Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft

Claude Lévi-Strauss · 1949 · Sachbuch, Anthropologie
Gesellschaft
Das Werk
Deutscher Titel: Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft
Autor(en): Claude Lévi-Strauss
Originaltitel: Les Structures élémentaires de la parenté
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1949
Schlagwörter: Verwandtschaft, Inzest, Tausch, Struktur
Sachgebiete: Sachbuch, Anthropologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 736 Seiten
ISBN: 9783518076286
Verweise


Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft ist die 1949 erschienene, 1981 bei Suhrkamp deutsch vorgelegte Untersuchung von Claude Lévi-Strauss über Heiratsregeln als Ordnung des Tauschs. Vor den Traurigen Tropen und vor dem wilde Denken steht dieses gelehrte Buch: das Inzestverbot als Schwelle zur Kultur, die Frau als das höchst bewertete Gut, das Clans zwischen sich bewegen, Kreuzvetternschaft als Elementarform. Lévi-Strauss schreibt gegen die biologische und gegen die bloß rechtliche Erklärung der Verwandtschaft.

Inhalt

Das Inzestverbot ist bei ihm nicht Instinkt und nicht Hygiene. Es zwingt die Gruppe, nach außen zu heiraten, und stiftet damit Gesellschaft: Wer die eigene Schwester nicht heiratet, muss mit einer anderen Gruppe tauschen. Aus dem Verbot folgt die Allianz. Elementare Strukturen sind solche, in denen die Heiratsregel positiv sagt, wen man heiraten soll – oft die Kreuzvetterin –, nicht nur, wen nicht. Australien, Südostasien, Indien, die amerikanischen Beispiele: Lévi-Strauss baut Typen beschränkten und allgemeinen Tauschs, Kreisläufe, die Ehre, Schuld und Frieden organisieren. Mauss’ Gabe wird zur Heiratstheorie.

Die Analyse ist formal, fast algebraisch, und sie ruht auf Ethnographie, die Lévi-Strauss nicht allesamt selbst erhoben hat. Die Pointe reicht über die Verwandtschaft hinaus: Kultur beginnt, wo Natur in Regel übersetzt wird; der Geist arbeitet mit Gegensätzen, mit Tausch und Verbot, hier wie im Mythos später. Die Frauen erscheinen als Zeichen und als Wesen, die getauscht werden – eine These, die die spätere Kritik als Androzentrik gelesen hat, weil sie die Tauschenden als Männer denkt. Lévi-Strauss hat das als Beschreibung von Systemen gemeint, nicht als Vorschrift; die Spannung bleibt im Text. Suhrkamp hat den Band der deutschen Theorie gegeben, die Verwandtschaft sonst den Juristen überließ.

Unsicher ist die Reichweite des Elementaren. Komplexe Systeme, in denen nur verboten, nicht geboten wird, behandelt das Buch als anderen Typus; die Wirklichkeit mischt. Die Mathematik der Allianz hat Schulen begeistert und Feldforscher geärgert, die keine Kreisläufe fanden. Neben Boas’ Absage an die Rassenleiter steht Lévi-Strauss’ Absage an die biologische Familie als Kern der Gesellschaft: Verwandtschaft ist gemacht, getauscht, gedacht. Wer nur die Tropen kennt, unterschlägt diese Härte; wer nur die Formel kennt, unterschlägt die Trauer, die später kommt, wenn dieselben Ordnungen verschwinden.

Einordnung

Das Buch hat den französischen Strukturalismus in der Ethnologie begründet und die Verwandtschaft aus der Natur in die Kultur geholt. Es steht am Beginn von Lévi-Strauss’ Werk, vor Mythos und wildem Denken, und hat der Theorie des Tauschs nach Mauss den Heiratskern gegeben. Wer Familie nur als Blutsband kennt, trifft hier die Behauptung, dass Gesellschaft mit einem Verbot beginnt, das Tausch erzwingt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.