Grammophon, Film, Typewriter
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Grammophon, Film, Typewriter |
| Autor(en): | Friedrich Kittler |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Brinkmann & Bose |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1986 |
| Seitenanzahl: | 427 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3922660177 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783922660170 |
| Schlagwörter: | Grammophon, Film, Schreibmaschine, Medien |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Medienwissenschaft |
| Rezensionen | |
Grammophon, Film, Typewriter ist die 1986 erschienene Untersuchung von Friedrich Kittler. Sie erzählt, wie um 1900 Laut, Blick und Schrift auf getrennte Apparate kamen. Mit den Apparaten zerfällt das Subjekt, das im Buchzeitalter noch alles zugleich hatte sein können.
Inhalt
Kittler verteilt die Sinne auf Maschinen und nimmt damit dem Buch das Monopol, das es seit Gutenberg beansprucht hatte. Das Grammophon speichert Zeit als Rille, ohne dass eine Schrift den Laut erst deuten müsste; der Film speichert den Blick, ohne den Erzählzwang der Grammatik; die Schreibmaschine setzt Schrift, ohne die Hand, die bisher den Körper an den Buchstaben band. Zusammen endet die Einheit des Menschen, der hörte, sah und schrieb, als wäre das eine Seele. An die Stelle des Inneren treten Datenströme, Frequenzen und Adressen. Das ist keine Kulturkritik, die den Verfall der Bildung beklagt. Es ist eine Umschaltung: Was bisher Interpretation hieß, wird zur Nachrichtentechnik. Edison und die Laboratorien um 1900 erscheinen als die wahren Autoren dieser Lage, nicht die Dichter, die noch vom Geist sprachen, während die Apparate schon speicherten.
Das Buch ist lesbarer als Aufschreibesysteme 1800/1900, mit der Härte derselben These und mit Beispielen, die tragen, ohne zu trösten. Nietzsche an der Schreibmaschine, der Film als Angriff auf das Nervensystem, das Grammophon als Speicher des Unbewussten: Die Anekdote wird zum Beweisstück einer Ontologie, nicht zum Schmuck. Kittler zitiert reich, springt von der Physik zur Literatur und zurück, und lässt die Seele dort stehen, wo die Hermeneutik sie sucht. Die Gegenthese, Technik sei Werkzeug eines bleibenden Subjekts, wird nicht diskutiert, sondern technisch unterlaufen. Genau darin liegt die Provokation für die Germanistik, die das Buch oft nur als Angriff nahm und die Philologie darin unterschätzte. Ohne genaues Lesen von Texten und Schaltplänen gäbe es die Behauptung nicht.
Der Ton ist sprunghaft, zitatenreich und gegen die Innerlichkeit geschrieben, näher am Essay als an der Habilitation des Vorjahrs. Die Medienwissenschaft hat den Band zum Kultbuch gemacht, weil er die drei Apparate so scharf auseinanderlegt, dass sie als Urszene des zwanzigsten Jahrhunderts lesbar werden. Die Kritik nannte den Stil maskulin, den Krieg als Leitmetapher überzogen und den Menschen für tot erklärt, bevor die Frage nach Institutionen gestellt war. Beides hat die Kanonisierung nicht verhindert. Hier steht die populäre Fassung dessen, was 1985 begründet war: Literatur nach 1900 ist ein Kanal unter anderen, nicht mehr der Königsweg zum Sinn.
Einordnung
1986 popularisiert, was 1985 in den Aufschreibesystemen begründet war, und hat damit eine Leserschaft außerhalb der Germanistik erreicht. Neben Vilém Flussers Apparat und Marshall McLuhans Sinneordnung ist das die deutsche Härte der Gerätegeschichte: nicht Wahrnehmung, nicht Geste, sondern Schaltung. Siegfried Zielinski hat später gegen die Erfolgsgeschichte der Apparate die Sackgassen geöffnet; N. Katherine Hayles hat den Körper gegen das Verschwinden des Menschen im Code gehalten. Die Nachbarschaft bleibt spannungsreich, weil Kittler beides nicht tröstet. Wirkung hat das Buch als Gründungslektüre entfaltet, in Seminaren, die fortan Grammophon, Film und Schreibmaschine als epistemische Schwelle behandelten. Es bleibt der lesbarste Eintritt in eine Medienwissenschaft, die Literatur nicht streicht, sondern an den Apparat bindet.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
