Die Wolke
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Wolke |
| Autor(en): | Gudrun Pausewang |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Ravensburger |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1987 |
| Seitenanzahl: | 222 Seiten |
| Originaltitel: | Die Wolke |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3473580147 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783473580149 |
| Schlagwörter: | GAU, Radioaktivität, Flucht, Jugend |
| Sachgebiete: | Jugendroman |
| Rezensionen | |
Die Wolke ist der 1987 erschienene Jugendroman von Gudrun Pausewang, ein Jahr nach der Katastrophe von Tschernobyl. Pausewang fragt, was geschähe, wenn ein Super-GAU nicht in der Ukraine, sondern im bayerischen Grafenrheinfeld läge, in Reichweite westdeutscher Schulen und Wohnzimmer. Die vierzehnjährige Janna-Berta aus Schlitz bei Fulda wird zum Strahlenopfer, während Erwachsene die Normalität zurückhaben wollen. Das Buch wurde Schullektüre, erreichte Millionenauflagen und bekam 1988 den Deutschen Jugendliteraturpreis, gegen den Widerstand in der damaligen Regierungspartei.
Inhalt
Janna-Berta sitzt in der Schule, als der Katastrophenalarm kommt. Zu Hause in Schlitz wartet nur der jüngere Bruder Uli; die Eltern sind in Schweinfurt, die Großeltern im Urlaub. Die Mutter ruft vom Bahnhof an und befiehlt die Flucht zur Tante Helga nach Hamburg. Die Nachbarn sind schon weg, die Geschwister fahren mit dem Fahrrad. Auf den Straßen herrscht Chaos. Uli stürzt und wird von einem Auto überfahren. Die schockierte Janna-Berta gerät in radioaktiven Regen, irrt an der innerdeutschen Grenze und bricht zusammen. Sie wacht in einem Notkrankenhaus in Herleshausen auf, sieht den Tod eines türkischen Mädchens, mit dem sie Freundschaft geschlossen hat, und verliert die Haare. Das Personal weicht Fragen nach der Familie aus.
Die ungeliebte Tante Helga holt sie nach Hamburg und sagt endlich, was verheimlicht wurde: Der Vater ist am Morgen der Katastrophe umgekommen, die Mutter und der kleinste Bruder Kai wenige Tage später. Helga will den Großeltern auf Mallorca vorerst eine Lüge auftischen. Das verseuchte Gebiet ist in drei Sperrzonen geteilt; Schlitz liegt in der dritten, die nach Monaten wieder betreten werden darf. Draußen sind unverstrahlte Lebensmittel unbezahlbar, Evakuierte werden zwangsweise einquartiert, wer am Haarausfall als Strahlenopfer erkennbar ist, wird gemieden. Helga verlangt Disziplin und Schulnoten. Janna-Berta trifft den ehemaligen Klassenkameraden Elmar, der den Lebensmut verloren hat und sich das Leben nimmt. Die jüngste Schwester der Mutter, Almut, war schwanger und hat auf ärztlichen Rat abgetrieben; sie erzählt, das Militär habe die innerste Zone abgeriegelt und Flüchtende erschossen, vermutlich auch den Vater.
Janna-Berta zieht zu Almut nach Wiesbaden, in eine Familie, die sich selbst als Überlebende der Strahlung versteht und zwei Waisen aufgenommen hat. Auf einer Versammlung der Katastrophenopfer hört sie, dass Mitschüler tot sind und viele Schlitzer nicht zurückwollen. Als die dritte Zone freigegeben wird, fährt sie allein nach Hause, begräbt Ulis Überreste im Rapsfeld und findet die ahnungslosen Großeltern im Haus. Der Großvater spricht von unnötiger Aufregung über ein »Großkatastrophenmärchen«. Janna-Berta nimmt die Mütze ab und beginnt zu erzählen.
Einordnung
Pausewang schreibt aus der Anti-Atomkraft-Bewegung und stellt der Idylle des Jugendbuchs den Schrecken einer westdeutschen Kernschmelze entgegen. Schlitz, ihr damaliger Wohnort, ist Schauplatz auch in Die letzten Kinder von Schewenborn, dem Band über einen Atomkrieg. Die Erzählung zählt Tote, Zonen und Preise, ohne die Hauptfigur zur bloßen Moralfigur zu machen: Janna-Berta trauert, lügt nicht gern und kehrt trotzdem heim, weil Heimweh stärker ist als die vernünftige Warnung. Ute Blaich sprach 1987 von einer Schrecken erzeugenden Offenheit; Alwin Binder nannte das Buch ein Machwerk trivialer Muster. Beides hat die Wirkung nicht gebrochen.
Der Deutsche Jugendliteraturpreis 1988 kam erst, nachdem Walter Jens, Peter Härtling und die Juryvorsitzende Bettina Hurrelmann sich gegen den parteiinternen Widerstand um Rita Süssmuth gestellt hatten. Nach Fukushima 2011 lag der Roman wieder auf den Verkaufslisten; Tilman Spreckelsen schrieb, kaum ein Buch sei so tief im Gedächtnis der dann Zwanzig- bis Fünfundvierzigjährigen. Die Verfilmung von 2006 verschob den Schwerpunkt auf eine Liebesgeschichte. Wer in westdeutschen Schulen über Kernenergie und Angst gesprochen hat, hat hinter diesem Band gesprochen, zustimmend oder mit dem Vorwurf, er habe eine Generation verseucht.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
