Elementarteilchen

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Elementarteilchen
Autor(en): Michel Houellebecq
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Rowohlt
Serie:
Erscheinungsjahr: 1998
Seitenanzahl: 379 Seiten
Originaltitel: Les Particules élémentaires
Originalsprache: französisch
ISBN-10: 3499242559
ISBN-13/

EAN-Code:

9783499242557
Schlagwörter: Brüder, Sexualität, Klonen, Einsamkeit
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Elementarteilchen ist der 1998 erschienene Roman von Michel Houellebecq, im Original Les Particules élémentaires. Zwei Halbbrüder, Söhne einer Mutter, die Selbstfindung über Bindung stellt, leben die Folgeschäden der sexuellen Befreiung: der eine als Lehrer in dauernder, unglücklicher Begierde, der andere als Biologe, der den Körper kaum noch braucht. Houellebecq verbindet Elend, Soziologie und die Vision einer geklonten, geschlechtslosen Menschheit, die das Leiden der Individuen abschaffen soll. Das Buch wurde in Frankreich zum Streitfall und zum Verkaufserfolg, erhielt den Prix Décembre und später den International IMPAC Dublin Literary Award. Deutsch erschien es bei Rowohlt in der Übersetzung von Uli Wittmann.

Inhalt

Janine, später Jane, bekommt in den fünfziger Jahren zwei Söhne von verschiedenen Männern und überlässt sie den Großmüttern: Bruno Clément wächst gedemütigt auf, wird Lehrer, sammelt Demütigungen und Sexhefte, heiratet unglücklich, hat einen Sohn, den er nicht lieben kann. Michel Djerzinski wird Molekularbiologe, lebt karg, zeigt wenig Begehren, nimmt eine Auszeit, die die Kollegen für Verrat halten. Was die Brüder teilt, ist die Abwesenheit der Mutter, die in Kommunen und an Küsten nach sich selbst sucht. Houellebecq erzählt ihre Kindheiten als Beweisstück: Die Freiheit der Erwachsenen ist die Verlassenheit der Kinder. Die Mutter bleibt eine ferne Nachricht, kein Haus.

Um die Vierzig scheint sich das Leben zu wenden. Bruno trifft Christiane, die seine Besessenheit teilt; sie fahren nach Cap d’Agde, unter die Nackten und Tauschenden, und finden eine Zärtlichkeit, die Bruno nicht für möglich hielt. Christiane erkrankt an einer Nekrose, bleibt gelähmt, tötet sich. Bruno bricht zusammen und bleibt in der Psychiatrie. Michel begegnet Annabelle wieder, der Jugendfreundin; sie werden ein Paar, sie will ein Kind, Krebs der Gebärmutter zwingt zur Operation, Annabelle tötet sich. Michel verliert den Rest an Bindung und arbeitet die theoretischen Grundlagen einer neuen Fortpflanzung aus: Klonen, keine Geschlechter, kein Altern, keine Individuen im alten Sinn. Nicht er, der später spurlos verschwindet – der Erzähler legt Selbsttötung nahe –, sondern der jüngere Hubczejak trägt die Lehre unters Volk.

Ein später Erzähler, aus einer Zukunft, in der die neue Menschheit bereits existiert, blickt auf Bruno und Michel als letzte Exemplare einer unglücklichen Art. Houellebecq schiebt Exkurse ein: Quantenphysik, Huxley, Positivismus, die kalifornische Szene von Esalen, Jugendwahn, der Markt, der nach der Ökonomie nun die Körper erfasst. Die These, schon in Ausweitung der Kampfzone angelegt, lautet: Mit der sexuellen Befreiung konkurrieren die Menschen nicht mehr nur um Geld, sondern um Körper, und wer verliert, verliert sichtbarer. Die Brüder sind Verlierer verschiedener Art. Die Wissenschaft bietet den Ausweg, der keine Heilung der Liebe ist, sondern deren Abschaffung.

Einordnung

Houellebecq hat den Zeitdiagnoseroman als Beleidigung und als Trost geschrieben: Beleidigung für die Generation von 1968, der er vorwirft, die Kinder im Namen der Freiheit sitzen gelassen zu haben; Trost für Leser, die in der Kälte der Beschreibung ihre eigene Einsamkeit erkennen. Die Kritik nannte das Buch zynisch, sexistisch, tröstlich, eine böse Satire – oft alles zugleich. Clemens Setz hat in der Zeit von Trost in aussichtsloser Lage gesprochen. Die Frauenfiguren Christiane und Annabelle sind klarer und großherziger als die Brüder; sie sterben trotzdem zuerst. Das ist die Grausamkeit der Konstruktion, kein Versehen.

Oskar Roehlers Film von 2006 mit Moritz Bleibtreu hat den Stoff ins deutsche Kino geholt und vergröbert, was der Roman in Exkursen trägt. Die Möglichkeit einer Insel führt das Klonen weiter; Unterwerfung verschiebt die Diagnose ins Politische. Neben Huxleys Schöne neue Welt steht Houellebecq als Autor, der die gezüchtete Menschheit nicht als Dystopie der Herrschaft, sondern als Erlösung vom Begehren denkt – und diese Erlösung so kalt erzählt, dass man sie fürchten muss. Die angegebene Rowohlt-Taschenbuchausgabe zählt 379 Seiten.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.