Politischer Traktat
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Politischer Traktat |
| Autor(en): | Baruch de Spinoza |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Meiner |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1677 |
| Seitenanzahl: | 248 Seiten |
| Originaltitel: | Tractatus politicus |
| Originalsprache: | lateinisch |
| ISBN-10: | 3787319468 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783787319466 |
| Schlagwörter: | Naturrecht, Affekt, Staat, Macht |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Politik |
| Rezensionen | |
Der Politische Traktat (lateinisch Tractatus politicus) ist die 1677 in den Opera posthuma erschienene, unvollendet gebliebene Staatsschrift von Baruch de Spinoza. Die staatstheoretischen Gedanken knüpfen an die Affektenlehre im dritten Teil der Ethik an. 1678 wurde das Werk in Holland zusammen mit Hobbes’ Leviathan verboten. Spinoza will den Staat von der Natur des Menschen her denken, vom Selbsterhaltungsdrang und den Affekten, nicht von der Neigung zur Wunschvorstellung. Die Meiner-Übersetzung von Wolfgang Bartuschat hat den lateinischen Text zur schulischen Ausgabe gemacht.
Inhalt
Spinoza schreibt gegen die utopischen Staatslehren des frühen 17. Jahrhunderts, gegen Johann Valentin Andreae, Tommaso Campanella und Francis Bacon, und gegen die Hoffnung, Politik lasse sich aus der Vernunft bauen, die die Menschen haben sollten. Man muss den Menschen nehmen, wie er ist: nach Handlungen und Affekten, nicht nach seiner Folgsamkeit gegenüber der Vernunft. Recht ist Macht oder Vermögen. Naturgesetze weisen jedem Einzelnen seine Wirkungsmöglichkeiten zu. Naturrecht ist im Grund alles, was ist; verboten ist nur, was niemand vermag. Positives Recht setzt Übereinkunft, Übertragung von Macht und Herrschaft voraus. Dabei gibt der Einzelne sich selbst, sein Recht, seine Macht dem Herrschenden nie ganz preis.
An den Staatsformen entfaltet sich die Behauptung. Spinoza spielt die naturgebundenen Affekte durch Monarchie, Aristokratie und Demokratie und wägt wertfrei die Möglichkeiten des Einzelnen in jedem Gefüge. Gesellschaftsverträge werden für die einzelnen Gebilde entworfen, nicht als moralische Stufenleiter. Im Unterschied zu Thomas Hobbes bleibt das Einzelinteresse im Vertrag als naturrechtliche Gegebenheit bestehen; der Souverän verschlingt die Rechte nicht restlos. Macht, die übertragen wird, kann zurückwirken, weil niemand aufhören kann, nach Selbsterhaltung zu streben. Gesetze, die der Natur der Affekte widersprechen, sind schwach, auch wenn sie tugendhaft klingen. Sicherheit entsteht nicht aus der Bekehrung der Bürger, sondern aus Einrichtungen, die den Eigennutz in Bahnen lenken, in denen er anderen nicht zerstört.
Unsicher wird das Buch, wo der Abschnitt über die Demokratie abbricht. Spinoza hat die Form, die seiner Gleichheit der Vermögen am nächsten läge, nicht zu Ende gebracht; der Tod kam dazwischen. Ob die Demokratie deshalb die bevorzugte Verfassung wäre, bleibt eine begründete Vermutung der Leser, kein letzter Beweis des Autors. Die Nähe zu Hobbes in der Sprache von Recht und Macht und die Ferne in der Frage, was vom Individuum im Vertrag übrigbleibt, erzeugen eine Spannung, die der unfertige Text nicht löst. Wer eine Lehre vom besten Staat erwartet, findet eine Mechanik der Affekte; wer nur die Mechanik erwartet, stößt auf die Weigerung, den Menschen der Herrschaft restlos zu übereignen.
Einordnung
Der Tractatus politicus steht neben dem Tractatus theologico-politicus, der die Freiheit des Philosophierens und die Auslegung der Schrift sicherte, und neben der Ethik, deren Gottes- und Affektenlehre hier politisch wird. Gegen Machiavellis Der Fürst und die Discorsi ist Spinoza kälter gegenüber der römischen Beispielsammlung und genauer in der Anthropologie: nicht Tatkraft und Glück, sondern conatus, das Beharren im Sein. Gegen Bodins Sechs Bücher über den Staat teilt er die Nüchternheit gegenüber Wunschbildern und widerspricht der Heiligkeit ungeteilter Fürstengewalt, wo sie die Macht der Vielen leugnet.
Die vergleichende Lektüre mit Hobbes ist so alt wie das Buch; Heinrich von Sigwart hat sie im 19. Jahrhundert schulmäßig durchgeführt. Wer über Naturrecht, Vertrag und die Unauslöschlichkeit des Eigeninteresses spricht, hat in Spinozas letztem Werk die knappe Auskunft: der Staat muss die Affekte rechnen, oder er rechnet falsch. Die Unfertigkeit der Demokratie bleibt die offene Stelle, an der spätere Republikaner eingesetzt haben, ohne den Text zu schließen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
