Parva naturalia

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Parva naturalia
Autor(en): Aristoteles
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Reclam
Serie: Reclams Universal-Bibliothek
Erscheinungsjahr:
Seitenanzahl: 207 Seiten
Originaltitel: Περὶ αἰσθήσεως καὶ αἰσθητῶν
Originalsprache: griechisch
ISBN-10: 315009478X
ISBN-13/

EAN-Code:

9783150094785
Schlagwörter: Wahrnehmung, Erinnerung, Schlaf, Atmung
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Die Parva naturalia, die kleinen naturphilosophischen Schriften, sind eine Sammlung von Abhandlungen des Aristoteles über die inneren Tätigkeiten des Lebewesens. Sie entstanden im vierten Jahrhundert vor Christus im Umkreis des Lykeion und stehen im Schatten von De anima, auf das sie fortwährend verweisen. Den lateinischen Sammelnamen gab ihnen im dreizehnten Jahrhundert Aegidius Romanus; die Zusammenstellung selbst kann älter sein. Aristoteles fragt hier nicht nach der Seele als Form, sondern nach dem, was der beseelte Körper tut: wahrnehmen, sich erinnern, schlafen, träumen, atmen, alt werden. Die greifbare deutsche Ausgabe ist die Reclam-Übersetzung von Eugen Dönt.

Inhalt

Aristoteles schreibt gegen die Trennung, die aus der Seele ein Gastspiel im Körper macht. Was lebt, nimmt wahr, ernährt sich und geht zugrunde; diese Vorgänge sind keine Beigaben der Naturlehre, sondern deren Mitte. Die neun Stücke – De sensu über die Wahrnehmung, De memoria über die Erinnerung, De somno über den Schlaf, De insomniis über die Träume, De divinatione über die Traumdeutung, De longitudine vitae über die Länge des Lebens, De iuventute über die Jugend, De vita et morte über Leben und Tod, De respiratione über die Atmung – behandeln ausführlicher, was De anima nur anlegt. Die Abgrenzung der letzten Schriften ist unsicher; oft werden sie als ein zusammenhängender Text gelesen. Querverweise halten die Sammlung zusammen und setzen voraus, dass der Hörer die Seelenlehre schon kennt. Gegen Platon und gegen materialistische Vorgänger gilt: Wahrnehmung ist Aufnahme der Form ohne den Stoff, nicht Abdruck eines Dinges in einem anderen Ding.

Die Behauptung entfaltet sich an den Sinnen und am Schlaf. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten haben je ein Medium und ein Organ; der Gemeinsinn fasst zusammen, was kein Einzelsinn allein leistet, etwa Bewegung und Zahl. Erinnerung ist nicht dasselbe wie das Bewahren eines Eindrucks: sie sucht aktiv, ordnet zeitlich und braucht ein Bild, an dem sie entlanggeht. Schlaf ist die Fesselung der Wahrnehmung, nicht ihr Gegenteil als Leere; der Traum entsteht aus Restbewegungen der Sinne, die im Wachen unterdrückt waren. Deshalb ist Traumdeutung keine Offenbarung der Götter, sondern Lesen natürlicher Zeichen, die oft trügen. Jugend und Alter, Leben und Tod hängen an Wärme und Feuchtigkeit; das Herz ist für Aristoteles der Herd, die Lunge kühlt. Atmung erklärt er nicht als bloßen Stoffwechsel, sondern als Bewahrung der inneren Glut, ohne die Wahrnehmung und Bewegung erlöschen.

Unsicher wird die Sammlung, wo Physiologie und Seelenlehre ineinanderlaufen. Die letzten Stücke wirken wie Fortsetzungen eines Traktats, dessen Nähte sichtbar bleiben; Überarbeitungen sind spürbar. Aristoteles weiß, dass er die göttliche Traumsendung der Volksreligion nicht einfach ausstreichen kann, und schränkt sie ein, statt sie zu verspotten. Die Länge des Lebens erklärt er vergleichend an Pflanzen, Tieren und Menschen, ohne eine einheitliche Zahlengesetzlichkeit zu erzwingen. Gegenüber De anima fehlt hier die große Formel der Entelechie; dafür treten Organ, Medium und Lebenswärme in den Vordergrund. Die Schriften sind Vorlesung, dicht und oft spröde, und gerade darin das Gegenteil einer erbaulichen Psychologie: sie machen aus Schlafen, Erinnern und Sterben Naturvorgänge, die zur Seele gehören, weil die Seele das Leben dieses Körpers ist.

Einordnung

Neben De anima und der Metaphysik gehören die Parva naturalia zur Naturphilosophie des Lebendigen, nicht zur späteren Vermögenspsychologie. Die Scholastik las sie als Ergänzung der Seelenlehre; die Neuzeit griff meist nur auf das Buch über die Seele zurück und ließ die kleinen Schriften im Kommentarapparat. William David Ross hat 1955 die maßgebliche Ausgabe vorgelegt; Jochen Althoff und Ronald Polansky haben die Sammlung wieder als zusammenhängendes Forschungsfeld behandelt. Das Missverständnis liegt darin, hier nur biologisches Beiwerk zu sehen. Ohne Wahrnehmungstheorie bleibt die Erinnerung leer, ohne Atmungslehre der Tod ein bloßes Aufhören.

Geblieben ist die Verschiebung: Seele zeigt sich an dem, was der Körper tut, nicht an einem Innenraum hinter den Organen. Wer heute über Schlaf, Traum und Gedächtnis spricht, ohne den Organismus zu verlassen, spricht noch in dieser Nachbarschaft, auch wo er die Herzlehre verwirft. Die Reclam-Ausgabe hat den Vorlesungston bewahrt; er ist älter geworden und nicht erledigt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.