Orbis sensualium pictus

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Orbis sensualium pictus
Autor(en): Johann Amos Comenius
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Klinkhardt
Serie: Die bibliophilen Taschenbücher
Erscheinungsjahr: 1658
Seitenanzahl: 218 Seiten
Originaltitel: Orbis sensualium pictus
Originalsprache: lateinisch
ISBN-10: 3781553566
ISBN-13/

EAN-Code:

9783781553569
Schlagwörter: Bild, Unterricht, Latein, Welt
Sachgebiete: Sachbuch, Pädagogik
Rezensionen
Umschlag

Der Orbis sensualium pictus (Die sichtbare Welt) ist das 1658 in Nürnberg bei Michael Endter zweisprachig lateinisch-deutsch erschienene Schul- und Jugendbuch von Johann Amos Comenius. Ein Probeabdruck mit lateinischen Texten unter dem Titel Lucidarium war 1653 in Sárospatak vorausgegangen, wo Comenius als Lehrer tätig war. Auf 309 Seiten im kleinen Format beschreibt das Werk die Welt von Gott bis zu den Insekten: links die nummerierte Abbildung, rechts in zwei Spalten Latein und Landessprache. Die deutsche Bearbeitung geht auf Sigmund von Birken und den Pegnesischen Blumenorden zurück. Über zweihundert Jahre, in beinahe zwanzig Sprachen und rund zweihundert Auflagen, war der Orbis pictus das Bild der Schule in Europa. Johann Wolfgang von Goethe nannte ihn in Dichtung und Wahrheit das beste Kinderbuch, das bis dahin erschienen sei.

Inhalt

Das Buch ist gegen den toten Wortunterricht geschrieben. Comenius will, dass die Dinge den Sinnen begegnen, bevor die Namen sie tragen; Latein soll mit der Muttersprache und mit dem Bild zugleich gelernt werden, »bei etwas Aufmerksamkeit auf angenehme Weise«. Die Artikel folgen einem Kreis über den Kosmos: Gott und Welt, Himmel und Erde, die Elemente, Pflanzen und Tiere, dann der Mensch in Handwerk und Beruf, Künsten und Wissenschaften, Tugenden und Lastern, Spiel, Politik, Krieg, Religion und Strafe, bis zum Jüngsten Gericht. Der Beschluss wiederholt die Illustration der Einleitung; die Welt ist geschlossen und von Gott geordnet. Eine Anlauttabelle mit Tierlauten macht aus dem Abc schon ein Buch, das man hören kann, bevor man liest. Der Holzschneider Paul Kreutzberger hat die Bilder geschnitten; Comenius’ eigener Anteil an der Erfindung der Figuren bleibt unsicher.

Jeder Artikel ist klein und ganz: ein Ding, eine Tätigkeit, ein moralisches Verhältnis, in knappen Sätzen, die das Bild lesen lehren. Der Schuster, der Weinberg, der Krieg, die Schule, der Gottesdienst – die sichtbare Welt ist eine Gesellschaft, in der Arbeit, Stand und Frömmigkeit ihren Platz haben. Polyglotte Ausgaben folgten, schon 1666 lateinisch, deutsch, italienisch, französisch, 1685 mit Tschechisch und Ungarisch, Comenius’ näheren Sprachen. Spätere Drucke verzichteten auf Überarbeitung, weil Inhalt und Aufmachung zeitlos im Sinne einer von Gott gewollten Ordnung erschienen. Genau das hat das Buch im achtzehnten Jahrhundert zum Inbegriff des Schulbuchs gemacht, solange keine gleichwertige Alternative da war: Die Dessauer Philanthropen wollten die Mode absetzen und wussten nichts Besseres an die Stelle zu setzen; Johann Matthias Gesner liebte des Comenius Bücher, nicht weil sie die besten seien, sondern weil man keine besseren habe.

Unsicher ist der Orbis, wo die Ordnung der Stände und der Konfession als Natur auftritt. Die Welt, die das Kind sieht, ist die des siebzehnten Jahrhunderts: Handwerke, Strafen, Türkenkrieg, ein Kosmos mit Himmel und Hölle. Die pädagogische Genialität – Bild, Zweisprachigkeit, Kreis der Dinge – trägt eine Theologie, die nicht mitlernt, wenn die Naturforschung die Sphären verschiebt. Comenius selbst hat in der Didactica magna den Unterricht als Weg zur Verbesserung der menschlichen Dinge gedacht; der Orbis ist das anschauliche Stück davon, nicht das ganze Reformwerk. Wer nur die Holzschnitte als Vorläufer des Bildlexikons bewundert, verfehlt die lateinische Spalte, die das Buch zur Fibel macht. Wer nur die Fibel sieht, verfehlt den Kreis, der bei Gott beginnt und bei Gott endet.

Einordnung

Der Orbis sensualium pictus ist das einflussreichste Schulbuch des barocken Europa und ein Vorläufer des modernen Bildlexikons, ohne schon dessen alphabetische Kälte zu haben. Er hat den Wortschatz des Deutschen mitgeprägt, wo Birken übersetzte, und den Lateinunterricht an die Anschauung gebunden, die Comenius in der pansophischen Hoffnung auf eine verbesserte Welt für unverzichtbar hielt. Bis in die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts blieb er in Schulen. Danach wurde er antiquarisch, pädagogisch zitiert und als Faksimile wieder gelesen.

Die Nachbarschaft sind die große Didaktik desselben Autors, die Realienbücher der Aufklärung und später Fibel und Sachunterricht, die das Bild behielten und den Kosmos aufgaben. Wer Comenius nur als Kindervater der Anschauung feiert, übersieht den theologischen Ring. Wer ihn nur als Konfessionsmann liest, übersieht, dass ein mährischer Exulant in Nürnberg ein Buch hinlegte, das Katholiken und Protestanten, Tschechen und Deutsche benutzen konnten, weil die sichtbare Welt gemeinsam schien. Geblieben ist die Idee, dass Lernen beginnt, wo Ding, Bild und Wort zusammenfallen – eine Idee, die jede neue Technik des Unterrichts neu behauptet und selten so schlicht ausgeführt hat.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.