Philosophie der neuen Musik

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Philosophie der neuen Musik
Autor(en): Theodor W. Adorno
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1949
Seitenanzahl: 200 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3518278398
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518278390
Schlagwörter: Material, Fortschritt, Zwölftontechnik, Restauration
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Philosophie der neuen Musik ist das 1949 bei J. C. B. Mohr in Tübingen erschienene musikphilosophische Hauptwerk von Theodor W. Adorno. Im amerikanischen Exil geschrieben, sollte es ein ausgeführter Exkurs zur Dialektik der Aufklärung sein, die Adorno mit Max Horkheimer verfasst hatte. Zwei extreme Möglichkeiten des Komponierens im zwanzigsten Jahrhundert stehen gegeneinander: Arnold Schönberg und der Fortschritt, Igor Strawinsky und die Restauration. Es war Adornos erste Buchveröffentlichung im Nachkriegsdeutschland.

Inhalt

Adorno schreibt gegen die Kulturindustrie und gegen den Glauben, moderne Musik könne noch unschuldig an Konventionen anknüpfen. Die Avantgarde entziehe sich dem kommerziellen Betrieb, indem sie verbrauchte Klänge, Techniken und Formen meidet. Das Material – die Gesamtheit der musikalischen Mittel – ist für ihn nicht naturgegeben, sondern sedimentierter Geist, durchs Bewusstsein der Menschen gesellschaftlich vorgeformt. Darum ist die Auseinandersetzung des Komponisten mit dem Material zugleich eine mit der Gesellschaft. Das Material erlässt einen Kanon des Verbotenen: was verbraucht ist, steht nicht mehr zur Verfügung. Wer das ignoriert, restauriert.

Schönbergs Zwölftontechnik erscheint als totale Rationalisierung des Materials, vergleichbar dem Übergang vom Gegenständlichen zum Abstrakten in der bildenden Kunst. Entwicklung, Erinnerung und Zeitkontinuum bleiben möglich, wenn auch unter neuen Gesetzen. Strawinsky dagegen ersetze Entwicklung durch Wiederholung, dynamischen Verlauf durch Verräumlichung und Mechanik. Adorno nennt das Rückschritt in der Materialbeherrschung, später auch Reaktion. Das Schönberg-Kapitel entstand 1940 und 1941, das Strawinsky-Kapitel 1947; Thomas Mann hat das Manuskript des ersten für den Roman Doktor Faustus benutzt und Gedanken fast wörtlich übernommen. Die Einleitung bindet beide Hälften an die These, dass Fortschritt der Aufklärung umschlagen kann.

Das Buch ist als Pamphlet berechnet und als Analyse unsicher. Heinz-Klaus Metzger urteilte, es sei als Pamphlet verkannt worden und genau auf dieses Missverständnis hin angelegt: ein Blitz, der Schönberg beleuchte und Strawinsky erschlage. Die Kapitelüberschriften schwanken zwischen Restauration und Reaktion. Später hat Adorno Strawinsky differenzierter gelesen, ohne die Materiallehre aufzugeben. Wer das Buch als Parteinahme in einem Komponistenstreit nimmt, verfehlt, dass hier die Dialektik der Aufklärung an Klängen erprobt wird; wer es nur als Musikgeschichte liest, verfehlt die Gesellschaftstheorie des Materials. Joachim Kaiser rezensierte 1951 unter dem Titel Musik und Katastrophe.

Einordnung

Günter Figal hat das Werk als ersten Versuch gelesen, den Grundgedanken der Dialektik der Aufklärung umfassend an der Kunst zu entwickeln. In der westdeutschen Nachkriegszeit gehörte es zu den wenigen Büchern, in denen dialektisch-materialistisches Denken öffentlich weiterging, bewundert und bekämpft. Die neue Musik nach 1945, von Darmstadt bis zu den Seminaren, hat Adornos Fortschrittsgebot oft als Vorschrift genommen, gegen die dann wieder komponiert wurde. Genau diese Vorschrift hat das Buch über die Musikwissenschaft hinaus zum Streitobjekt gemacht.

Neben der Dialektik der Aufklärung und Manns Doktor Faustus bildet der Band das dritte Glied einer Konstellation aus Exil, Schönberg und deutscher Schuld. Die Musikwissenschaft hat den Materialbegriff als zu normativ kritisiert, die Komponisten haben ihn als Auftrag oder als Fessel erfahren. Die Spannung ist produktiv geblieben, weil sie das Hören an die Gesellschaft bindet, ohne eine Parteimusik zu fordern. Wer nach 1949 über Fortschritt in der Kunst spricht, als wäre er naturwüchsig, spricht gegen Adorno; wer ihn als gesellschaftlichen Stand des Materials denkt, spricht hinter diesem Buch.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.