Feuer in den Köpfen der Menschen

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James H. Billington · 1980 · Sachbuch, Ideengeschichte
Das Werk
Deutscher Titel: Feuer in den Köpfen der Menschen
Autor(en): James H. Billington
Originaltitel: Fire in the Minds of Men
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1980
Schlagwörter: Revolution, Glaube, Gleichheit, Brüderlichkeit
Sachgebiete: Sachbuch, Ideengeschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Basic Books


Umfang dieser Ausgabe: 677 Seiten
ISBN: 9780465024056
Verweise
Umschlag

Feuer in den Köpfen der Menschen (englisch Fire in the Minds of Men: Origins of the Revolutionary Faith) ist die 1980 bei Basic Books in New York erschienene Ideengeschichte des Historikers James H. Billington. Eine deutsche Ausgabe gibt es nicht; der Titel nimmt ein Wort aus Fjodor Dostojewskis Die Dämonen auf. Billington untersucht nicht Barrikaden und Brotpreise, sondern die Leidenschaft für den Umsturz, die sich seit 1789 in Mitteleuropa und später in Russland festsetzte. Er folgt einem oft unsichtbaren Faden aufrührerischer Ideen, die geheime Gesellschaften trugen und doch denselben Ursprung haben: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Das Buch zählt, weil es die Revolution als Glauben liest, der eine vollkommene weltliche Ordnung aus dem Sturz der überlieferten Autorität erwartet.

Inhalt

Billington schreibt gegen die Sozialgeschichte, die Aufstände aus Hunger, Steuer und Klasse ableitet und die Ideen als Überbau abtut. Ihm geht es um den Glauben selbst: dass nach dem gewaltsamen Ende der alten Herrschaft eine vollkommene säkulare Ordnung entstehen werde. Die drei Worte der Französischen Revolution sind nicht gleichrangig. Die Freiheit ist der älteste, für Selbstsucht anfälligste Kern. Gleichheit und Brüderlichkeit antworten auf sie und erweitern sie. Aus der Brüderlichkeit wird in Logen und geheimen Bünden eine organisatorische Glut, die bis zur Pariser Kommune reicht und dann, was Volksrevolutionen betrifft, erlischt, bis sie im Nationalismus aufgeht und in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts als Nationalsozialismus wiederkehrt. Die Gleichheit wird zur Grundlage von Sozialismus, Sozialdemokratie und Kommunismus.

Die Behauptung entfaltet sich als Kirchengeschichte ohne Kirche. Billington schildert Inkarnation und Ort der Legitimität, okkulte Ursprünge der Organisation, dann die Vorherrschaft nationaler Revolutionäre in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, die Spaltung von nationaler und sozialer Revolution, die Entstehung einer Intelligenz als Prophetie. Im Schisma stehen Pierre-Joseph Proudhon und Karl Marx: der eine der republikanische, antimonarchische Individualist, der andere der kollektivistische Kommunist. Beide zielen, so Billington, auf eine säkulare, menschenbezogene Gesellschaft, die zugleich gleichheitlich und nützlichkeitsbezogen ist, der eine über das Individuum, der andere über das Kollektiv. Die Presse erscheint als magisches Medium; später treten die Maschine der deutschen Sozialdemokratie, die Bombe der russischen Gewalt, der Syndikalismus und der Weg Lenins zur Macht. Ein eigenes Kapitel gilt der Rolle der Frauen. Der Epilog blickt über Europa hinaus.

Unsicher wird das Buch, wo aus geheimen Gesellschaften eine durchlaufende Kette wird, die Freimaurer, Kommunarden und Bolschewiki an denselben Tisch setzt. Wer soziale Ursachen sucht, findet hier zu wenig Brot und zu viel Ritual. Billington weiß, dass er einen Faden spickt, der oft unsichtbar ist, und nimmt die Nähe zum Okkulten in Kauf, weil ihm die Organisationsform der Zelle als Erbe der Loge gilt. Der Ton ist der des gelehrten Erzählers, der Bibliotheken der Revolution ausgelesen hat, sechshundert Seiten Anmerkungseifer unter dem Fließtext. Gegenposition bleibt jede Materialismuslehre, die Ideen als Widerschein der Produktionsweise führt, und jede Ereignisgeschichte, die 1789, 1848 und 1917 als Brüche ohne gemeinsamen Glauben liest. Albert Camus hat in Der Mensch in der Revolte denselben Stoff als Maß und Terror behandelt; Billington sucht die Herkunft des Glaubens, nicht dessen Ethik.

Einordnung

Neben den großen Sozialgeschichten der Revolution steht Billingtons Band als Ideengeschichte eines Glaubens, den er für den Glauben seiner Zeit hielt. Er war später Leiter der Library of Congress; das Buch bleibt das Werk des Russlandhistorikers, der Dostojewski ernst nimmt und die Straße nur als Schauplatz der Idee. Die Kritik hat die okkulte Linie überzogen gefunden und die Gleichsetzung der Ziele von Proudhon und Marx für zu glatt. Die Wirkung lag eher im englischen Sprachraum als in der deutschen Forschung, die das Buch kaum übersetzte.

Geblieben ist die Einsicht, dass Gleichheit und Brüderlichkeit auseinandertreten können und doch denselben säkularen Himmel versprechen. Wer über revolutionäre Religion, über Logen und über die Spaltung von 1848 spricht, stößt auf Billington, auch wo man den Faden für zu dünn hält. Der englische Text hat den beschwörenden Atem bewahrt. Ohne deutsche Ausgabe bleibt er ein Buch für die, die den Glauben der Umstürzler in der Originalsprache lesen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.