord. Der ungeschickte, netsüchtige Mollwitz, Angestellter einer Telefongesellschaft, trifft Leo auf einem Kongress, will als Figur unsterblich werden, verwüstet das falsche Zimmer. Sein Chef, der Abteilungsleiter, führt ein Doppelleben zwischen Ehe in Süddeutschland und schwangerer Freundin, vergibt aus Nachlässigkeit Nummern doppelt – Eblings Ruhm beginnt hier – und schickt Mollwitz zur gescheiterten Präsentation.

Die letzte Geschichte heißt wie die zweite, In Gefahr: Leo hat sich in seiner Erfindung in den mutigen Begleiter Elisabeths verwandelt, im afrikanischen Einsatz. Elisabeth erkennt eine Kulturinstitutsmitarbeiterin der Lateinamerikareise und trifft Lara Gaspard persönlich. Ihr geschieht, was sie gefürchtet hat: Sie ist Figur geworden. Kehlmann lässt die Ebenen ineinanderlaufen, ohne den Leser mit einer einzigen Lösung zu beruhigen. Zufälle stellen Leben um; Identität erweist sich als Rolle, die man verliert, wenn ein anderer die Nummer hat oder der Autor die Seite umblättert.

Einordnung

Kehlmann hat den Gesellschaftsroman der sichtbaren Geräte geschrieben, ohne Technikpredigt. Ruhm ist Leitmotiv und Falle: Tanner flieht ihn und verliert sich, Maria gewinnt ihn durch Verschwinden, Mollwitz bettelt darum, Blancos erstickt daran, Ebling stiehlt ein Stück davon. Die Metalepse – Figur spricht mit Autor, Erfindung tritt der Geliebten gegenüber – ist bei ihm komisch und unheimlich, nicht nur kunststückig. In einem Gespräch hat er vom Vergessenwerden und von der Auflösung gesprochen.

Neben den verschachtelten Erzählungen der Weltliteratur bleibt Ruhm leichtfüßig, fast novellistisch, bei aller Konstruktion. Eine große Verfilmung hat es nicht gegeben; die Stücke lesen sich wie Vorlagen, die das Fernsehen zu schlecht machen würde, weil es die Ebenen einebnen müsste. Wer nach 2009 über doppelte Leben im Netz und über Schriftsteller, die Freunde verbrauchen, sprach, sprach hinter diesem schmalen Band. Er misst den Ruhm und findet ihn leicht, tödlich und verwechselbar.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.