Kind aller Völker
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Kind aller Völker |
| Autor(en): | Pramoedya Ananta Toer |
| Originaltitel: | Anak Semua Bangsa |
| Originalsprache: | indonesisch |
| Erstveröffentlichung: | 1980 |
| Schlagwörter: | Java, Kolonie, Presse, Buru |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Unionsverlag
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 400 Seiten |
| ISBN: | 9783293203125 |
| Verweise | |
Kind aller Völker ist der 1980 erschienene zweite Band des Buru-Quartetts von Pramoedya Ananta Toer, im Original Anak Semua Bangsa. Minke, der javanische Journalist, der im ersten Band Garten der Menschheit das Schreiben gelernt hat, gerät tiefer in die koloniale Gewalt: Nyai Ontosorohs Kampf um Land und Tochter, die Indo-Schicht, die Niederländer, die Presse, die den Eingeborenen das Wort nicht gönnt. Pramoedya hat die vier Romane mündlich im Lager Buru erzählt, nach 1965; dieser Band trägt den Titel, unter dem das Quartett im Deutschen oft erkannt wird. Die Übersetzung von Brigitte Slot erschien beim Unionsverlag.
Inhalt
Minke heiratet Annelies, die Tochter der Nyai und eines Niederländers; das koloniale Recht reißt die Frau nach Europa, weil eine Eingeborene kein Sorgerecht hat, das gegen das Blut des Vaters stünde. Annelies stirbt dort. Minke lernt, dass Bildung und Malaiisch-Zeitungen nicht schützen. Nyai Ontosoroh, die Konkubine, die ein Unternehmen führt, bleibt die stärkste Figur: Sie kennt die Herren und die Bücher. Um sie herum die Journalisten, die chinesischen Händler, die javanischen Prinzen, die schon verkauft haben.
Der Roman weitet sich zur Chronik der Jahrhundertwende in Surabaya und Batavia: Eisenbahn, Zucker, die ersten politischen Vereine, die Rassenstufen der Kolonie. Minke will alle Völker meinen und merkt, dass die Kolonie ihn auf eines festlegt. Pramoedya schreibt klar, fast lehrhaft, mit der Geduld des Lagenerzählers, der die Jüngeren unterrichten musste. Die Figuren halten Reden; die Reden sind die Waffe, die dem Gefangenen blieb.
Am Ende steht Minke offener, bitterer, noch nicht der Verbannte der späteren Bände. Kind aller Völker ist der Anspruch und die Ironie: Die Kolonie zählt Blut, nicht Zugehörigkeit. Wer nur den ersten Band kennt, hat die Heirat noch als Hoffnung; dieser zweite nimmt sie. Wer das Quartett als Nationalallegorie liest, unterschlägt Nyai. Das Lager Buru sitzt hinter jedem Satz, ohne genannt werden zu müssen.
Einordnung
Pramoedya hat Indonesien den kolonialen Bildungsroman gegeben, den die Diktatur verbieten ließ. Neben Rizals Noli me tangere steht das Quartett als die spätere, längere Probe derselben Lage: der Eingeborene, der schreibt, und das Recht, das ihn nicht meint. Wer nach 1980 über Java, Presse und Buru spricht, spricht hinter Minke. Die vier Bände gehören zusammen; Kind aller Völker ist das Gelenk, an dem die private Katastrophe politisch wird.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
