Memoiren des Auges

Gisèle Freund · 1977 · Sachbuch, Kunstgeschichte


Das Werk
Deutscher Titel: Memoiren des Auges
Autor(en): Gisèle Freund
Originaltitel: Mémoires de l'œil
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1977
Schlagwörter: Fotografie, Exil, Porträt, Medium
Sachgebiete: Sachbuch, Kunstgeschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: S. Fischer


Umfang dieser Ausgabe: 137 Seiten
ISBN: 9783100233011
Verweise


Memoiren des Auges (französisch Mémoires de l'œil) ist das 1977 bei den Éditions du Seuil und im selben Jahr bei S. Fischer erschienene Selbstzeugnis von Gisèle Freund, übersetzt von Rudolf Kimmig. Freund verbindet Exilgeschichte, Künstlerporträts und die Analyse der Fotografie als gesellschaftliches Medium. Der schmale Band ist Bild und Erinnerung in einem; das theoretische Hauptwerk Photographie und Gesellschaft bleibt der Nachbar, in dem derselbe Blick zur Soziologie ausgezogen ist.

Inhalt

Freund erzählt nicht vom Aufstieg, sondern vom Auge, das lernen musste, wo es nicht mehr zu Hause war. 1908 in Berlin geboren, Soziologie in Frankfurt, die Dissertation über die Photographie im Frankreich des neunzehnten Jahrhunderts, 1933 die Flucht, Paris, Adrienne Monnier, die Gesichter der Emigration und der französischen Literatur. Joyce, Woolf, Benjamin, Malraux: die Farbporträts, für die Freund berühmt wurde, sind in diesem Buch keine Galerie des Ruhms, sondern Dokumente einer Epoche, die ihre Zeugen verlor. Das Porträt rettet, indem es festhält; es verrät, indem es öffentlich macht. Freund kennt beides.

Der Band ist Werkstatt und Zeitgeschichte. Freund schreibt über Technik, über Farbe gegen Schwarzweiß, über den Auftrag, über die Freundschaft, die das Atelier zur Gasse der Namen machte. Gegen Bourke-Whites Industrie setzt sie das Gesicht; gegen Langes Krise die europäische Vertreibung. Die Fotografie erscheint als gesellschaftliches Medium, nicht als Kunst im engen Sinn: Wer abbildet, nimmt an der Öffentlichkeit teil, die den Abgebildeten trägt oder preisgibt. Photographie und Gesellschaft, aus der Dissertation gewachsen, deutsch zuerst 1968, später bei Rowohlt, bleibt hier ungenannt im Verfahren. Die Memoiren zeigen am einzelnen Leben, was die Studie am Medium zeigt.

Unsicher wird das Buch, wo die berühmten Köpfe die namenlose Emigration überstrahlen und wo die Erinnerung die Härte der Theorie mildert. Es ist schmal, schön, parteilich für das Porträt. Kritik hat die Nähe zur literarischen Welt genannt, als wäre Gesellschaft nur, was in der Rue de l’Odéon verkehrte. Freund hat diese Welt fotografiert, weil sie ihre war; sie hat sie nicht für die einzige ausgegeben. Wer nur die Ikonen will, hat das Exil nicht gelesen, das die Ikonen erst zusammenbrachte. Wer nur Soziologie will, unterschlägt, dass dasselbe Auge die Theorie geschrieben hat.

Einordnung

1977 ist das Buch das lesbare Selbstzeugnis der Fotografin, die in der Bookpedia Theorie und Porträt zusammenhält. Es steht neben Barthes’ Die helle Kammer, die das Photo zur Wunde macht, und neben Sontags Über Fotografie, die die Aneignung anklagt; Freund bleibt historischer, näher an der Gesellschaft, die das Bild braucht. In Gegenbilder ist es der Band, in dem Exil und Medium denselben Satz ergeben. Nachbarschaft hat es zu Penroses Miller und zu Schabers Taro, die denselben Kontinent der Vertreibung von anderen Kriegen her erzählen. Wer nach Freund über Fotografie spricht, ohne die Gesellschaft zu nennen, die sie abbildet, hat das Auge übersprungen, das sie memoirierte.

Essays

Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.

Gegenbilder (Lesepfad)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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