Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
Autor(en): Johann Gottfried Herder
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Deutscher Klassiker Verlag
Serie: Werke 6
Erscheinungsjahr: 1784
Seitenanzahl: 1214 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3618607601
ISBN-13/

EAN-Code:

9783618607601
Schlagwörter: Humanität, Klima, Kultur, Geschichte
Sachgebiete: Sachbuch, Ideengeschichte
Rezensionen
Umschlag

Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit ist das zwischen 1784 und 1791 in vier Teilen bei Hartknoch erschienene Hauptwerk von Johann Gottfried Herder. Der erste Teil legt naturphilosophisch das Fundament, die folgenden erzählen die Menschheit von Asien über die Alten Reiche, Griechenland und Rom bis zum christlichen und germanischen Europa. Herder hatte das kürzere Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit von 1774 als Vorarbeit bezeichnet; die Ideen sollten weiter, ruhiger und ausführlicher sein. Eine Fortsetzung blieb aus. Der einzige Daseinszweck des Menschen, heißt es, sei Bildung der Humanität; die niederen Bedürfnisse der Erde sollen zu ihr führen.

Inhalt

Herder schreibt gegen eine Geschichtsphilosophie, die die Vergangenheit als Vorstufe der eigenen Gegenwart verachtet, und gegen eine Naturlehre, die den Menschen aus der Schöpfung herausnimmt. Die Erde ist ein mittlerer Planet unter Sternen, durch Umwälzungen geworden, von Gebirgen gegliedert, die Klima und Völker formen. Auf der Stufenleiter der Organisationen – Pflanze, Tier, Mensch – ist der Mensch Mittelgeschöpf und doch zur Vernunft, zur Sprache, zur Freiheit und zur Religion gebildet. Keine Kraft ohne Organ, das Organ nie die Kraft selbst: Herder trennt die lebendige Kraft von ihrem Werkzeug, um weder Mechanismus noch bloße Seele zu setzen. Die Humanität der Gegenwart ist Vorübung, Knospe einer künftigen Blüte, Mittelglied zweier Welten. Gott ist in diesem Bau nicht Lückenbüßer, sondern der Zusammenhang der Kräfte.

Der zweite und dritte Teil wenden die Naturlehre auf Völker. Überall eine Menschengattung, überall klimatisiert: Das Klima wirkt auf Körper und Seele, die genetische Kraft bleibt die Mutter aller Bildungen. Sinnlichkeit, Einbildungskraft, praktischer Verstand, Glückseligkeit sind individuell und doch geleitet von Tradition und Sprache. Die Sprache ist das sonderbare Mittel der Bildung; Regierung und Religion sind geheiligte Überlieferungen. Herder sucht den ältesten Wohnsitz in Asien und erzählt China, Indien, Babylon, Hebräer, Ägypten, Griechenland, Rom – jedes Volk als eigene Gestalt, nicht als Fehler gegenüber Europa. Humanität ist der Zweck der Menschennatur, und Gott hat dem Geschlecht das Schicksal in die Hände gegeben. Zerstörende Kräfte müssen den erhaltenden dienen; Vernunft und Billigkeit sollen mit der Zeit mehr Platz gewinnen.

Unsicher wird das Buch, wo aus Klimalehre Charakterbilder werden, die spätere Rassenlehren missbraucht haben, obwohl Herder die Einheit der Gattung betont und die afrikanischen und amerikanischen Völker nicht als Vorstufen streicht. Immanuel Kant rezensierte die ersten Teile anonym und scharf: Herder verwechsele Dichtung und Beweis, organische Kraft und erklärende Ursache. Kants eigene Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht setzt gegen die Fülle der Völker den Leitfaden einer Naturabsicht, die auf Recht und Völkerbund zielt. Herder antwortete erst 1799 mit der Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft. Die Ideen selbst bleiben unvollendet; der vierte Teil erreicht das Mittelalter und den Handelsgeist Europas, nicht die eigene Gegenwart. Goethe hielt sie für Herders Bestes: Man nimmt das Buch für Speise, da es die Schüssel ist.

Einordnung

Das Werk hat das Weltbürgertum der Klassik und den europäischen Nationalismus zugleich gespeist, weil es Völker als Individuen ernst nimmt und Europa trotzdem als Schauplatz der Vernunftkultur erzählt. Neben Vico und gegen Voltaire steht Herder als derjenige, der Geschichte nicht als Fortschritt zum Salon misst. Die akademische Kant-Forschung hat die Ideen lange als unwissenschaftlich beiseitegelegt; die Kulturwissenschaften haben die Pluralität der Lebensformen daraus bezogen. Die Spannung bleibt: Dieselbe Humanität, die jedes Volk rechtfertigt, soll sich in Vernunft und Billigkeit durchsetzen, ohne die anderen zu vernichten.

Wer nur den frühen, feurigen Herder von 1774 kennt, verfehlt die Breite, mit der die Ideen Erde, Tier und Staat in einen Zusammenhang rücken. Wer nur den Nationalherder kennt, verfehlt den Satz, dass Glückseligkeit ein individuelles Gut ist und der Mensch zur Religion gebildet. Die Ausgabe von Martin Bollacher im Deutschen Klassiker Verlag macht den ganzen Gang lesbar, einschließlich der Stellen, an denen das achtzehnte Jahrhundert seine Grenzen hat. Die Ideen sind Naturkunde, Ethnographie und Geschichtsphilosophie in einem – und darin das unruhige Hauptwerk der Weimarer Spätaufklärung.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.