Mutmassungen über Jakob
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Mutmassungen über Jakob |
| Autor(en): | Uwe Johnson |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1959 |
| Seitenanzahl: | 308 Seiten |
| Originaltitel: | Mutmassungen über Jakob |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3518118188 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783518118184 |
| Schlagwörter: | Teilung, Eisenbahn, Staatssicherheit, Stimmen |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Mutmassungen über Jakob ist der 1959 bei Suhrkamp erschienene erste veröffentlichte Roman von Uwe Johnson. Im Juni desselben Jahres siedelte Johnson aus der DDR nach West-Berlin über; er wusste, dass das Buch im Osten nicht erscheinen konnte. Es spürt dem Tod des Eisenbahndispatchers Jakob Abs nach, der im Nebel quer über die Gleise geht und von einer Lokomotive erfasst wird. Ob Unfall, Selbstmord oder Mord, bleibt offen. Die Schreibung ohne ß ist die des Autors. Johnson hat die deutsche Teilung nicht als Thema neben der Geschichte behandelt, sondern als die Form, in der Menschen einander verlieren. 1960 erhielt er den Fontane-Preis.
Inhalt
Jakob Abs, 1928 in Hinterpommern geboren, ist 1945 mit der Mutter nach Jerichow an der mecklenburgischen Küste geflohen. Dort nehmen sie der Tischler Heinrich Cresspahl und dessen Tochter Gesine auf. Gesine geht 1953 in den Westen, nach dem Aufstand, und arbeitet später als Dolmetscherin, unter anderem für Stellen der NATO. Im Herbst 1956, zwischen Sueskrise und ungarischem Aufstand, verlässt auch Jakobs Mutter nach einem Verhör durch den Staatssicherheitshauptmann Rohlfs die DDR. Rohlfs lädt Jakob vor: Er soll Gesine für den Dienst gewinnen. Als Gesine illegal zu Jakob kommt und beide nach Jerichow fahren, stellt Rohlfs sie und hält Grundsatzreden über den Sozialismus. Er lässt ihnen, auf die Kraft seiner Argumente vertrauend, die Entscheidung.
In Jerichow ist Jonas Blach, wissenschaftlicher Assistent für Anglistik, der Gesine in Berlin kennen- und lieben gelernt hat, obwohl sie Jakob meint. Blach hat in Berlin über demokratische Reformen gesprochen und will einen Aufsatz ins Ausland bringen. Gesine fährt zurück. Jakob reist mit Rohlfs’ Billigung in den Westen, sieht die Mutter im Lager, sieht Gesine, die den NATO-Posten aufgegeben hat, und kehrt nach einer Woche zurück, enttäuscht vom Westen und durch die britische Besetzung des Suezkanals in seinem Bild vom Kapitalismus bestätigt. Am Tag der Rückkehr, auf dem Weg zum Stellwerk, tötet ihn die Rangierlok. Rohlfs lässt Blach wegen Hetze festnehmen; Gesine erhält freies Geleit und spricht mit Rohlfs in Berlin nach.
Der Roman montiert Dialoge, innere Monologe und auktoriale Sätze, ohne die Sprecher immer zu nennen. Drei große Gespräche tragen die Rekonstruktion: Jonas mit dem Arbeitskollegen Jöche, Gesine mit Jonas, Rohlfs mit Gesine. Englisch, Russisch und mecklenburgisches Platt stehen unübersetzt. Klar sind die Abläufe im Stellwerk; unklar bleibt, was Jakob dachte, als er die Gleise betrat. Der Satz, er sei immer quer über die Gleise gegangen, erklärt nichts und alles. Die Stimmen mutmaßen, weil niemand die Instanz hat, die in einem ungeteilten Land der Erzähler wäre.
Einordnung
Johnson hat mit diesem Buch die Sprache gefunden, in der sich die Teilung erzählen lässt, ohne dass eine Seite das letzte Wort bekommt. Die westdeutsche Kritik machte ihn zum Dichter der beiden Deutschland; die DDR warf ihm Undogmatik und schlechtes Deutsch vor. Beides trifft die Form: Parataxe, harte Schnitte, die Weigerung, Jakob von innen zu schließen. Hans Magnus Enzensberger hat den Leser mit dem Detektiv des epischen Theaters verglichen, der die Brocken selbst zusammensetzen muss. Spätere Stimmen haben Dunkelheit und vermeintliche Westkritik getadelt; Neuausgaben nach 2017 haben das Debüt wieder als Offenbarung gelesen, als stünde darin bereits, was man über jene Jahre wissen muss.
Gesine Cresspahl wird die Stimme der späteren Jahrestage; Jakob bleibt der Tote, über den man spricht. Das Buch gehört neben Günter Grass’ Die Blechtrommel zu den Gründungstexten der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, ist aber kälter und technischer: das Stellwerk statt der Trommel, die Behörde statt der Groteske. Wer Johnson für einen Chronisten der DDR hält, verfehlt, dass der Westen hier keine Rettung ist. Jakob geht zurück, und die Lok ist kein Symbol, sie ist eine Lok im Nebel. Die edition suhrkamp hält den Text in der Schreibung des Autors; die Rostocker Ausgabe hat den Kommentar nachgeliefert, den der Roman selbst verweigert.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
