Nichts ist, wie es scheint

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Daten zum Buch
Deutscher Titel: Nichts ist, wie es scheint
Autor(en): Michael Butter
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie: edition suhrkamp
Erscheinungsjahr: 2018
Seitenanzahl: 270 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3518073605
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518073605
Schlagwörter: Verschwörung, Öffentlichkeit, Stigma, Internet
Sachgebiete: Sachbuch, Politik
Rezensionen
Umschlag

Nichts ist, wie es scheint. Über Verschwörungstheorien ist die 2018 bei Suhrkamp erschienene Studie von Michael Butter. Der Tübinger Amerikanist erläutert, wie solche Erzählungen funktionieren, woher sie kommen und welche Folgen sie haben. Verschwörungstheorien seien als Wissensanspruch falsch, als Symptom einer zersplitterten Öffentlichkeit aber ernst zu nehmen. Das Buch wurde rasch zur deutschsprachigen Referenz der Debatte; Eva Marlene Hausteiner lobte begriffliche Schärfe und Fallstudien, andere haben die enge Definition angegriffen.

Inhalt

Butter schreibt gegen zwei Gewohnheiten: gegen die Panik, das Netz sei von Wahn überflutet, und gegen die Nachsicht, jede abweichende Deutung sei schon eine Verschwörungstheorie. Er stützt sich auf Michael Barkuns Merkmale: nichts geschieht durch Zufall, nichts ist, wie es scheint, alles hängt zusammen. Dazu tritt ein manichäisches Schema von Gut und Böse und die Leitfrage, wem eine Tat nützt. Butter unterscheidet Theorien von oben und unten, von innen und außen, ferner begrenzte Theorien der Verschwörung – überschaubarer Täterkreis, begrenzte Zeit, Beispiel Watergate – von allumfassenden Verschwörungstheorien, deren Kreis der Verantwortlichen nicht zu schließen ist. Reale, nachgewiesene Absprachen bleiben möglich; die Verschwörungstheorie im engen Sinn sei dennoch immer falsch, weil sie Zufall, Komplexität und unbeabsichtigte Folgen nicht duldet.

Die Behauptung wird an Verfahren, Motiven und Geschichte entfaltet. Verschwörungstheoretiker simulieren Seriosität durch Fußnoten, Zahlen und den Gestus der Entlarvung; Geld sei ein häufiges Motiv der Verbreitung. Menschen glauben, so Butter, aus Unterlegenheitsgefühl, Gruppenbindung und dem Wunsch nach Identität; zugrunde liege oft ein traditionelles Weltbild, das die moderne Welt als Werk einzelner Willen liest. Fallstudien gelten Eva Herman, Donald Trump und den Wissenschaftlichkeitssimulationen Daniele Gansers. Historisch waren Verschwörungstheorien bis in die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts legitimes Wissen der Eliten: Abraham Lincoln unterstellte eine Verschwörung der Sklavenhalter, Präsidenten der Vereinigten Staaten dachten konspirativ, ohne stigmatisiert zu werden. Erst danach wanderten solche Deutungen in die Randkultur; das Internet mache sie wieder sichtbar, ohne dass die Anhängerschaft die alte offizielle Breite erreichte. Dagegen empfiehlt Butter historische Bildung, Medienkunde und gesellschaftliche Urteilskraft.

Unsicher wird das Buch, wo die Definition die Probe auf die Wirklichkeit nicht aushält. Andreas Anton und Alan Schink haben eingewandt, wenn Verschwörungstheorien immer falsch seien, werde die Aussage tautologisch; Butter selbst räumt ein, Ereignistheorien könnten sich manchmal als wahr erweisen. Hausteiner findet die Machtskepsis zu eng geführt und die Nähe zum Populismus funktional behauptet, nicht empirisch zwingend; Bildung schütze nicht vor Feindbildern, weil solche Theorien auch eine Gefühlslage seien. Butter warnt vor Verschwörungspanik: die Uneinigkeit über das Funktionieren der Gesellschaft unter Menschen, die nicht an Strippenzieher glauben, gefährde die Demokratie am Ende stärker. Der Ton ist der einer klaren Einführung: Typen, Beispiele, der Gestus der Unterscheidung. Die Grenze des Werks ist die jeder Wesensbestimmung: sie schärft den Blick und gerät in Widerspruch, sobald Geschichte eine angebliche Verschwörung bestätigt.

Einordnung

Die Studie revidiert teilweise Richard Hofstadters Deutung des konspirativen Glaubens als Pathologie und fasst ihn als stigmatisiertes Wissen. Nachbarschaft hat sie zur politischen Kulturgeschichte der Vereinigten Staaten und zur deutschen Gegenwart nach 2015, nicht zur Ideologiekritik der älteren Kritischen Theorie. Helmut Mayer schätzte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Unterscheidung zwischen Elitenkritik und Strippenzieherfantasie; Tobias Haberkorn in der Zeit die Warnung vor Panik. Philipp Schnee fand den Gedankengang stellenweise wie einen ersten Entwurf.

Geblieben ist die Probe, ob man gefährliche von ungefährlichen Theorien trennen kann, ohne jede Abweichung zu pathologisieren. Wer nach 2018 über öffentliche Vernunft, Netzöffentlichkeit und den Glauben an heimliche Lenker spricht, spricht hinter diesem Band oder gegen ihn. Die Suhrkamp-Ausgabe hat den nüchternen Lehrton bewahrt; er ist eine Hilfe zur Unterscheidung, kein Beruhigungsmittel.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.