In seiner frühen Kindheit ein Garten
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | In seiner frühen Kindheit ein Garten |
| Autor(en): | Christoph Hein |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2005 |
| Seitenanzahl: | 270 Seiten |
| Originaltitel: | In seiner frühen Kindheit ein Garten |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 351845773X |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783518457733 |
| Schlagwörter: | Vater, Staatsgewalt, Trauer, Wahrheit |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
In seiner frühen Kindheit ein Garten ist der 2005 bei Suhrkamp erschienene Roman von Christoph Hein. Ein pensionierter Lehrer in Westdeutschland kämpft um die Wahrheit über den Tod des Sohnes, der als Mitglied der Roten Armee Fraktion bei einem Einsatz am Bahnhof Kleinen ums Leben kam; die Behörden sprechen von Selbstmord, Zeugen von einem gezielten Schuss. Hein greift den Fall Wolfgang Grams von 1993 auf, nennt den Toten Oliver Zurek und erzählt nicht den Terror, sondern die Eltern. Der Titel zitiert den Garten, in dem die Geschwister noch ungetrennt spielten, bevor der eine den Staat bekämpfte und die andere ihm diente.
Inhalt
Fünf Jahre nach dem Tod sitzen Richard Zurek und seine Frau Friederike vor den Nachrichten, ob noch etwas über Oliver kommt. Richard hat die Schulbücher durch Aktenordner ersetzt, schreibt Briefe an den ehemaligen Innenminister, geht nach Monaten zum ersten Mal wieder ins Dorflokal. Die Tochter Christin, Beamtin, hält den Bruder für einen Polizistenmörder, dem es so kommen musste; der jüngere Sohn Heiner spricht öffentlich von Widersprüchen. Unmittelbar nach dem Einsatz belagert die Presse das Haus, die Leiche bleibt für Obduktionen gesperrt, Gutachten widersprechen sich, ein Innenminister tritt zurück, ein Generalbundesanwalt geht. Freunde Olivers bringen den Anwalt Feuchtenberger; Richard will die »Revoluzzer« fernhalten und trotzdem eine zweite Untersuchung. Die Beerdigung findet spät und still statt, ein Unbekannter ruft am Grab nach Rache, Richard gibt sich die Schuld.
Das Verfahren wird eingestellt. Richard legt Beschwerde ein, liest die Bücher des Sohnes, besucht das Grab, findet Spruchbänder, die er entfernt. Eine Besuchserlaubnis für Olivers Gefährtin Katharina Blumenschläger bleibt aus; ein Brief aus der Zelle erreicht das Haus. Rückblendend liegt ein Wanderurlaub im Schwarzwald, kurz bevor die Fahndungsplakate Oliver zeigen; die Eltern fühlen sich beschattet. Hein ordnet die Kapitel symmetrisch: Anfang und Ende in der Gegenwart nach fünf Jahren, die Mitte in den Monaten nach dem Tod, ein Kapitel vor dem Tod in Algerien, wo Oliver mit Katharina war. Der Alltag kehrt zurück, der Fall nicht. Christin erinnert sich wider Willen an den Garten der Kindheit; Richard geht in den Gemeinderat, als wäre Ordnung noch möglich.
Am Schluss spricht Richard in der Aula seiner alten Schule vor wenigen Schülern und Lehrern, widerruft den Amtseid und stellt sich gegen den Staat, den er als Lehrer vertreten hat. Hein gibt ihm keine Enthüllung: Was in Kleinen geschah, bleibt strittig, die Akten bleiben unvollständig, der Vater bleibt ein Mann, der Wahrheit will, wo Macht Sprache setzt. Friederike hält den Haushalt und den Mann; sie ist nicht die stumme Gattin, sondern die, die den Garten noch kennt. Oliver selbst kommt fast nur in Briefen, Zeichnungen, fremden Sätzen vor. Der Roman ist der der Hinterbliebenen, die nicht Trauerarbeit leisten, sondern Akten lesen, weil Trauer ohne Tatsachen nicht enden will.
Einordnung
Hein, in der DDR als Autor von Der fremde Freund und den Geschichtsstücken bekannt, hat einen westdeutschen Stoff gewählt und die RAF nicht psychologisiert. Der Lehrer Zurek ist keine Identifikationsfigur der Linken und keine der Staatsräson; er ist ein Mann, der den Eid ernst genommen hat und merkt, dass die Behörde ihn nicht ebenso ernst nimmt, sobald der Tote der eigene Sohn ist. Vergleiche mit dem Tod von Wolfgang Grams in Bad Kleinen sind gewollt und begrenzt: Hein ändert Namen, rührt die Zweifel an, entscheidet den Schuss nicht. Die Kritik sprach von einem wichtigen Stück verdrängter Bundesgeschichte; andere fanden den Vater zu redlich, den Staat zu glatt als Gegner.
Suhrkamp hält den Band als Taschenbuch. Theater haben den Stoff aufgenommen, weil der Monolog des Vaters und der Familienstreit tragfähiger sind als jede Rekonstruktion des Bahnsteigs. Wer nach 2005 über die RAF sprach, sprach meist über Täter und Opfer der Anschläge; dieses Buch zwingt dazu, über Eltern zu sprechen, die weder die Gewalt des Sohnes leugnen noch die Sprache der Innenminister unterschreiben. Der Garten der frühen Kindheit ist kein Idyll, das die spätere Gewalt erklärt. Er ist das Maß, an dem Richard misst, was übrig blieb: Akten, ein Grab, ein Eid, den er zurückgibt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
