Nachtzug nach Lissabon
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Nachtzug nach Lissabon |
| Autor(en): | Peter Bieri |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | btb |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2004 |
| Seitenanzahl: | 496 Seiten |
| Originaltitel: | Nachtzug nach Lissabon |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3442734363 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783442734368 |
| Schlagwörter: | Lissabon, Lehrer, Leben, Portugal |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Nachtzug nach Lissabon ist der 2004 bei Hanser erschienene Roman von Peter Bieri, den er unter dem Namen Pascal Mercier veröffentlichte. Ein Berner Altphilologe bricht den Unterricht ab, fährt nach Lissabon und sucht den Spuren eines toten Arztes, dessen Buch ihn mit der Frage trifft, was aus dem ungelebten Rest eines Lebens wird. Bieri, Philosoph und Verfasser von Arbeiten über die Freiheit des Willens, hat hier die Form des Bildungsromans mit der eines Bewusstseinskrimis verbunden. Der Band wurde in Dutzende Sprachen übersetzt und zählt zu den meistgelesenen deutschsprachigen Romanen der zweitausender Jahre.
Inhalt
Raimund Gregorius, siebenundfünfzig, seit dreiunddreißig Jahren Lehrer für Latein, Griechisch und Hebräisch am Gymnasium Kirchenfeld in Bern, begegnet auf der Kirchenfeldbrücke einer Portugiesin, die im Regen einen Brief zerreißt. Er nimmt sie mit in den Unterricht; sie geht vor Stundenende. In der Pause verlässt auch er die Schule und findet in einem Antiquariat das schmale Buch Um ourives das palavras – Ein Goldschmied der Worte – von Amadeu Inácio de Almeida Prado, 1975 in Lissabon erschienen. Der Buchhändler übersetzt ihm Sätze, darunter die Frage, was mit dem Teil von uns geschieht, den wir nicht leben. Gregorius kündigt brieflich, zitiert Mark Aurel und fährt über Paris und Irún mit dem Nachtzug nach Lissabon.
Prado ist seit mehr als dreißig Jahren tot, gestorben an einem Aneurysma. Gregorius lässt sich von der Augenärztin Mariana Eça eine neue Brille anpassen und sucht ihren Onkel João, der unter der Salazar-Diktatur gefoltert wurde und mit Prado im Widerstand war. Er spricht mit Prados Schwestern, darunter der ihn vergötternden Adriana, der Prado einst durch einen Schnitt in den Hals das Leben rettete; mit dem alten Lehrer; mit dem Freund Jorge O'Kelly; später mit Estefânia Espinhosa, die Prado liebte und nach Spanien in Sicherheit brachte. Prado hatte auf Wunsch des strengen Vaters, eines Richters, Medizin studiert, den berüchtigten Geheimdienstmann Mendes nach einem Attentat gerettet und darüber die Freunde verloren. Zwischen den Gesprächen liest Gregorius Prados Aufzeichnungen, ein zweites Buch im Buch.
Nach zwei Wochen erfasst ihn Panik; er fliegt nach Bern, schleicht nachts in die Schule, geht am Haus der geschiedenen Frau Florence vorbei und merkt, dass er am falschen Ort ist. Zurück in Lissabon werden die Schwindelanfälle stärker. Er fährt noch nach Finisterre, wo Prado sich von Estefânia trennte, besucht sie in Salamanca und spielt mit dem Gedanken, dort zu bleiben. Dann kehrt er nach Bern zurück, fotografiert die Stadt, erkennt sich auf den Bildern nicht und lässt sich von seinem Freund, dem Arzt Doxiades, in eine Klinik bringen. Ob die Untersuchung etwas findet, das ihn sich verlieren lässt, bleibt offen. Geändert hat sich der Blick: Gregorius hat fünf Wochen lang ein anderes Leben abgehorcht und weiß nun, dass auch das eigene aus ungelebten Möglichkeiten besteht.
Einordnung
Bieri hat dem Roman die Geduld des Philosophen gegeben: lange Zitate, Schachpartien, Brillen, die die Welt schärfer machen, ohne sie zu erklären. Die Kritik nannte das Buch einen Bewusstseinskrimi; Otto A. Böhmer sprach in der Zeit von einer Zugreise nach innen. Prado ist eine Erfindung, die Bieri selbst ähnelt – Arzt und Moralist, der Sätze schleift, bis sie tragen. Der Salazar-Staat ist nicht Kulisse, sondern der Grund, auf dem Freundschaft, Verrat und der gerettete Mörder denselben Mann zerlegen. Gegen den Reise- und Sinnungsroman der Jahre nach 2000 hält Nachtzug nach Lissabon an der alten Frage fest, ob man ein Leben nachträglich anders führen kann.
Bille August verfilmte den Stoff 2013 mit Jeremy Irons als Gregorius, Bruno Ganz, Martina Gedeck und Christopher Lee; die Berlinale zeigte die Premiere. Der Film verdichtet Wege und Gesichter, kürzt aber die Prosa, in der das Denken die eigentliche Handlung ist. Wer nur die Fahrt nach Lissabon erwartet, verfehlt den Lehrer, der in Bern stehenbleibt und trotzdem aufbricht. Der Roman bleibt das Buch, in dem ein Philologe lernt, dass Grammatik nicht vor der Angst schützt, unvollständig gewesen zu sein.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
