Gesellschaft und Demokratie in Deutschland
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Gesellschaft und Demokratie in Deutschland |
| Autor(en): | Ralf Dahrendorf
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1965 |
| Schlagwörter: | Demokratie, Konflikt, Elite, Modernität |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Piper
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| Umfang dieser Ausgabe: | 488 Seiten |
| ISBN: | 9783423007573 |
| Verweise | |
Gesellschaft und Demokratie in Deutschland ist das 1965 bei Piper erschienene Hauptwerk der historischen Soziologie von Ralf Dahrendorf. Es fragt, was seit dem neunzehnten Jahrhundert der liberalen Demokratie in Deutschland im Weg stand, und behandelt den Nationalsozialismus nicht als Betriebsunfall, sondern als Symptom einer längeren Entwicklung. Vier Merkmale gelten Dahrendorf als Maß: wirksames Gleichgewicht der Bürgerrechte, vernünftige Regelung sozialer Konflikte, eine in sich differenzierte politische Klasse, Vorrang öffentlicher Tugenden vor bloß privaten. Das Buch wurde zur Zeitdiagnose der jungen Bundesrepublik und zur Zumutung für ihre Stillen. Die Taschenbuchausgabe hat es über die Seminarmauer getragen.
Inhalt
Dahrendorf schreibt gegen zwei Auskünfte über den 30. Januar 1933: gegen die Verschwörung von Großindustrie und Hitler, die er den Antisemitismus der Linken nennt, und gegen Naturgesetze, nach denen Versailles, Inflation und Krise notwendig zur nationalsozialistischen Partei führen. Ältere Bindungen an Familie, Klasse, Religion und Region hielten die Menschen so fest, dass sie nicht in die Rolle moderner Staatsbürger hineinwuchsen. Technische und wirtschaftliche Modernisierung lief der politischen voraus. Konflikte sollten nicht geregelt, sondern endgültig beseitigt werden; Gewissheit statt Streit. Der monopolistischen Elite des Kaiserreichs folgte in Weimar keine selbstbewusste Führungsschicht, sondern ein Kartell der Angst neben Resten der Alten. Private Tugenden riefen, gleichsam stumm, nach dem Usurpator. Die deutsche Gesellschaft blieb bis ins zwanzigste Jahrhundert quasifeudal.
Die Behauptung spitzt sich in der These von der Modernität wider Willen. Der Nationalsozialismus vollzog die soziale Revolution, die 1918 nicht stattgefunden hatte und die Weimar aufgehalten hatte. Unbeabsichtigt und gegen das eigene Programm, das traditionelle Bindungen betonte, löste die Gleichschaltung die alten Zugehörigkeiten auf. Der Volksgenosse verschluckte Bundesbruder, Genosse, Christ, Sohn und Vater. Das Bündnis der traditionellen Eliten mit den Nationalsozialisten war ein Irrtum: sie wollten die Revolution verhindern und setzten sie in Gang. Den Widerstand vom 20. Juli liest Dahrendorf als Gegenrevolution, die den vorrevolutionären Zustand wiederherstellen wollte. Er ist ein Ruhmesblatt, aber kein Schritt auf dem Weg zur Verfassung der Freiheit. Auch die Bundesrepublik bleibt durch illiberale Züge gezeichnet; die vier Merkmale sind nicht erfüllt, nur näher gerückt.
Unsicher wird das Buch, wo es die Propaganda von Gleichschaltung und Volksgemeinschaft für die soziale Wirklichkeit nimmt. Neuere Forschung hat gezeigt, dass sich die Sozialstruktur unter den Nationalsozialisten weit weniger änderte, als Dahrendorf annahm. Die These von der Modernisierung durch Terror bleibt anstößig, weil sie dem Verbrechen eine geschichtliche Leistung zuschreibt, die es nicht wollte. Dahrendorf weiß das und hält an der unbeabsichtigten Folge fest. Der Ton ist der des liberalen Lehrers, der Konflikt für die Chance der Freiheit hält und Nestwärme für die Gefahr. Gegenposition bleibt jede Lehre, die 1933 aus Kapitalinteressen oder aus Versailles allein erklärt, und jede Erinnerungspolitik, die den Widerstand zur Geburtsurkunde der Demokratie macht. Jürgen Habermas schrieb 1965 im Spiegel, Dahrendorf hege keine Illusionen und nähre keine.
Einordnung
Kaum ein soziologisches Buch der sechziger Jahre hat so weit über das Fach hinaus gewirkt. Sighard Neckel nannte es eine der letzten umfassenden Gesellschaftsanalysen Deutschlands; Jens Hacke eine Zeitdiagnose in nationalpädagogischer Absicht, die selbst Teil der Frühgeschichte der Bundesrepublik geworden sei. Dahrendorf steht neben Karl Poppers Die offene Gesellschaft und ihre Feinde als Liberaler, der Streit nicht für Zerfall hält, und gegen eine deutsche Tradition, die Ordnung der Gegensätze in ihrer Beseitigung sucht. Die vier Indikatoren – Bürgerrecht, Konflikt, Elite, Öffentlichkeit – sind das Gerüst, an dem er Kaiserreich, Weimar, Diktatur und Bundesrepublik misst.
Geblieben ist die Frage, wie der 30. Januar möglich war, ohne Naturgesetz und ohne Verschwörung. Wer über verspätete Modernität, über den deutschen Hang zur geschlossenen Gesellschaft und über den Widerstand als Gegenrevolution spricht, stößt auf Dahrendorf. Das Buch hat die Republik erzogen und ist mit ihr gealtert; seine Provokation, dass der Nationalsozialismus modernisierte, bleibt der Stein des Anstoßes.
Ideen
Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.
Elite (wichtig)
Essays
Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.
Die einflussreichsten Werke der Soziologie: Deutschland (Kanon)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
