Eudemische Ethik
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Eudemische Ethik |
| Autor(en): | Aristoteles |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | de Gruyter |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | |
| Seitenanzahl: | 504 Seiten |
| Originaltitel: | Ἠθικὰ Εὐδήμεια |
| Originalsprache: | griechisch |
| ISBN-10: | 3050011459 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783050011455 |
| Schlagwörter: | Glück, Tugend, Freundschaft, Klugheit |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Eudemische Ethik ist die neben der Nikomachischen Ethik überlieferte Vorlesung des Aristoteles über das gelungene Leben. Sie ist dem jung verstorbenen Schüler Eudemos von Rhodos gewidmet; lange galt sie als dessen Werk, bis sich die Zuschreibung an Aristoteles durchsetzte. Entstanden ist sie um die Mitte des vierten Jahrhunderts vor Christus, wahrscheinlich vor der kanonischen Schwesterschrift. Acht Bücher behandeln Glück, Tugend, Freundschaft und Klugheit; drei davon überschneiden sich handschriftlich mit der Nikomachischen Ethik. Die Schrift zählt, weil sie Varianten bewahrt, die das Abendland später geglättet hat, und weil sie die Tugend frommer und unfertiger denkt als der Schultext.
Inhalt
Aristoteles schreibt gegen die Meinung, Glück sei Vergnügen, Reichtum oder die Gunst der Menge. Eudaimonia, das Gelingen, ist das Ziel, um dessentwillen man alles andere will; sie besteht in einer Tätigkeit der Seele gemäß der Tugend, nicht in einem Zustand, den man besitzt. Lebensformen werden geprüft: das Leben des Genusses, das politische Leben, das betrachtende. Schon hier fällt ein religiöserer Ton als in der Schwesterschrift: Das Gelingen hat mit dem Schönen und Guten zusammenzuhängen, nicht nur mit dem Nutzen. Die Bücher II bis VI unterscheiden Charaktertugenden und Verstandestugenden, die verschiedenen Seelenteilen angehören; die Mitte zwischen Zuviel und Zuwenig bleibt der Maßstab, den der Kluge trifft.
Freundschaft trägt das siebte Buch. Sie ist nicht Beiwerk des Glücks, sondern eines seiner Stücke: Ohne den anderen, dem man das Gute um seinetwillen wünscht, bleibt die Tugend unvollständig. Aristoteles trennt Nutzenfreundschaft, Lustfreundschaft und die Freundschaft der Tugendhaften, die dauert, weil sie am Charakter hängt. Das achte Buch wendet sich der Phronesis zu, der Klugheit, die weiß, was hier zu tun ist, und der Kalokagathia, dem Schön-und-Gutsein als Einheit von innerer Haltung und sichtbarer Form. Dazwischen steht die heikle Frage nach der Eutychia, dem Erfolg, der einem zufällt: Ob Glück auch dort vorliegt, wo das Gelingen von außen kommt, bleibt offen und wird frommer beantwortet als in der Nikomachischen Ethik.
Die sogenannten strittigen Bücher IV bis VI entsprechen den Büchern V bis VII der Nikomachischen Ethik; die handschriftliche Überlieferung legt nahe, dass sie ursprünglich dorthin gehören. Die Schrift ist also kein zweites System, sondern eine Parallelfassung mit eigenem Stil, stärkerer Betonung des Göttlichen und einer Widmung, die den Titel trägt. Der Ton ist vorlesungshaft, weniger geglättet als die kanonische Ethik, und gerade deshalb aufschlussreich: Man sieht Aristoteles denken, ehe die Schule die Sätze festzurrt. Wo die Zuschreibung schwankt, schwankt auch die Lehre; die Forschung seit Werner Jaeger liest die Eudemische Ethik als frühere Stufe, andere als reife Variante. Unsicher bleibt, ob die frommere Färbung eine Jugendstufe ist oder eine andere Auskunft über dasselbe Gelingen.
Einordnung
Gegen Platons Der Staat holt auch diese Ethik die Tugend aus der Idee in die Übung. Sie steht im Schatten der Nikomachischen Ethik, die das Abendland kanonisiert hat, und gerade deshalb bewahrt sie Varianten, die dort geglättet sind: das Verhältnis von Erfolg und Gelingen, die religiöse Färbung des höchsten Lebens, die Freundschaft als Tragbalken. Immanuel Kant hat später die Pflicht gegen die Glückseligkeit gesetzt; die eudemische Linie bleibt der Gegenpol, der das gute Leben nicht von der Neigung trennt. Anthony Kenny hat die Priorität der Bücher umgekehrt und die Eudemische Ethik zur reiferen erklärt; die Debatte ist nicht geschlossen.
Die Nikomachische Ethik allein zeigt Aristoteles’ Moral, nicht diese Werkstatt. Die deutsche Ausgabe von Franz Dirlmeier im Akademie-Verlag, heute bei de Gruyter, hat die Echtheit mit stilistischen und zitierenden Gründen gesichert und den Text erst lesbar gemacht. Die Kritik an der elitär auf den freien Mann der Polis zugeschnittenen Tugend gilt hier wie dort. Geblieben ist die Frage, ob Gelingen Tätigkeit ist oder auch Gabe – eine Unruhe, die die glattere Schwesterschrift eher zudeckt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
