Rot und Schwarz

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Rot und Schwarz
Autor(en): Stendhal
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: dtv
Serie:
Erscheinungsjahr: 1830
Seitenanzahl: 872 Seiten
Originaltitel: Le rouge et le noir. Chronique du XIXe siècle
Originalsprache: französisch
ISBN-10: 3423135255
ISBN-13/

EAN-Code:

9783423135252
Schlagwörter: Aufsteiger, Restauration, Ehrgeiz, Gesellschaftskritik
Sachgebiete: Roman
Rezensionen

Rot und Schwarz (französisch Le rouge et le noir) ist der bekannteste Roman von Stendhal, erschienen im November 1830. Der Untertitel Chronik des 19. Jahrhunderts benennt den Anspruch: ein Zeitbild der französischen Restauration.

Inhalt

Julien Sorel, Sohn eines wohlhabenden Zimmermanns im Städtchen Verrières, ist schmal, hübsch, außergewöhnlich begabt und für körperliche Arbeit unbrauchbar; Vater und Brüder verachten ihn dafür. Er kann das Neue Testament auf Latein hersagen, verehrt aber heimlich Napoleon, in dessen Aufstieg er den einzigen Weg sieht, den ein Mann ohne Geburt gehen kann. Da Uniform und Ruhm nach 1815 nicht mehr zu haben sind, wählt er die Soutane als Mittel zum Zweck und tritt als Hauslehrer in das Haus des Bürgermeisters de Rênal ein, wo er ein Verhältnis mit der Hausherrin beginnt – weniger aus Neigung als aus dem Vorsatz, sich seine Kühnheit zu beweisen.

Nach dem Auffliegen der Affäre folgen das Priesterseminar in Besançon und die Stellung als Sekretär des Marquis de La Mole in Paris. Dort spielt Julien seine Rolle mit kalter Perfektion, verachtet die Salons, in denen er reüssiert, und gewinnt die stolze Marquistochter Mathilde, die in ihm den Ausnahmemenschen sucht, den ihr Stand nicht hergibt. Ihre Schwangerschaft erzwingt, was Julien nie erreicht hätte: Der Marquis kauft ihm einen Adelstitel und ein Offizierspatent. Der Aufstieg ist vollzogen.

Dann kommt ein einziger Brief. Madame de Rênal, von ihrem Beichtvater gedrängt, warnt den Marquis vor dem Verführer, und die Verlobung platzt. Julien reist nach Verrières und schießt in der Kirche auf seine frühere Geliebte, die überlebt. Vor Gericht verzichtet er darauf, sich zu retten: Er hält den Geschworenen vor, dass sie ihn nicht für den Schuss verurteilen, sondern dafür, dass ein Handwerkersohn sich unter sie gedrängt hat. Er wird hingerichtet; Mathilde begräbt seinen Kopf mit eigenen Händen, Madame de Rênal stirbt drei Tage später.

Einordnung

Zwei Quellen stehen hinter dem Buch: ein Pariser Entführungsskandal und der Fall des Antoine Berthet, eines Hufschmiedsohns und Hauslehrers, der 1828 wegen Mordversuchs an seiner Dienstherrin zum Tode verurteilt wurde. Die Titelfarben werden meist auf Juliens republikanische Neigung und die geistliche Laufbahn bezogen. Stendhal erzählt psychologisch so genau und gesellschaftlich so kühl, dass der Roman als früher Höhepunkt der Analyse von Ehrgeiz und Selbsttäuschung gilt – und als schärfste Abrechnung mit einer Restaurationsgesellschaft, die Begabung nur als Bedrohung kennt.