Jenseits von Gut und Böse (Schmidt-Salomon)

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Jenseits von Gut und Böse (Schmidt-Salomon)
Autor(en): Michael Schmidt-Salomon
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Pendo
Serie:
Erscheinungsjahr: 2009
Seitenanzahl: 320 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3866122128
ISBN-13/

EAN-Code:

9783866122123
Schlagwörter: Moral, Wille, Determinismus, Ethik
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind ist das 2009 bei Pendo erschienene Sachbuch des Philosophen und Publizisten Michael Schmidt-Salomon. Der Titel leiht sich Friedrich Nietzsches Jenseits von Gut und Böse und kehrt die Pointe ins Aufklärerische: nicht die Vornehmheit jenseits der Herde, sondern der Abschied von Schuld, Sühne und Strafe als angeblich objektiven Größen. Schmidt-Salomon erklärt den freien Willen und das Gut-Böse-Schema für schädliche Einbildungen, die er Sündenfall-Syndrom nennt. Das Buch ist ins Polnische übersetzt worden. Es zählt als streitbare Popularphilosophie, nicht als Fachmonographie der Willensdebatte.

Inhalt

Schmidt-Salomon schreibt gegen zwei Sätze, die er für die Erblast der christlichen Erzählung hält: dass gut und böse an sich existierten, und dass der Mensch als einziges Lebewesen einen freien Willen besitze. Beides illustriere die Geschichte vom Sündenfall, beides speise noch die politische Rede von der Achse des Bösen. Dagegen setzt er naturalistische Größen: Eigennutz und Hilfsbereitschaft, Verwandtschaftsnähe, Gegenseitigkeit, Ansehen in der Gruppe, Mitgefühl. Was die Weltreligionen Gut und Böse nennen, diene der Bindung nach innen und der Bekämpfung nach außen. Selbst die nationalsozialistischen Verbrechen seien von den Tätern als gut empfunden worden; die Zuschreibung hänge an der Gruppe, nicht an einem moralischen Himmel. Der erste Teil heißt deshalb Abschied: von Gut und Böse, vom freien Willen, von den falschen Folgerungen.

Die Belege holt er aus Verhaltensforschung, Hirnforschung und Psychologie. Handlungen, die unter Menschen als böse gelten, kommen unter Menschenaffen vor und gelten dort als natürlich. Das Libet-Experiment und klinische Fälle sollen zeigen, dass Entscheidungen im Gehirn laufen, bevor sie bewusst werden; Arthur Schopenhauers Satz, man könne tun, was man wolle, aber nicht wollen, was man wolle, wird zur Leitmünze. Freiheit soll fortan heißen: tun können, was man will – nicht in demselben Augenblick etwas anderes wollen können. Den zweiten Teil nennt er in Anlehnung an Milan Kundera die neue Leichtigkeit des Seins: ein entspanntes Ich, das sich weder für jedes Scheitern geißelt noch für jeden Erfolg überhebt; Beziehungen, die Kritik ertragen, weil Irrtum keine Schuld ist; eine Gesellschaft, deren Strafrecht schützen und wiedereingliedern statt rächen will. Die Menschheit sei kein Kampf der Kosmosmächte, sondern eine knappe Episode der Naturgeschichte.

Das Buch wird unsicher, wo aus der Bestreitung des freien Willens eine frohe Botschaft wird. Edgar Dahl fand die Darstellung unterhaltsam und vermisste die Auseinandersetzung mit der Fachdebatte. Klaus-Jürgen Bremm wandte ein, die Leugnung der Willensfreiheit könne als Aussage mit Wahrheitsanspruch nicht gelten, wenn sie selbst vollständig bestimmt sei; außerdem fehle ein Maß, sobald jeder absolute ethische Stab weggeworfen sei. Ulrich Leinhos-Heinke nannte die wissenschaftlichen Grundlagen zu dünn, die Religionskritik zu grob, den Rest einen Lebensratgeber. Schmidt-Salomon weiß, dass er zuspitzt, und setzt auf Verständlichkeit gegen die Schulphilosophie. Der Ton ist der des publizistischen Vortrags, heiter und belehrend, ohne Nietzsches Verdacht gegen die Gleichheit. Die Grenze, die er zieht – keine Schuldmetaphysik, wohl aber Menschenrechte –, ist eine humanistische Hoffnung, keine zwingende Folgerung aus der Hirnforschung.

Einordnung

Das Buch steht in der populären Willensdebatte der zweitausender Jahre, neben den Streitschriften der Hirnforscher und gegen die religiöse Moral, die Schmidt-Salomon als Sprecher des Humanistischen Verbandes bekämpft. Barbara Dobrick vom Deutschlandradio pries die Klarheit; die Fachkritik blieb kühler. Neben Nietzsches gleichnamigem Werk, das den Titel geliefert hat, ist dies die gegenteilige Nutzung: nicht Umwertung durch den Starken, sondern Gelassenheit durch den Determinismus. Die Nähe zum Lebensratgeber, die Gegner rügten, ist der Preis dieser Verständlichkeit.

Geblieben ist die Zumutung, Strafe ohne Sühne und Ethik ohne Jenseits zu denken. Wer nach 2009 über Willensfreiheit, Schuld und säkulare Moral spricht, stößt auf diesen Band, auch wenn er ihn für zu leicht hält. Die Pendo-Ausgabe hat den werbenden Atem bewahrt; er ist älter geworden und in der Strafdebatte nicht verstummt. Ob ohne Schuld die besseren Menschen entstehen, bleibt die Probe, die das Buch selbst nicht führen kann.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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