Manas

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Manas
Autor(en):
Herausgeber: Wilhelm Radloff
Erscheinungsort:
Verlag: Volk und Welt
Serie:
Erscheinungsjahr: 1885
Seitenanzahl: 191 Seiten
Originaltitel: Манас
Originalsprache: kirgisisch
ISBN-10:
ISBN-13/

EAN-Code:

Schlagwörter: Held, Kirgisen, Epos, Steppenkrieg
Sachgebiete: Epos
Rezensionen


Manas ist das kirgisische Heldenepos vom Kampf des Batyr Manas und seiner Gefährten um Weide, Vieh und einen eigenen Staat. Es ist mündliche Dichtung, vorgetragen von Manastschis in melodischem Redegesang, oft zur Langhalslaute Komus, und eines der längsten Epen der Welt: in manchen Fassungen nahe an fünfhunderttausend Versen, ein Vielfaches von Odyssee und Ilias zusammen. Wilhelm Radloff hat Versionen verschiedener Sänger 1885 in den Proben der Volkslitteratur der türkischen Stämme bekannt gemacht; das Jahr bezeichnet keine Entstehung, sondern den Eintritt in den europäischen Druck. Eine lesbare deutsche Nacherzählung legte der Verlag Volk und Welt 1974 vor: Manas der Hochherzige, nach Semjon Lipkin, übersetzt von Leo Hornung, nachgedichtet von Erich Millstatt, hunderteinundneunzig Seiten, ohne ISBN, wie viele Ostberliner Bücher jener Jahre. Das Epos bleibt größer als jede Ausgabe.

Inhalt

Manas wird in den Fassungen zum Einiger der über Zentralasien verstreuten Kirgisen. Schon als Knabe schützt er das Volk vor kalmückischen Einfällen und bezwingt Alooke, den Khan der Kara-Kitai. Almambet, ein Prinz jener Gegner, verlässt seinen Herrn, nimmt den Islam an und wird Manas' Feldherr – die Figur der Grenze, des Überläufers, der treuer ist als mancher Verwandte. Vierzig Recken reiten mit. Manas heiratet die Prinzessin Kanikej, wird Khan und führt weitere Kriege um Weideland gegen Nachbarn, die geraubt haben oder rauben werden. Die Welt des Epos ist die der schriftlosen Reitergesellschaft: Ritual, Beute, Ehre, die große Versammlung, das Fest, bei dem Lämmer und Wege zählen. Die Datierung schwankt in der Forschung vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit; spätere Sänger haben spätere Kriege eingetragen.

Manas fällt durch Hinterhalt. Der weise Vetter Bakaj wird Lehrer des Sohnes Semetej. Das Epos geht weiter, über den Tod des Helden hinaus, in die Taten des Sohnes und des Enkels Seytek: eine Trilogie, nicht ein geschlossenes Buch. Immer neue Angriffe und Gegenangriffe, immer neues Vieh, immer dieselbe Frage, ob das Volk zusammenhält, wenn der eine Mann tot ist. Kanikej überlebt und listet; am Mausoleum von Talas, das man Manas zuschreibt, steht eine Inschrift auf eine Frau, Kenizek-Khatun – die Sage sagt, die Witwe habe Feinde irreführen wollen. Was die Sänger jeweils vortragen, sind Zehntausende von Versen, nicht das Ganze; das Ganze existiert als Tradition, nicht als ein Band, den man ausliest.

Die mündliche Überlieferung hat politische Herren gehabt. Unter russischer und sowjetischer Herrschaft half Manas zeitweise dem „weißen Zaren“, der Kampf gegen China wurde nach 1949 verschwiegen, das Epos als patriarchalisch getadelt. Nach 1991 wurde es wieder nationales Zeichen. In China und in Kirgisistan stehen Fassungen und Deutungen gegeneinander; beide Staaten haben Manas als immaterielles Kulturerbe der Unesco eintragen lassen, Kirgisistan 2013 als Trilogie mit Semetey und Seytek. Jusup Mamai, oft „lebender Homer“ genannt, hat im zwanzigsten Jahrhundert Teile zu einem noch offenen Werk gefügt. Wer eine einzige richtige Handlung sucht, sucht ein Buch, das es so nicht gibt.

Einordnung

Manas gehört neben den türkischen Oğuz-Stoffen, Dede Korkut und Köroğlu zu den großen Reiterepen Innerasiens. Die Vorstellungswelt ist der homerischen näher als der des höfischen Romans: Ruhm, List, Gastmahl, der Held, der das Volk sammelt und dessen Tod es nicht erlöst. Radloffs Aufzeichnung ist Ethnographie und Rettung; Lipkins Nacherzählung ist Popularisierung, farbig illustriert von Hans Baltzer, für Leser, die keine Manastschi hören. Eine vollständige deutsche Versübertragung des Kanons gibt es nicht. Walter Mays englische Gesamtversion von 1995 zum angeblichen tausendsten Geburtsjahr bleibt eine andere Sprache.

Das Epos ist Kulturerbe und Streitobjekt. Schulbücher in der Türkei haben es anatolisiert; kirgisische Feste in Talas zeigen Reiterspiele am vermuteten Grab. Wer nach ihm über Nation und Mündlichkeit in Zentralasien spricht, spricht hinter diesen Gesängen: hinter einem Helden, den jede Generation neu singt, und hinter der Einsicht, dass ein Volksepos kein Autorname ist. Die angegebene Ausgabe ist die ostdeutsche Nacherzählung von 1974; ISBN trug sie nicht.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.