Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre

Heimito von Doderer · 1951 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre
Autor(en): Heimito von Doderer
Originaltitel: Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1951
Schlagwörter: Wien, Stiege, Erinnerung, Melzer
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: dtv


Umfang dieser Ausgabe: 912 Seiten
ISBN: 9783423012546
Verweise


Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre ist ein Roman von Heimito von Doderer, 1951 bei Biederstein in München erschienen. Er spielt in Wien 1923 bis 1925, mit langen Rückblicken in die Sommer 1910 und 1911, und hält die meisten Szenen in einem Stück des neunten Bezirks, zwischen Franz-Josefs-Bahnhof und Schottentor. Die titelgebende Stiege verbindet Liechtensteinstraße und Boltzmanngasse; sie ist Schauplatz, Maß und Gegenort zum Verkehr des Althanplatzes. Doderer hat das Buch als Rampe zu den späteren Dämonen gedacht, und es machte ihn mit einem Schlag bekannt. Es ist ein Gesellschaftsroman, in dem die Handlung sich oft hinter der Betrachtung versteckt.

Inhalt

Der erste Satz gilt Mary K.: Ihr Mann Oskar lebt noch, sie geht auf zwei Beinen, und am 21. September 1925 wird ihr die Straßenbahn unweit der Wohnung ein Bein abfahren. Um diese Klammer legt Doderer ein Gewebe. Melzer, 1910 Infanterieleutnant auf Sommerurlaub aus Bosnien, nach dem Krieg Major a. D. und Amtsrat in der Tabakregie, ist der Mann, dem das Leben lange durch die Finger läuft. Die Verlobung mit Mary kommt nicht zustande, weil er die Folge – den Dienst quittieren, unausgesprochen: Mary ist Jüdin – nicht einmal denkt. Eine Verbindung mit Editha Pastré, später geschiedene Schlinger, entgeht ihm, weil er die Gelegenheit nicht erkennt. Die Liebe zu Asta Stangeler bleibt ungesagt. Erst 1925 trifft Melzer in entscheidenden Augenblicken das Richtige.

René Stangeler, 1911 Maturant, 1925 Historiker nach Krieg und Gefangenschaft, trägt viel von Doderers eigener Herkunft: adeliger Vater, viele Geschwister, Russland, Studium. Er verlobt sich mit Grete Siebenschein, Pianistin, die die Nachkriegszeit allein in Oslo überstanden hat. Renés Schwester Etelka Grauermann wird auf ihren Selbstmord hin erzählt, als ginge es um einen Wettlauf zum Tode, bei dem sie als erste ankommt. Dazu Konsularakademiker, der erdrückende Vater Stangeler, ein Skandal auf der Stiege, wo ein Paar sich trennt, eine Bärenjagd in Bosnien, Umverlobungen, Küsse, die in Wien ein Haus erschüttern. Der Erste Weltkrieg liegt im toten Winkel zwischen 1911 und 1923; er hat die Figuren gezeichnet, ohne als Schlachtengemälde aufzutreten.

Übergreifende Stränge füllen den kleineren Teil des Buches. Den größeren füllen Gespräche, Soziolekte, die Umstellung von Gaslicht auf elektrische Lampe, vom Fiaker auf den Autobus, von der k. k. Tabakregie auf die österreichische. Doderer schreibt Wien als Sprache: Amtsdeutsch, Militärdeutsch, Bürgerhaus, Gasse. Die Stiege, vom Architekten Theodor Johann Jaeger gebaut, wird im Roman zum Beweis, dass ein Weg mehr ist als die Verbindung zweier Punkte. Marys Unfall auf dem Althanplatz bleibt der laute Gegenpol zur stillen Treppe. Melzer findet, spät, eine Art, selbst zu existieren. Der Roman feiert das nicht als Bekehrung, sondern als Ankunft in der Tiefe der Jahre, die der Untertitel nennt.

Einordnung

Doderer hat mit der Strudlhofstiege den österreichischen Großstadtroman der Nachkriegszeit begründet, ohne die Trümmer von 1945 zu schildern: Er schreibt das Wien vor und nach 1914 und meint damit auch, wie man nach einer Katastrophe weiterredet. Rund dreißig Figuren kehren in den Dämonen von 1956 wieder; beide Bücher sind unabhängig lesbar. Der Ich-Erzähler tritt nur selten hervor; die Distanz ist liebevoll-ironisch, der Satz oft verschachtelt, der Witz fein. Karl Kraus hat sich über Doderers »rückwärtig« statt »hinten« lustig gemacht; der Einwand trifft den Ton, nicht den Rang.

Eine Fernsehfassung von 1987, Hörspiele und Bühnenbearbeitungen, zuletzt in der Josefstadt, haben Melzer sichtbar gemacht. Sie müssen kürzen, was das Buch türmt: Betrachtung, Einschub, den Satz, der fünfmal abbiegt, bevor er ankommt. Neben der Wiener Moderne eines Schnitzler steht Doderer als später Chronist derselben Gebrochenheit, nur dicker und nach zwei Kriegen. Die dtv-Ausgabe mit ihren neunhundert Seiten bleibt der Ort, an dem die Stiege mehr ist als ein Ausflugsziel. Doderer hat sie berühmt gemacht; der Architekt Jaeger blieb blass. Das Ungleichgewicht ist ungerecht und gehört zur Wirkungsgeschichte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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