Rede und Antwort
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Rede und Antwort |
| Autor(en): | Pierre Bourdieu |
| Originaltitel: | Choses dites |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 1987 |
| Schlagwörter: | Feld, Habitus, Reflexivität, Soziologie |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | edition suhrkamp |
| Umfang dieser Ausgabe: | 237 Seiten |
| ISBN: | 9783518115473 |
| Verweise | |
Rede und Antwort (französisch Choses dites) ist die 1987 bei Minuit erschienene Sammlung von Gesprächen, Vorträgen und kurzen Aufsätzen von Pierre Bourdieu. Die deutsche Übersetzung von Bernd Schwibs kam 1992 in der edition suhrkamp heraus; die englische Fassung hieß In Other Words. Bourdieu gibt hier keine neue Theorie, sondern Auskunft über die bereits geschriebene: wie aus Ethnologie Soziologie wurde, was ein Feld ist, warum der Soziologe sich selbst zum Gegenstand machen muss. Der Band dient Lesern, die Die feinen Unterschiede oder Sozialer Sinn suchen, als Schlüssel, nicht als Ersatz. Er zählt, weil Bourdieu darin die eigene Werkstatt zeigt, ohne sie zu schönen.
Inhalt
Bourdieu schreibt gegen zwei Missverständnisse seines Werks. Das eine hält den Habitus für Schicksal, das andere die Soziologie für eine Wissenschaft ohne Interessen. Dagegen erzählt er den Weg: die Kabylei, die Philosophie, die Abkehr von einer Regel, die man befolgt, hin zu Strategien, die man spielt, ohne sie zu kennen. Das Gespräch mit Axel Honneth, Hermann Kocyba und Bernd Schwibs, zuerst 1985 in Ästhetik & Kommunikation, heißt im Band Fieldwork in Philosophy und bleibt die ausführlichste Selbstauskunft. Bourdieu besteht darauf, dass Begriffe Werkzeuge sind, keine Fahnen. Wer vom Habitus spricht – der einverleibten Geschichte, die als Natur auftritt –, darf nicht vergessen, dass er ein Mittel ist, die falsche Wahl zwischen Freiheit und Zwang zu vermeiden.
Die mittleren Stücke führen die Behauptung an Schauplätzen vor. Von der Regel zu den Strategien: die formale Norm erklärt nicht, was die Handelnden tun, wenn sie die Norm erfüllen, umgehen oder umdeuten. Die Kodifizierung macht aus lebendiger Praxis ein Gesetz, das dann als Ursprung der Praxis missverstanden wird. Der soziale Raum und die symbolische Macht: Positionen sind Relationen, der Geschmack ist ein Urteil über andere, die Delegation erzeugt den politischen Fetisch, der spricht, als wäre er das Volk. Bourdieu greift die Meinungsforschung an, eine Wissenschaft ohne Wissenschaftler, die Fragen stellt, die niemand gestellt hat, und Antworten erntet, die sie selbst erzeugt. Ein Programm für eine Soziologie des Sports gehört dazu, nicht als Kuriosum, sondern weil der Körper hier öffentlich trainiert, was anderswo verborgen bleibt. Der Begriff Volk, sagt er, ist ein Einsatz im Kampf, kein unschuldiger Name.
Das Buch wird unsicher, wo die Selbstauskunft zur Verteidigung gerät. Bourdieu objektiviert das objektivierende Subjekt und weiß, dass auch der Soziologe einen Habitus hat, eine Stellung im intellektuellen Feld, einen Glauben, den er Soziologie nennt. Die letzten Stücke über den Glauben des Soziologen und die Auflösung des Religiösen bleiben skizzenhaft; Gegner haben den Band als Wiederholung gelesen, Freunde als Klärung. Der Ton ist der des Seminars und des Rundfunkgesprächs, dichter als ein Lehrbuch, lockerer als Die feinen Unterschiede. Wo jenes Werk den Geschmack als Klassenurteil seziert, sagt dieser Band, warum der Autor so sezieren musste. Die Grenze, die Bourdieu zieht – keine scholastische Illusion, keine bloße Meinung –, ist eine Ethik der Wachsamkeit, keine Methode für Anfänger.
Einordnung
In Frankreich stand Choses dites neben den großen Monographien als der zugänglichere Bourdieu; in Deutschland hat die Suhrkamp-Ausgabe den Einstieg erleichtert, ohne die Schwere des Hauptwerks zu ersetzen. Rogers Brubaker und Charles Lemert haben die englische Fassung als Einführung in eine reflexive Soziologie gelesen, Dick McCleary als Fortsetzung eines bereits bekannten Kampfes. Neben Die feinen Unterschiede und den Studien zum wissenschaftlichen Feld ist dies die Auskunft in eigener Sache: dass Gesellschaftstheorie sich selbst nicht ausnimmt.
Geblieben ist die Zumutung, den Soziologen in die Untersuchung einzuschließen. Wer nach 1987 über Habitus, Feld und symbolische Macht spricht, ohne diese Seiten zu kennen, kennt oft nur die Schlagwörter. Die edition suhrkamp hat den mündlichen Atem bewahrt; er ist älter geworden und für die Lektüre Bourdieus nicht entbehrlich. Die Selbstauskunft ersetzt das Hauptwerk nicht, sie macht es lesbarer.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
