Eurotrash
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Eurotrash |
| Autor(en): | Christian Kracht |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Fischer Taschenbuch |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2021 |
| Seitenanzahl: | 207 Seiten |
| Originaltitel: | Eurotrash |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3596705185 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783596705184 |
| Schlagwörter: | Mutter, Schweiz, Vermögen, Reise |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Eurotrash ist der 2021 bei Kiepenheuer und Witsch erschienene Roman von Christian Kracht, den der Verlag als Fortsetzung von Faserland nach fünfundzwanzig Jahren bezeichnet hat. Ein Ich-Erzähler namens Christian Kracht holt die alkoholkranke, verwirrte Mutter ab, hebt mit ihr sechshunderttausend Franken aus dem Vermögen, das die Familie der Anbiederung an die Nationalsozialisten verdankt, und fährt durch die Schweiz, um das Geld loszuwerden. Der Titel ist englisch und unfreundlich: Abfall Europas, Abfall der eigenen Herkunft. 2025 stand das Buch auf der engeren Auswahlliste des International Booker Prize.
Inhalt
Der Erzähler wird zur Mutter gerufen, die etwas zu besprechen hat und ihn ausschimpft wie seit je. Er beschließt, den Kreis aus Missbrauch, Geld und Schweigen zu unterbrechen, und nimmt sie mit. Sie hassen das Vermögen gemeinsam, wenigstens in den Sätzen, die sie darüber machen. Er will eine Aussteigerkommune in Saanen, seinem Geburtsort, beschenken; die Kommune entpuppt sich als rechtsradikal, er ist entsetzt, das Geld bleibt. Die Mutter, von der Fahrt belebt, will im Ort der Kindheit Forellen essen und einmal im Leben Edelweiß sehen. Auf dem Gipfel will er asiatischen Touristinnen Zehntausende schenken; es kommt zum Streit. Sie werfen einander Faulheit, Talentlosigkeit, Vernachlässigung, Missbrauch und das Nutzen des Nazi-Vermögens vor. Im Taxi verlangt sie München, dann Afrika.
Weil sie psychisch weiter abbricht, täuscht er Flughafen und Flug vor und setzt sie an der Nervenheilanstalt ab, in der sie schon lag. Sie wähnt sich in Tansania und will zu den Zebras; er verabschiedet sich. Dazwischen stehen Rückblicke auf den Vater, den Verleger Christian Kracht senior, auf Internate, auf eine Kindheit aus Kälte und Luxus, auf Sätze, die der Erzähler in anderen Büchern schon geformt hat. Kracht hat gesagt, alle seine Romane würden zwischen diesen Deckeln formell nachgeahmt. Die Handlung ist dünn, die Scham dicht. Das Geld wird nicht rein, indem man es verschenkt; die Kommune nimmt es nicht, die Touristinnen sollen es nicht, die Anstalt braucht es nicht in dieser Geste. Übrig bleibt die Mutter, die Zebras sieht, wo Pfleger stehen.
Der Ton kennt die Marken und Orte, die Faserland einst als Oberfläche vorführte, und hält sie für Gift. Helvetismen, Klinik, Bergbahn, die Höflichkeit des Personals, das eine verwirrte alte Frau als Gästin behandelt: Die Schweiz ist schön und mitschuldig, nicht als These, sondern als Landschaft, in der man das Edelweiß findet und trotzdem nicht gerettet wird. Der Erzähler bleibt der Sohn, der rettend auftreten will und die Mutter belügt, damit sie nicht nach Afrika fliegt. Ob das Erbarmen ist oder Kontrolle, lässt der Text offen.
Einordnung
Faserland schickte 1995 einen reichen jungen Mann von Sylt nach Zürich, der Freunde im Rausch stehen ließ; Eurotrash schickt denselben Typus, gealtert und namentlich mit dem Autor zusammenfallend, mit der Mutter durch dasselbe Land. Die leichte Gegenwartsprosa der neunziger Jahre, die man Kracht anhing, trägt hier nicht mehr: Es geht um Herkunft aus Tätergeld, um Pflege, um die Unmöglichkeit, sich reinzukaufen. Tobias Rüther schrieb von der Trennung zwischen Autor und Figur, die hier perfekt und unmöglich zugleich sei. Die Technik, den Erzähler wie der Verfasser heißen zu lassen, kennt man von Bret Easton Ellis; Kracht benutzt sie, um das autobiographisch Belegte und das Erfundene ununterscheidbar zu machen.
Bühnen in Berlin, Hamburg, Wien, Freiburg haben das Buch als Zweipersonenstück genommen; Angela Winkler und Barbara Nüsse spielten die Mutter. Das Hörbuch liest Kracht selbst. Fischer hat das Taschenbuch. Wer nach Faserland fragte, wo dieser Erzähler geblieben sei, findet ihn hier nicht geläutert, sondern als Sohn. Die engere Auswahlliste in London hat den Text aus der deutschsprachigen Nische geholt, ohne ihn zu entschärfen. Das Vermögen bleibt, die Mutter bleibt, der Abschied an der Anstalt ist keine Lösung. Kracht hat das Buch vier Frauen gewidmet: Frau, Tochter, Schwester, Mutter.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
