Parerga und Paralipomena
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Parerga und Paralipomena |
| Autor(en): | Arthur Schopenhauer |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1851 |
| Seitenanzahl: | 622 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3518282646 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783518282649 |
| Schlagwörter: | Lebensweisheit, Pessimismus, Abhandlung, Glück |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Parerga und Paralipomena. Kleine philosophische Schriften ist das 1851 im Berliner Verlag A. W. Hayn erschienene zweibändige Spätwerk von Arthur Schopenhauer. Der Titel nennt auf Griechisch Nebenarbeiten und Nachträge. Während das Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung lange wenig Leser fand, begründeten diese Essays den Ruhm noch zu Lebzeiten. Sie wenden sich an eine breite Leserschaft, in verständlichem, oft gefälligem Stil, und wollen unterhalten und belehren. Der erste Band steht in der Tradition antiker Glückslehren, der Aufklärung und der romanischen Moralistik; der zweite erläutert und ergänzt das pessimistische System. Die Angaben der Infobox beziehen sich auf den ersten Band in der Suhrkamp-Ausgabe.
Inhalt
Die Parerga des ersten Bandes enthalten sechs Abhandlungen: eine Skizze zur Lehre vom Idealen und Realen, Fragmente zur Geschichte der Philosophie, die scharfe Abrechnung Über die Universitäts-Philosophie, die Spekulation über die anscheinende Absichtlichkeit im Schicksal des Einzelnen, den Versuch über Geistersehn und die umfangreichen Aphorismen zur Lebensweisheit. Diese Aphorismen sind das Kernstück und wurden seit 1904 oft gesondert gedruckt. Schopenhauer betreibt Philosophie als Liebe zur Weisheit im alten Sinn: die Kunst, das Leben möglichst angenehm durchzuführen, eine Anweisung zu einem glücklichen Dasein. Von einem Metaphysiker, dem Dasein und Leben besser gar nicht wären, ist das unerwartet. Er löst den Widerspruch, indem er eine negative Glückslehre gibt, eine Vermeidung von Unglück, weil Glückseligkeit sich positiv nicht fassen lässt. Er tauft sie Eudämonologie.
Die Grundeinteilung der Aphorismen folgt drei Quellen des Unterschieds im Los der Menschen: was einer ist, was einer hat, was einer vorstellt. Was einer für sich selbst ist, was ihn in die Einsamkeit begleitet und niemand ihm geben oder nehmen kann, gilt als das Wesentlichere. Äußeren Besitz soll man nur mit Maß anstreben; soziale Anerkennung soll man nicht zum Sklaven fremder Meinungen machen. Es folgen dreiundfünfzig Lebensregeln und ein Kapitel über die Lebensalter. Schopenhauer schöpft aus Platon, Aristoteles, der Stoa, indischen Lehren und den Moralisten: Michel de Montaigne, La Rochefoucauld, Vauvenargues, Montesquieu, Nicolas Chamfort und vor allem Baltasar Gracián, dessen Handorakel er übersetzt hatte. Motto ist Chamforts Satz, das Glück sei sehr schwer in uns und unmöglich anderswo zu finden.
Die Paralipomena des zweiten Bandes umfassen einunddreißig Kapitel mit 396 Paragraphen. Die ersten vierzehn sind Nachträge zum Hauptwerk: Gegensatz von Ding an sich und Erscheinung, Ethik, Nichtigkeit des Daseins, Leiden der Welt, Bejahung und Verneinung des Willens zum Leben. Dann öffnet sich das Buch in die Breite: Religion, Gelehrsamkeit, Selbstdenken, Schriftstellerei und Stil, Lesen und Bücher, Sprache, Weiber, Lärm und Geräusch, Gleichnisse und einige Verse. Der Pessimismus bleibt ungemildert – die Welt ist die Hölle, die Menschen gequälte Seelen und Teufel darin –, und daneben steht der Rat, dem eigenen Dasein trotz aller Nichtigkeit die bestmögliche Gestalt zu geben. Das Buch ist essayistisch, subjektiv, oft ungerecht, namentlich im Kapitel über die Weiber, und von einer sprachlichen Eleganz, die den Fachleser und den Feierabendleser gleichermaßen hält.
Einordnung
Robert Zimmer hat die Parerga das Montaigne-Buch der deutschen Geistesgeschichte genannt: zwischen Philosophie und Literatur, provozierendem Subjektivismus und subtiler Sachanalyse. Sie haben Schopenhauer Leser gegeben, die das System der Wille-Schrift nicht durchstanden; Nietzsche, Wagner, das Fin de siècle und die Lebensphilosophie haben daraus gelebt, oft nur aus den Aphorismen. Die Universitätsphilosophie, die Schopenhauer verhöhnte, hat die Essayistik lange geringgeschätzt und das Hauptwerk höher gestellt. Beides gehört zusammen: Ohne den Willen als Ding an sich wären die Lebensregeln eine Klugheitslehre unter anderen; ohne die Lebensregeln wäre der Pessimismus unbewohnbar.
Neben Die Welt als Wille und Vorstellung und Kants Kritik der reinen Vernunft, der Schopenhauer das Ideale und Reale verdankt und der er die Universitätsphilosophie vorwirft, stehen die Parerga als das lesbarere zweite Hauptwerk. Wer nur die Aphorismen liest, verfehlt die Nachträge zum Leiden und zur Verneinung des Willens. Wer nur das System liest, verfehlt, dass Schopenhauer dem Unglück eine Technik abgewinnt, ohne es zu leugnen. Die Wirkung ist populär und philosophisch zugleich – und in den Sätzen über Frauen von einer Giftigkeit, die das übrige Buch nicht entschuldigt, nur erklärt als Teil derselben Abwehr des lebendigen Willens.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
