Justine
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Justine |
| Autor(en): | Marquis de Sade |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Insel Verlag |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1791 |
| Seitenanzahl: | 576 Seiten |
| Originaltitel: | Justine ou les Malheurs de la vertu |
| Originalsprache: | französisch |
| ISBN-10: | 3458360425 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783458360421 |
| Schlagwörter: | Tugend, Laster, Aufklärung, Gewalt |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Justine ist der 1791 erschienene Roman von Marquis de Sade, im Original Justine ou les Malheurs de la vertu. Sade hat den Text in der Bastille entworfen und in drei Fassungen erweitert; die mittlere, die tugendhafte Justine, ist die kanonische. Zwei Schwestern wählen nach dem Ruin des Vaters entgegengesetzte Wege: Juliette das Laster und den Erfolg, Justine die Tugend und das Unglück. Sade kehrt die moralische Erzählung des achtzehnten Jahrhunderts um: Die Natur belohnt die Grausamen, die Gute wird zuschanden. Das Buch ist ein philosophischer Skandal, kein erbaulicher Schauerroman.
Inhalt
Justine und Juliette, Töchter eines bankrotten Kaufmanns, stehen nach dem Tod der Mutter ohne Mittel da. Juliette geht ins Bordell, begeht Verbrechen und wird reich. Justine will sittsam bleiben und gerät von einer Station der Erniedrigung in die nächste. Ein Wucherer verlangt von ihr Diebstahl und liefert sie ans Gefängnis, als sie sich weigert. Mit der Verbrecherin Dubois bricht sie aus; die Komplizen strafen sie, weil sie nicht mittut. Der Marquis Bressac verlangt, sie solle seine Mutter vergiften; sie lehnt ab und wird gepeinigt, während er erbt. Wo Justine Mitleid übt, wird sie bestohlen oder verleumdet; wo sie Recht sucht, findet sie Richter, die selbst Täter sind.
In einem Kloster, in dem sie die Sakramente empfangen will, halten Mönche sie fest und predigen ihr in langen Reden die Nutzlosigkeit der Tugend. Ein Falschmünzer, den sie vor einer Tat bewahrt hat, zwingt sie zur Fron auf seinem Schloss. Eine Mutter klagt sie an, nachdem Justine bei einem Brand ein Kind nicht retten konnte. Jede Episode ist einer Tugend zugeordnet – Scham, Ehrlichkeit, Keuschheit, Frömmigkeit, Mildtätigkeit –, und jede Tugend wird bestraft. Die Täter steigen auf: der Chirurg wird Leibarzt, der Abt Ordensgeneral, Juliette Dame von Stand. Sade lässt sie Justine belehren, das Gute sei widernatürlich, das Recht des Stärkeren die einzige Moral.
Am Ende steht Justine wegen Mordes und Brandstiftung vor Gericht und trifft die Schwester wieder. Sie erzählt ihr Leben, als könne die Beichte noch retten, was die Welt nicht belohnt hat. Ein Gewitter zieht auf; der Blitz erschlägt die Tugendhafte. Die Natur, so der Schluss, löscht aus, was sich ihr widersetzt hat, und Juliette bleibt als Beweis, dass das Laster trägt. Die dritte Fassung, Die neue Justine von 1797, weitet die philosophischen Reden und die Grausamkeiten aus und wechselt in die Er-Form, weil die Ich-Stimme der Duldenden die Masse der Taten nicht mehr tragen konnte. Die Insel-Ausgabe folgt der mittleren Fassung, dem Roman aus dem Jahr 1791, der die Umwertung noch als Erzählung hält und nicht als Katalog.
Einordnung
Sade schreibt gegen Richardson und gegen die empfindsame Tugendgeschichte: Nicht die Unschuld siegt, sondern die Behauptung, Tugend sei eine kranke Abweichung von der Natur. Hinter den Episoden stehen Holbachs Materialismus und Voltaires Zweifel; dazwischen stehen Reden, die Macht, Lust und Vernichtung zu einem System fügen. Das Buch hat Sade die Freiheit gekostet und den Verleger Girouard unter die Guillotine gebracht. Es bleibt sperrig, weil es den Leser nicht bei der Empörung abholt, sondern bei der These, das Unglück der Guten beweise die Welt.
Spätere Lektüren – von Roland Barthes bis Pierre Klossowski – haben in Justine weniger Pornographie gesucht als eine Maschine aus Wiederholung und Diskurs. Verfilmungen, darunter Jess Francos Marquis de Sade: Justine, haben aus den Stationen Bilder gemacht und die Philosophie gekürzt. Wer Sade nur als Namen für Grausamkeit kennt, findet hier das Programm: die Umwertung, nicht die Katalognummer. Das Buch verlangt eine literarische Lektüre, die die Gewalt als Argument liest und sie nicht nachspielt. Die angegebene Ausgabe heißt vollständig Justine oder Die Leiden der Tugend.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
