Radikale Zärtlichkeit

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Radikale Zärtlichkeit
Autor(en): Şeyda Kurt
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: HarperCollins
Serie:
Erscheinungsjahr: 2021
Seitenanzahl: 288 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3749901147
ISBN-13/

EAN-Code:

9783749901142
Schlagwörter: Liebe, Zärtlichkeit, Norm, Fürsorge
Sachgebiete: Sachbuch, Politik
Rezensionen
Umschlag

Radikale Zärtlichkeit. Warum Liebe politisch ist ist das 2021 bei HarperCollins erschienene autobiographische Sachbuch von Şeyda Kurt. Die Kölner Journalistin schreibt aus dem Unbehagen eigener Beziehungen und aus einer feministischen, die Ungleichheiten verschränkenden Perspektive gegen die bürgerliche Norm der Paarliebe. Liebe gilt ihr nicht als privates Glück, das die Welt draußen lässt, sondern als Feld von Macht, Herkunft, Geschlecht und Ökonomie. Das Buch hielt sich zwanzig Wochen auf der Spiegel-Liste der meistverkauften Sachbücher und hat die Debatte über Monogamie, Fürsorge und nicht ausschließliche Beziehungsformen im deutschsprachigen Feuilleton mitbestimmt.

Inhalt

Kurt schreibt gegen den Mythos, Liebe sei das Heilsversprechen, das Klasse, Rassismus und männliche Herrschaft unberührt lässt. Die bürgerliche Monogamie erscheint ihr historisch verflochten mit Eigentum, Kolonialismus und der Arbeit, die Frauen unsichtbar leisten. Sie liest Platon und Marx, Eva Illouz und bell hooks, und prüft an der eigenen Biographie, welche Sätze über Treue, Eifersucht und Selbstverwirklichung sie selbst wiederholt hat. Radikale Zärtlichkeit meint nicht Weichheit. Sie meint eine Haltung, die Verletzlichkeit nicht als Schwäche der Anderen ausbeutet und Fürsorge nicht an die unterbezahlte Frau delegiert. Die neun Kapitel gehen von der Philosophie der Liebe über offene Beziehungen, ungerechte Paare in einer ungerechten Welt, Sprache, Technik, Selbstliebe bis zu einer Utopie, die Zärtlichkeit an Gerechtigkeit bindet.

Die Beispiele sind persönlich und begrifflich zugleich. Kurt erzählt gescheiterte Beziehungen, ohne sie zur Beichte zu machen; sie zeigt, wie Herkunft, Sprache und der Blick der Mehrheitsgesellschaft das Begehren formen. Männlichkeit und Weiblichkeit werden nicht als Natur, sondern als Zumutung gelesen, der man zu entsprechen sucht, auch wo man glaubt, frei zu wählen. Technologie – die Anwendungen des Kennenlernens, die ständige Erreichbarkeit – verändert Zärtlichkeit, ohne sie zu ersetzen. Selbstliebe, als Warenangebot der Ratgeber, wird von der politischen Forderung unterschieden, sich nicht selbst zum Objekt der Zurichtung zu machen. Die Autorin will herkömmliche Erzählungen sichtbar machen und durch andere Praktiken ersetzen: füreinander sorgen, ohne Besitzansprüche; sprechen, ohne die Sprache der Bewertung.

Unsicher wird das Buch, wo aus der eigenen Erfahrung ein allgemeines Programm wird. Die Stärke der Reflexion – Position und Machtverhältnisse zu prüfen – ist auch ihre Grenze: Wer andere Lebensformen, andere Klassenlagen, andere Altersstufen hat, findet Anstoß und blinde Flecken. Die Kritik hat den appellhaften Ton gelobt und die Entmystifizierung der Liebe als Deckmantel sozialer Verhältnisse. Elisabeth Gamperl nannte den Ansatz eine Beleuchtung des modernen Mythos Liebe; Marlene Halser hob den Anstoß zur Selbstprüfung hervor. Kurt weiß, dass Zärtlichkeit allein nicht reicht, und beharrt darauf, dass ohne sie Politik kalt bleibt. Das Buch ist Essay, Selbstbeobachtung und Streitschrift, kein Lehrbuch der Beziehungsformen.

Einordnung

Seit 2021 gehört der Titel zu den Bezugstexten einer jüngeren linken Debatte über Liebe und Kapitalismus, neben Illouz’ soziologischen Studien und älteren feministischen Kritiken der Ehe. Er hat den Ton verschoben: von der Moral der Treue zur Frage, wem Fürsorge gilt und wer sie leistet. Die Nachfolge – Kurts Essay über Hass, später der Roman – hat die Autorin als Stimme gefestigt; das erste Buch bleibt das Programm. Wer Liebe nur als Gefühl kennt, trifft hier den Satz, dass Gefühle politisch geformt sind. Wer Politik nur als Staat kennt, trifft den Satz, dass der Haushalt und das Paar Herrschaft enthalten.

Die akademische Theorie hat das Buch oft als Anregung, selten als Quelle zitiert; seine Wirkung lag im Feuilleton, in Hochschulen, die es als Semesterthema nahmen, und in Gesprächen, die Monogamie nicht mehr als Natur voraussetzten. HarperCollins hat daraus ein weit verbreitetes Buch gemacht, das den Markt der Beziehungsliteratur politisch störte. Geblieben ist die Einladung, patriarchale Denkmuster und einverleibte Ideale zu prüfen, ohne die Zärtlichkeit preiszugeben, die das Prüfen erst erträglich macht. Das ist weniger ein Gegenprogramm zur Liebe als deren Erweiterung um Gerechtigkeit.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.