Imperium
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Imperium |
| Autor(en): | Christian Kracht |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Fischer Taschenbuch |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2012 |
| Seitenanzahl: | 256 Seiten |
| Originaltitel: | Imperium |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3596185351 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783596185351 |
| Schlagwörter: | Südsee, Kokosnuss, Kolonie, Wahn |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Imperium ist ein Roman von Christian Kracht, 2012 bei Kiepenheuer und Witsch erschienen, später bei Fischer. Er erzählt den historischen Aussteiger August Engelhardt, der um 1903 auf der Insel Kabakon in Deutsch-Neuguinea einen Sonnenorden gründet und von Kokosnüssen leben will. Kracht mischt Akten, Kolonialklischee, Abenteuerbuch und freie Erfindung zu einer Südseeballade, die komisch beginnt und im Wahn endet. Der Band erhielt den Wilhelm-Raabe-Preis und löste eine Feuilletondebatte über Ironie und Ideologie aus. Nach Faserland ist es Krachts klarster Griff in die Historie.
Inhalt
Engelhardt, Vegetarier und Nacktgänger der Lebensreform, erbt Geld, wird an deutschen Stränden verhaftet und bricht ins Schutzgebiet auf, um die Kokosnuss zur Weltnahrung zu machen. In Ceylon bestiehlt ihn ein vorgeblicher Verbündeter. In Herbertshöhe kauft er von der Plantagenkönigin Emma Forsayth die Insel Kabakon auf Kredit und weigert sich, Palmfett für den Markt zu liefern; er will Öl und Lehre. Einheimische Arbeiter zahlt er mit Gutscheinen. Jünger kommen spärlich. Heinrich Aueckens vergewaltigt den Diener Makeli und stirbt durch eine Kokosnuss, Unfall oder Strafe. Engelhardt reist zu einem angeblichen Lichtesser, erkennt den Betrug, kehrt abgemagert zurück. Der hypochondrische Musiker Max Lützow wird Freund und Mitprophet, bis der Streit um die Erweiterung des Ordens sie trennt.
Lützow geht zu Emma, stürzt beim Versuch, ein Schiff zu erreichen, und stirbt. Gouverneur Hahl, der Zuzug und Skandal fürchtet, gibt dem Kapitän Slütter den Auftrag, Engelhardt zu beseitigen; Slütter gehorcht nicht. Der Weltkrieg erreicht Rabaul, Australier besetzen die Kolonie, Slütter endet vor einem Erschießungskommando, Hahl schreibt später Briefe aus Berlin. Engelhardt bleibt auf Kabakon, erkrankt, verhungert geistig, wird zum Judenfeind wie »die meisten seiner Zeitgenossen« und beißt in den eigenen, abgetrennten Daumen, weil der Mensch sich selbst zu essen habe. Touristen belächeln den Eremiten.
Amerikanische Soldaten finden ihn nach einem weiteren Krieg, kleiden ihn, geben ihm eine Uhr und Würstchen mit bunter Soße: Das also sei nun das Imperium. Ein Leutnant lässt sich die Lebensgeschichte erzählen; Jahre später läuft ein Film in amerikanischen Kinos, die Kamera fährt auf ein weißes Postschiff unter Wolken zu – der Romananfang als Schlussbild. Kracht verschiebt Daten und Biographien, holt Thomas Mann, Hermann Hesse und Figuren aus Bildgeschichten ins Kolonialtableau und lässt durchscheinen, was er überschreibt. Die Insel ist Arkadien nur in Engelhardts Kopf; ringsum bleiben Kredit, Gouverneur und Krieg. Engelhardt ist historisch; Kabakon ist historisch; der Daumen und der Film sind das Buch.
Einordnung
Kracht spielt mit Melville, Conrad, Stevenson und dem deutschen Kolonialkitsch, ohne die Gewalt der Schutzgebiete zu leugnen: Kauf auf Kredit, Gutscheine, Gouverneur, Krieg. Die Einheimischen bleiben Arbeiter und Zuschauer; die Lehre gilt dem weißen Leib, der nackt im Pazifik steht und dennoch herrscht. Die Fehde um den Roman – ob die Ironie den Antisemitismus Engelhardts ausstelle oder weitergebe – hat die Aufnahme geprägt und den Text nicht erledigt. Imperium ist keine Rehabilitierung der Südseeromantik und kein Traktat gegen sie; es ist die Geschichte eines Mannes, der die Zivilisation flieht und ihre Abgründe in der Kokosnuss wiederholt. Gegenüber Faserland ist die Sprache hier erzählerischer, fast umständlich hochtönend, absichtlich nach dem Abenteuerbuch des Kaiserreiches.
Der Wilhelm-Raabe-Preis hat den Band ins Literarische gezogen, das Feuilleton ins Politische. Beides gehört dazu: Engelhardt will die Menschheit erlösen und endet als kannibalischer Einsiedler im amerikanischen Bild. Wer nach Kracht über deutsche Kolonien spricht, findet hier keine Lehrchronik, sondern ein Palimpsest, in dem der historische Engelhardt durch die Erfindung durchscheint. Die Würstchen am Ende sind das Imperium, das übrig bleibt, wenn die Lehre gegessen ist.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
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