Mein Name sei Gantenbein
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Mein Name sei Gantenbein |
| Autor(en): | Max Frisch |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1964 |
| Seitenanzahl: | 287 Seiten |
| Originaltitel: | Mein Name sei Gantenbein |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3518462369 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783518462362 |
| Schlagwörter: | Identität, Erzählung, Ehe, Möglichkeit |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Mein Name sei Gantenbein ist der 1964 bei Suhrkamp erschienene Roman von Max Frisch, neben Stiller und Homo faber sein erzählerisches Hauptwerk. Ein Mann hat eine Erfahrung gemacht und sucht nun die Geschichte dazu; er probiert Geschichten an wie Kleider. Jedes Ich, das sich ausspricht, ist eine Rolle, und jeder Mensch erfindet sich die Biographie, die er für sein Leben hält. Frisch schrieb drei Jahre, strich eine erste Fassung namens Lila oder Ich bin blind und stellte den Text ins Präsens, damit Varianten möglich bleiben. Innerhalb weniger Monate waren hunderttausend Exemplare verkauft.
Inhalt
Der Erzähler sitzt, von der Frau verlassen, in einer leeren Wohnung mit abgedeckten Möbeln. Er erfindet den Milchmann, dem keine neue Identität mehr einfällt, und den Pechvogel, der den Lotteriegewinn lieber verliert, als das Selbstbild zu ändern. Dann erfindet er Theo Gantenbein, der nach einem Autounfall zu erblinden droht, beim Abnehmen des Verbands aber sieht und fortan den Blinden spielt. Mit Stock und dunkler Brille muss er die Welt nicht so nehmen, wie sie ist. Niemand fürchtet sein Urteil, sein Ansehen wächst. Der blinde Gantenbein läuft Camilla Huber vor den Wagen, muss sie nicht als Prostituierte erkennen und besucht sie als Maniküre. Er erzählt ihr von dem Mann, der die eigene Todesanzeige erhält und seiner Beerdigung beiwohnt, und das Märchen von Ali und der blinden Alil. Camilla merkt, dass er sieht, und schweigt, wenn er über sie schweigt. Ein Zahnarzt will sie heiraten; am Vortag der Hochzeit wird sie ermordet. Gantenbein hat den Angeklagten zur Tatzeit gesehen, gibt ihm vor Gericht aber kein Alibi, um die Rolle nicht zu verlieren.
Der Erzähler erfindet außerdem Felix Enderlin, der einen Ruf nach Harvard erhält, sich für todkrank hält und Wiederholung fürchtet, und den Böhmen Frantisek Svoboda, dessen Frau Lila eine Affäre mit Enderlin beginnt. Die drei Männer kreuzen sich in der Liebe zur Schauspielerin Lila. Mit Gantenbein lebt sie wie Philemon und Baucis: Er muss die Untreue nicht sehen, sie muss sich nicht verstellen. Die Zeichen häufen sich dennoch – ein junger Mann aus Uruguay, dänische Briefe, eine Schublade mit seinen eigenen Briefen. Gantenbein sperrt einen Schauspielschüler, den er für den Nebenbuhler hält, im Schlafzimmer ein; Lila will nicht mehr mit einem Verrückten leben. Eine Tochter könnte kommen, und der Zweifel, ob nicht ein Herr Siebenhagen der Vater sei. Als Gantenbein gesteht, dass er die Jahre über gesehen hat, fühlt Lila sich verraten und weist ihn ab.
Am Ende erzählt der Erzähler Camilla von einem Zürcher, der sterben wollte, ohne Namen und Geschichte zu hinterlassen, und beinahe namenlos in der Limmat davongetrieben wäre. Vor dem eigenen Tod wird der Erzähler gefragt, welche seiner Figuren er selbst gewesen sei. Er sitzt unter südlicher Spätsommersonne, und es kommt ihm vor, als sei alles nicht geschehen. Das Leben gefällt ihm. Eine durchlaufende Handlung gibt es nicht, nur einundneunzig Abschnitte, die einander assoziativ ablösen. Der Mensch, sagt Frisch, sei eine Summe von Möglichkeiten, die über die Biographie hinausgeht; erst die Varianten zeigten die Konstante.
Einordnung
Frisch hatte 1960 in dem Text »Unsere Gier nach Geschichten« geschrieben, man könne die Wahrheit nicht erzählen; alle Geschichten seien erfunden, wahr nur als Bilder. Gantenbein führt das Programm aus und durchbricht den Rahmen der Fiktion, indem der Erzähler zugibt, dass er Geschichten anprobiert. Die zeitgenössische Kritik war oft ablehnend: Heinrich Vormweg sah eine Sackgasse, Hans Mayer ein flaues Gefühl vor Alltagsklischees, Helmut Heißenbüttel eine unglückliche Lösung. Marcel Reich-Ranicki hielt dagegen ein Plädoyer und warnte davor, den Band mit den Maßstäben des Stiller zu messen. Günter Blöcker nannte ihn Frischs gelungenste erzählerische Arbeit.
Mit Abstand galt das Buch als Dreh- und Angelpunkt des deutschen Romans: Volker Hage sprach vom vertracktesten und faszinierendsten, das Frisch geschrieben habe, Jürgen H. Petersen vom Einfluss auf eine Literatur, die Fiktion statt Fakten erzählt und das Ich variiert. Eine geplante Verfilmung der Beerdigungsepisode scheiterte; 1992 kam Zürich – Transit nach Frischs Tod in die Kinos. Das Hörspiel von 1966 mit Robert Freitag hat, so eine spätere Würdigung, keine Patina angesetzt. Wer nach 1964 Identität als Rolle und Ehe als Probe erzählt, erzählt hinter diesem Roman oder gegen ihn.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
