GRM. Brainfuck

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: GRM. Brainfuck
Autor(en): Sibylle Berg
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Serie:
Erscheinungsjahr: 2019
Seitenanzahl: 640 Seiten
Originaltitel: GRM. Brainfuck
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3462000209
ISBN-13/

EAN-Code:

9783462000207
Schlagwörter: Rochdale, Überwachung, Jugend, Grime
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

GRM. Brainfuck ist der 2019 bei Kiepenheuer & Witsch erschienene Roman von Sibylle Berg. Der erste Teil des Titels meint Grime, einen britischen Rapstil aus Londoner Vorstädten; der zweite eine Programmiersprache aus acht Zeichen, die hier für die Zurichtung der Köpfe steht. Vier Jugendliche aus Rochdale, arm, geschlagen, ohne Netz, verlieren ihre Familien und ziehen nach London, wo der Staat Überwachung, Grundeinkommen und Moralpunkte zu einem System verbindet. Berg hat keine ferne Schreckenszukunft geschrieben, sondern die Gegenwart um ein paar Drehungen weitergedreht. Der Band stand auf den Bestsellerlisten und erhielt den Schweizer Buchpreis; 2022 folgte RCE.

Inhalt

Don lebt mit Bruder und schwarzer Mutter, die wechselnde, oft gewalttätige Männer durchs Haus lässt. Hannah, Kind asiatischer Eltern, verliert die Mutter durch einen Behandlungsfehler, der Vater tötet sich. Karen, hochbegabt, wird von den Brüdern gequält; ein Hausbrand tötet alle außer ihr. Peter kommt mit der Mutter aus Polen, wird in Rochdale ausgesetzt, als sie mit einem reichen Russen nach London geht. Die vier finden einander in einer Stadt, in der die untere Schicht keine Zukunft hat und die obere, vertreten etwa durch den jungen Thome, Gleichgültigkeit als Stil pflegt. Berg stellt Figuren mit steckbriefartigen Blöcken vor, wie Personalakten, und wechselt den Fokus, indem sie den nächsten Namen setzt.

Nach den Verlusten gehen die vier nach London, in verlassene Fabriken am Rand, zwischen Netzaktivisten, die sich der Erfassung entziehen. Sie wollten sich an Menschen rächen, die sie zerstört haben; die Betreffenden sterben oder vegetieren, ohne dass die Jugendlichen die Hand rühren müssten. Der Staat führt ein Grundeinkommen ein und koppelt es an ein technisches Moralregister: Wer abweichend lebt, verliert den Satz. Frauen- und Minderheitenrechte werden beschnitten, Algorithmen ersetzen Angestellte, Menschen ersetzen einander. Die vier bleiben illegal, unbeobachtet, solange sie draußen wohnen. Grime läuft als Tonspur: Wut, Bass, die Behauptung, dass es noch eine Stimme gibt, wo die Politik keine vorsieht.

Ein Regierungswechsel nach einer Wahl holt sie in die Gesellschaft zurück. Die Integration isoliert sie voneinander; was als Rettung gilt, beendet die einzige Solidarität, die sie kannten. Dazwischen spricht immer wieder eine Instanz in der Sprache Brainfuck, EX 2279, Maschine oder Spuk, die das Geschehen kommentiert, ohne Trost. Berg erzählt nicht psychologisch aus. Die Figuren bekommen wenig Innenraum; sie bekommen Umstände, Schläge, Behördensätze und gelegentlich einander. Der Roman ist lang, episodisch, zornig. Er schließt nicht mit einer Revolution, die gelingt, sondern mit vier Leuten, die das System entweder frisst oder als Bürger wiedergibt, was auf dasselbe hinauslaufen kann.

Einordnung

Berg hat den Gegenwartsroman so weit ins Dystopische gezogen, dass die Unterscheidung zusammenbricht: Rochdale gibt es, Grime gibt es, die Bewertungssysteme sind im Kommen. Gegen Houellebecqs Unterwerfung, die den Umbau von oben als Satire auf die Eliten schreibt, setzt Berg die Kinder, die nie zur Elite gehören werden. Der Rapton, die Aktenprosa, die Weigerung, den Figuren Tiefe als Trost zu schenken, haben die Kritik gespalten: die einen lasen einen Sprengsatz, die anderen eine Aneinanderreihung von Elend ohne Personen. Beides trifft etwas. Der Furor ist feministisch, klassengegensätzlich, europäisch in einem Großbritannien nach dem Austritt, das als Labor dient.

Die Fortsetzung RCE greift Figuren auf und verschiebt den Schauplatz in die Netze; GRM bleibt das Buch der vier und der Stadt. Wer nach Berg über Überwachung und Jugend spricht, kommt an Rochdale nicht vorbei; wer den Band für bloße Schwarzmalerei hält, hat Don, Karen, Hannah und Peter nur als Opfer gelesen, nicht als die einzige Zärtlichkeit, die der Text zulässt. Ursula März nannte das die kolossale Leistung: Brutalität, die Empathie nicht verhindert. Der KiWi-Taschenbuchband hält die 640 Seiten, die manchen zu lang waren. Die Länge gehört zum Verfahren: Das System hört nicht auf, also hört der Satz nicht auf.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.