Philodems Geschichte der Akademie
| Daten zum Buch | |
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| Deutscher Titel: | Philodems Geschichte der Akademie |
| Autor(en): | Philodemos von Gadara |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Brill |
| Serie: | Papyri Graecae Herculanenses |
| Erscheinungsjahr: | |
| Seitenanzahl: | 1105 Seiten |
| Originaltitel: | Academicorum historia |
| Originalsprache: | griechisch |
| ISBN-10: | 9004546537 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9789004546530 |
| Schlagwörter: | Akademie, Platon, Papyrus, Schulgeschichte |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Philodems Geschichte der Akademie ist die in den herkulanensischen Papyri überlieferte philosophiegeschichtliche Schrift des epikureischen Autors Philodemos von Gadara. Sie erzählt die platonische Schule von Platon bis ins erste Jahrhundert v. Chr. und gehört zu seiner umfassenderen Anordnung der Philosophen, der Syntaxis. Überlieferungsträger sind die Rollen PHerc. 1021 und PHerc. 164 sowie das 2012 zugeordnete Fragment PHerc. 1691: Arbeitsfassung mit Korrekturen und Reste der Endfassung. Die kommentierte Neuedition von Kilian Fleischer bei Brill (2023) hat den lesbaren Bestand durch bildgebende Verfahren erheblich erweitert. Für die moderne Forschung ist der Text eine der wichtigsten indirekten Quellen zur Akademie.
Inhalt
Philodem schreibt keine polemische Abrechnung eines Epikureers mit der rivalisierenden Schule, sondern eine sachliche Schulgeschichte aus älteren Exzerpten. Die Akademie erscheint als Lebensgemeinschaft von Lehrern, Schülern, Schriften und Streit, nicht als bloße Abfolge von Lehrsätzen. Quellen der ersten Hälfte sind unter anderem Dikaiarch, Philochoros, Neanthes von Kyzikos, Hermippos und Antigonos von Karystos; für die spätere Zeit die Chronik Apollodors von Athen, aus der er streckenweise wörtlich schöpft. Der Charakter als Arbeit am Text ist selbst ein Befund: Nachträge auf der Rückseite, Umstellungen, Dubletten zeigen, wie ein antiker Gelehrter kompiliert. Gegen Ende tritt Philodem als Zeitzeuge auf und berichtet von Zeitgenossen, darunter Kontakte im Umkreis des Antiochos von Askalon.
Die Behauptung entfaltet sich biographisch von Platon und der Alten Akademie über Speusipp, Xenokrates, Polemon, Krantor und Arkesilaos bis zur skeptischen Wende und zu Philio von Larissa – in der älteren Forschung meist Philon von Larisa – und Antiochos. Die Darstellung bewahrt Nachrichten, die sonst fehlen oder nur verdünnt bei Diogenes Laertios stehen. Fleischer hat den Textbestand um etwa dreißig Prozent verbessert und Namensformen wie Philio präzisiert; auch ein Aufenthalt Philodems in Alexandria vor dem Studium in Athen bei Zenon von Sidon wird greifbarer. Die Sachlichkeit überrascht: Kleine Seitenhiebe auf die Akademie sind kaum zu erkennen. Gerade die Distanz des Epikureers erhöht den Quellenwert, weil keine innerakademische Ruhmesrede die Auswahl steuert.
Unsicher bleibt fast alles Materielle: Brand, Kohle, Lücken, die Versuchung, zerstörte Zeilen frei zu ergänzen. Konrad Gaisers Teilausgabe von 1988 machte den Text philosophisch wieder zentral, korrigierte aber in der Rekonstruktion der Rolle und in kühnen Ergänzungen, was Fleischer zurücknimmt. Tiziano Dorandi hat die papyrologische Grundlage verbreitert. Die Gegenposition ist jede Platonforschung, die nur die Dialoge gelten lässt und Schulgeschichte für Anekdote hält, und jede, die Diogenes als hinreichende Philosophiegeschichte nimmt. Philodem ist Kompilator, Redaktor und Zeuge; wo die Autopsie der späten Akademie endet, beginnt das Exzerpt der Verlorenen.
Einordnung
Seit Friedrich Bücheler 1869 und Siegfried Mekler 1902 ist der Index Academicorum eine Quelle für Platons Leben; nach Wilamowitz ruhte die Arbeit am Papyrus jahrzehntelang. Die Wiederbelebung der herkulanensischen Papyrologie seit den siebziger Jahren und Fleischers editio maior von über tausend Seiten setzen den gegenwärtigen Stand. Das Werk steht in der Gattung der Sukzessionen, der Diadochai, neben Sotion und Alexander Polyhistor, und es ist das älteste erhaltene Geschichtsbuch der Akademie. Nachbarschaft hat es zur Historia plantarum nur im weiten Sinn hellenistischer Gelehrsamkeit; näher steht es jeder Rekonstruktion der Alten und der skeptischen Akademie.
Das Missverständnis ist, hier Platons Lehre oder eine epikureische Kampfschrift zu erwarten. Es ist Archiv, Arbeitsmanuskript und Brücke zwischen klassischer Schule und spätrepublikanischer Erinnerung. Geblieben sind Namen, Schülerlisten und der seltene Blick in die Entstehung eines antiken Buches. Wer über die Akademie nach Platon, über Philio und Antiochos oder über die Bibliothek von Herculaneum spricht, spricht hinter diesem Papyrus.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
