Mythos Weimar

Peter Merseburger · 1998 · Sachbuch, Geschichte


Das Werk
Deutscher Titel: Mythos Weimar
Autor(en): Peter Merseburger


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1998
Schlagwörter: Weimar, Geist, Macht, Buchenwald
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Pantheon


Umfang dieser Ausgabe: 450 Seiten
ISBN: 9783423307871
Verweise


Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht ist die 1998 bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschienene Kulturgeschichte Weimars von Peter Merseburger. Sie kam vor dem Hintergrund heraus, dass Weimar 1999 Kulturstadt Europas wurde, und lässt hundertfünfzig Jahre Revue passieren. Im Kern geht es um die Inszenierung Weimars als Nationalsymbol, um den Geist von Weimar, der ein Leitwort der Weimarer Demokratie war. Klaus Harpprecht nannte den Band in der Zeit einen großen Wurf: in der Nuss eine deutsche Geschichte, am Beispiel Weimars vorgeführt. Die späteren Ausgaben, darunter Pantheon 2013, haben das Buch zum oft aufgelegten Standard der Stadtgeschichte gemacht.

Inhalt

Merseburger schreibt gegen die glatte Verehrung und gegen die glatte Verdammung. Weimar ist ihm ein zwiespältiger Ort, wie es ihn so nur selten gibt: Glanz der Kulturepochen und Schande, für die Buchenwald steht. Die Klassik, Goethe und Schiller, Anna Amalia und Carl August, das Ereignis Weimar-Jena um 1800 liefern den Stoff der Erhöhung. Daraus wird im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert ein Nationalsymbol, das man beschwören kann, wenn die Politik versagt oder siegen will. Der Geist von Weimar sollte die Republik von 1919 tragen; derselbe Ort lag wenige Kilometer vom Lager Buchenwald. Die Kulturstadt von 1999 erbt beide Bilder und muss sie aushalten.

Die Behauptung entfaltet sich als Gang durch Epochen, nicht als Lexikon der Häuser. Höhen und Tiefen der Stadt sind Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte: Hof und Theater, Nationalversammlung, das Dritte Reich, die DDR, die Erinnerung nach 1989. Merseburger, der auch den Film Der Geist von Weimar vorlegte, erzählt journalistisch genau und ohne den Ton der Festschrift. Annette Seemann hat in ihrer Kulturgeschichte von 2012 oft auf dieses Werk zurückgegriffen; das sagt mehr über den Rang als jede Anzeige. Georg Schmidt hat die Welt von Weimar-Jena um 1800 seither dichter beschrieben; Merseburgers Stärke bleibt die lange Linie bis zur Gegenwart der neunziger Jahre.

Unsicher wird das Buch, wo die Formel Geist und Macht die Widersprüche glättet, die sie benennt. Gegner einer erzählenden Kulturgeschichte haben die Zuspitzung auf das Nationalsymbol für zu glatt gehalten; Freunde haben gerade darin den Wurf gesehen. Merseburger weiß, dass er populär schreibt, und beharrt darauf, dass Weimar ohne Buchenwald eine Lüge wäre. Der Ton ist der des politischen Journalisten, der Literatur und Macht zusammen denkt, näher an der Reportage als an der Archivmonographie. Die Grenze, die er zieht – keine Klassik ohne das Lager, kein Mythos ohne seine Nutznießer –, ist eine moralische Topographie, keine Stadtsoziologie.

Einordnung

Als populäre Kulturgeschichte hat Mythos Weimar ein Publikum erreicht, das Festspiel und Gedenkstätte besucht und den Zusammenhang will. Nachbarschaft hat der Band zu Hellmut Seemanns Jahrbüchern der Klassikstiftung und zu späteren Gesamtdarstellungen, die Merseburger voraussetzen. Die Ernennung zur Kulturstadt gab dem Buch seinen Anlass; überlebt hat es den Anlass, weil der Zwiespalt der Stadt nicht mit 1999 endete. Harpprechts Satz, hier sei im Kleinen eine deutsche Geschichte vorgeführt, ist das freundlichste Etikett und die genaueste Warnung: Die Klassik steht in diesem Buch nicht ohne das Lager.

Geblieben ist die Weigerung, Weimar in eine heile Klassik und ein fernes Verbrechen zu teilen. Wer nach 1998 über den Geist von Weimar, über Nationalsymbol und Erinnerung spricht, spricht hinter diesem Band. Die DVA-Erstausgabe und die späteren Taschenbücher haben denselben Text durch die Jahre der Klassikstiftung getragen; die Forschung hat ergänzt, nicht ersetzt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.