Jenseits von Natur und Kultur

Philippe Descola · 2005 · Sachbuch, Anthropologie


Das Werk
Deutscher Titel: Jenseits von Natur und Kultur
Autor(en): Philippe Descola
Originaltitel: Par-delà nature et culture
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 2005
Schlagwörter: Ontologie, Animismus, Naturalismus, Achuar
Sachgebiete: Sachbuch, Anthropologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 638 Seiten
ISBN: 9783518585689
Verweise


Jenseits von Natur und Kultur erschien 2005, deutsch 2011 bei Suhrkamp. Philippe Descola behauptet, die Trennung von Natur und Kultur sei keine Weltbeschreibung, sondern eine Ontologie unter anderen: der Naturalismus des Westens, der den Dingen Innerlichkeit abspricht und den Menschen eine zuschreibt.

Inhalt

Descola ordnet vier Weisen, das Seiende zu schneiden. Der Naturalismus unterstellt gleiche Körpergesetze und ungleiche Innerlichkeiten: Menschen haben Geist, der Rest ist Mechanik oder Restwärme. Der Animismus kehrt das um: Innerlichkeit wird geteilt, die Körper differieren – so bei den Achuar, bei denen Descola lange gelebt hat, wo Tiere als Personen mit eigenen Häusern und Schwägern erscheinen. Der Totemismus gruppiert Menschen und Nichtmenschen nach gemeinsamen Eigenschaften. Der Analogismus verknüpft eine zersplitterte Welt durch Entsprechungen, wie in China oder in der europäischen Renaissance vor der modernen Spaltung. Keine dieser Ontologien ist die wahre; jede macht aus dem, was es gibt, eine bewohnbare Ordnung. Die Natur, die der Ethnologe draußen vermutet, ist selbst ein Produkt.

Das Buch ist vergleichende Anthropologie im großen Stil, mit Tafeln, die an Lévi-Strauss erinnern und ihn verschieben. Descola schreibt nicht gegen die Naturwissenschaften; er schreibt gegen die Selbstverständlichkeit, mit der sie zur Ontologie der Welt erklärt werden. Wer ihn nur als Gegner des Naturalismus liest, unterschlägt, dass er ihn als eine kohärente Weise ernst nimmt, Dinge zu behandeln – Labor, Recht, Tierschutz folgen aus diesem Schnitt. Die ontologische Wende der Ethnologie hat den Band zum Manifest gemacht, oft grober, als er gebaut ist: Descola klassifiziert, er predigt nicht die Gleichheit aller Kosmologien als Geschmackssache.

Die deutsche Ausgabe traf auf Seminare, die Bruno Latours Wir sind nie modern gewesen schon kannten und nun ein Raster wollten. Die Kritik nannte das zu starr, zu französisch-museal, zu wenig Geschichte und Konflikt. Wer nur die vier Ontologien auswendig lernt, unterschlägt das Feld bei den Achuar, ohne das das Raster leer wäre. Wer nur das Feld kennt, unterschlägt die Systematik, die 2005 die Disziplin umgeordnet hat.

Einordnung

Ohne dieses Buch bleibt Natur/Kultur die stille Voraussetzung der Ethnologie. Descola hat ihr ein Vokabular gegeben, das Umwelt-, Religions- und Wissenschaftsforschung seither teilen. Wer nach 2005 noch vom Wilden spricht, der die Natur nicht kennt, oder vom Westen, der sie allein besitzt, spricht hinter diesem Band.

Ideen

Anthropozän (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.